Nun ist die SPIEL in ESSEN schon wieder zwei Monate her und zig andere Blogger haben schon längst ihren Senf dazu abgegeben und jetzt komm ich daher wie die alte Weihnacht mit meinem Rückblick … ;-).

Vorweg schonmal so viel: so entspannt wie in diesem Jahr bin ich schon lange nicht mehr auf der weltgrößten Spielemesse unterwegs gewesen. Viele Blogger bekommen Presse-Ausweise … ich leider nicht. Und trotzdem konnte ich dank netter Kontakte früher in die Hallen und auch mal in Ruhe am ein oder anderen Stand vorbeischlendern und mich z.B. mit den amerikanischen Kollegen vom Dicetower zu unterhalten.

Tatsächlich übersieht man viele gerade kleinere Verlage schnell im hektischen Gewusel der Messetage – trotz akribischer Vorbereitung. Auch die wiedereröffnete Halle 6 war ein angenehmer Rückzugsort vom hektischen Treiben in den Hallen 1 – 3, die mal wieder geplatzt sind und mir persönlich schon lange keinen Spaß mehr bereiten.

Wie immer war die SPIEL ein wunderschönes Erlebnis, das ich ungern missen möchte. Aber mein Rückblick wird dieses Jahr auch einige kritische Töne beinhalten, denn das Wachstum im analogen Spielesektor hat wie überall anders auch so seine Schattenseiten …

Die SPIEL 2018 – Empfehlungen und Highlights

Doch beginne ich erstmal mit den unzähligen Lichtblicken, die Essen jedes Jahr aufs Neue zum Erlebnis machen: suuuupernette Leute, egal wie jung oder alt oder von welchem Ende dieses wunderschönen Planeten. Es macht einfach Spaß zu sehen, wie viel Freude Spielen macht. Und jetzt kommt auch die junge Generation wieder nach, die Anfang zwanzig ist und eben keine Lust mehr auf digitales Gezocke hat. Großartig!

Aber jetzt zu den unzähligen Spielen, die ich selbst ausprobieren bzw. von denen ich mir ein Bild machen konnte:

  • Planet von Blue Orange war das erste Spiel, das ich in Essen gespielt habe und es hat mich direkt überzeugt. Diese Meinung teilt zwar leider nicht jeder – weshalb ich wohl nicht darauf hoffen darf, dass das Spiel auf der Empfehlungsliste zum Spiel des Jahres landet – aber ich finde es ein tolles Familienspiel mit hohem Aufforderungscharakter – nicht mehr, aber auch nicht weniger.
  • Das gleiche gilt für Shadows: Amsterdam (Libellud) und Concept Kids: Tiere (Repos), die beide meine Erwartungen absolut erfüllt haben. Alle drei Spiele kann ich Familien mit Kindern weiterempfehlen und werde irgendwann Anfang nächsten Jahres auch die entsprechenden Rezensionen hinterherschicken.
  • Welcome to … (Blue Cocker Games) eines der vielen neuen Roll & Write Spiele dieses Jahr hat mir ebenfalls sehr gut gefallen. Allerdings fand ich persönlich die beiden Railroad Ink-Spiele von Horrible Games ein paar Stände weiter ansprechender. Bei Railroad Ink geht es nicht darum Zahlen in Felder einzutragen (wie in so vielen anderen Spielen dieses Genres), sondern möglichst viele Enden eines quadratischen Plans über Straßen und Bahnstrecken zu verbinden. Thematisch eindeutig reizvoller und dank integrierter Erweiterungs-Module und der Möglichkeit, blaues und rotes Spiel zu kombinieren, auf jeden Fall ein Must-Buy.
  • Auch das neue Feuerland-Spiel von Wolfgang Warsch hat mich durchaus überzeugt: Fuji ist ein kooperatives Würfel-Laufspiel, bei dem alle Spieler versuchen, sich rechtzeitig vor der nahenden Lava ins Dorf am Fuße des Berges zu retten. Alle spielen gleichzeitig und Kommunikation ist zwar erlaubt, aber ohne konkrete Infos. Hat was von The Game – das Würfelspiel .. nur viel schöner und mit deutlich mehr Thema. Das Rezi-Exemplar liegt hier und wird Anfang Januar seinen Beitrag erhalten.

Nette Gespräche auf der SPIEL 2018

  • Eine Stippvisite beim Iello-Verlag hat mir ein Rezensions-Exemplar von SOS Dino beschert. Inzwischen wurde dieses kooperative Kinderspiel, das auch schon auf der Empfehlungsliste zum Kinderspiel des Jahres stand schon diverse Male hier gespielt und auch ich finde ich durchaus ansprechend umgesetzt und empfehlenswert.
  • Der meist gehypte Titel von Iello – 8-Bit-Box – sah interessant aus und ich würde es auch mal mitspielen, aber ich glaube da suggeriert die Optik mehr, als tatsächlich dahintersteckt.
    Auch durfte ich einen Blick auf die Erweiterung zu Bunny Kingdom werfen, die super-süß aussieht und auf die ich mich definitiv schon jetzt freue.
  • Ebenfalls im Iello bzw. Hutter Sortiment: Downforce. Ein einfaches aber durchaus spannendes Autorenn-Versteigerungs-Spiel für bis zu 6 Renn-Fans als Neuauflage eines sehr alten Wolfgang Kramer Klassikers.
  • So ganz per Zufall bin ich dann auch noch Michael Kiesling (Azul) über den Weg gelaufen und konnte ein kurzes und nettes Gespräch mit ihm führen. Insbesondere wollte ich seine Meinung dazu hören, dass der Azul-Nachfolger – Die Buntglasfenster von Sintra so schnell hinterhergeschoben wurde, und man damit nicht einfach noch ein Jahr gewartet hat. Beide Spiele gefallen mir sehr gut, aber Azul bleibt mein Favorit – so elegant und schnörkellos, das wird ein absoluter Klassiker.
  • Bei HUCH! habe ich mir Die kleine Hexe: Das turbulente Flug- und Suchspiel mitgenommen. Grundsätzlich bin ich ja kein Freund von Lizenz-Spielen und auch hier fehlt ein wenig die Liebe zum Detail – insbesondere für Nichtkenner der Geschichte. Dennoch ist es ein witziges Aktiv-Memory-Spiel, an dem besonders aktive Kinder viel Spaß haben.
  • Das Farbenmonster von HUCH! würde ich einem Privathaushalt jetzt nicht unbedingt empfehlen. Manchen Kindern fällt es nicht einfach über Gefühle zu sprechen, und darauf zielt das Spiel ab. Aber ich denke für Kindergärten und ähnliche Einrichtungen ist es ein ganz tolles Spiel, das optisch aber auch vom Material her wunderschön umgesetzt ist.
  • Das Hexenhaus von Lookout ist ein thematisch schön umgesetztes Sammelspiel im 3D-Format, bei dem es darum geht, durch geschicktes Platzieren von Doppelplättchen Süßigkeiten zu sammeln, um damit Märchenwesen aus dem nahegelegenen Wald anzulocken. Hat mir persönlich Spaß gemacht und werde ich sicherlich noch öfter spielen.
  • Auch habe ich die Möglichkeit genutzt Tokyo Highway – ein abstraktes Geschicklichkeitsspiel von Itten in Großformat anzuspielen. Aber ehrlich: Men at Work von Pretzel Games hat mir da deutlich besser gefallen. Und wenn dieses Spiel Anfang 2019 auch bei Pegasus erhältlich ist, dann werde ich mir das definitiv besorgen. Ein irrwitziges Party-Stapelspiel für alle Fans von Make ‘n’ Break aber auch Rhino Hero: Superbattle.
  • Auch der Piatnik-Verlag aus Österreich hat einige neue Titel im Sortiment, die mein Interesse geweckt haben. Das kooperative Salamamba war bereits vor der SPIEL erschienen und hat mir schon ganz gut gefallen. Mini City – ein Transport-Spiel für Kinder ab 7 Jahren mit Ameisenthema – sowie Cloud Mine haben mir auf den ersten Blick auch richtig gut gefallen. Ebenfalls bei Piatnik erhältlich: Spyfall 1 und 2 – ein deduktives Agenten-Partyspiel. Da werde ich mich Anfang 2019 nochmal mit beschäftigen.
  • Ebenfalls sehr empfehlenswert: Claim 1 & 2 von Game Factory. Ein Stichspiel für 2 Personen, das wir seit der Messe schon etliche Male testen konnten und das mir immer besser gefällt.
  • Der Herr der Träume von Asmodee wird erst im Frühjahr erscheinen. Immer noch steht es ganz hoch auf meiner persönlichen Wunschliste, aber ich finde die Altersangabe ab 7 bzw. 8 Jahre passt einfach nicht. Das Setting ist in meinen Augen schon sehr gruselig und ich habe mich mal kurz zu einer Familie gesellt, die mit ihren Töchtern das erste Kapitel gespielt haben. Die jüngste Tochter (vielleicht so 7 oder 8) hat auf mich nicht den Eindruck gemacht, als hätte sie wirklich verstanden, was sie da tut und als dann die Monster zugeschlagen haben, war ihr Unbehagen wirklich greifbar.
  • Auf der SPIEL gibt es allerdings auch extrem viele Spiele auf englischer Sprache die wirklich empfehlenswert sind. So z.B. bei AEG: War Chest ist ein geniales abstraktes Bagbau-Spiel, das hoffentlich im kommenden Jahr auch auf Deutsch erhältlich sein wird. Eine absolute Empfehlung für jeden, der Schach-ähnliche Taktikspiele mag. Ebenso Space Base, ein Würfel-Aufbauspiel in Machi-Koro-Manier nur mit deutlich abwechslungsreicheren Karten und Effekten. Auch hier hoffe ich auf eine deutsche Umsetzung im kommenden Jahr.
  • Als einziges Kennerspiel habe ich mir persönlich dieses Jahr Monster Lands von 2nd Gate Games geleistet. Ein tolles thematisches Worker Placement-Spiel, das einen zunächst mit seinem Material und den unzähligen Plättchen erschlägt, dann aber durch klare Symbolik und eine großartige Grafik im Comic-Stil zu überzeugen weis.

Der analoge Spieleboom und seine Schattenseiten

So und jetzt zur eingangs erwähnten Kritik:
Wenn ich sehe, wie Spiele, die erst vor ein bis zwei Jahren erschienen sind schon wieder zu Dumppreisen angeboten werden, dann stellen sich bei mir die Nackenhaare auf. Da wird wirklich extrem viel Müll (im wahrsten Sinne des Wortes) produziert und die ahnungslosen Messebesucher stürzen sich drauf wie auf XXL-Schnitzel für 8,90 €.

Vor vielen Jahren noch war auch ich immer auf der Suche nach den Schnäppchen, die ich auf der Messe einsacken konnte und viele dieser Schnäppchen stehen heute ungespielt im Spieleregal, da sich nach dem ersten Regelstudium gezeigt hat, dass das Spiel dann doch nicht so toll ist wie gedacht.

Bei ca. 1.400 Titeln, die dieses Jahr in Essen offiziell präsentiert wurden ist wirklich viel Müll dabei, aber es gab auch einige wirklich sehr gute Spiele … und ich bin mal gespannt, wie viele von denen tatsächlich nächstes bzw. übernächstes Jahr von den Verlagen noch supported werden und sich länger am Markt halten.

Auf der anderen Seite Spiele, die international gar nicht so schlecht abschneiden, aber hierzulande einfach nicht ankommen. Bei Sea of Clouds für 10€ auf der Messe blutet mir das Herz, aber auch bei Lumina von HABA, dass es schon 2 Jahre nach Erscheinen nur noch auf der Verlagsseite zu kaufen gibt, obwohl es gar nicht so schlecht war. Da bringt ein Verlag wie HABA lieber unzählig viele neue Titel auf den Markt, von denen man den Großteil bedenkenlos links liegen lassen kann, anstatt ein paar Spiele, die wirklich gute Bewertungen haben (Lumina hat auf BGG ein Rating von 6,6 – für ein Kinderspiel absolut hoch) weiter zu bewerben und zu supporten.

Diese Dumppolitik tut übrigens am meisten den kleinen Fachhändlern am weh, die viele Spiele über Monate im Laden stehen haben bevor der EINE Kunde reinkommt, der genau dieses eine Spiel sucht. Doch von diesen Läden profitieren die Verlage doch ganz viel, weil die eben nicht die Spiele anbieten, die es bei MyToys und ähnlichen in Massen zu kaufen gibt.

Tatsächlich gab es einige Spiele, die ich auf meiner Liste stehen hatte, von denen ich etwas enttäuscht war … trotz intensiver Vorbereitung. The River von Days of Wonder z.B. braucht meines Erachtens kein Mensch. Da ist nichts neu dran und schon gar nicht innovativ. Das gleiche Spielprinzip gibt es schon etliche Jahre und wurde schon in x anderen Spielen verwurstet. Ebenso haben mich die Neuerscheinungen bei 2F (gespielt habe ich Feiner Sand) nicht wirklich vom Hocker gehauen, obwohl ich doch sonst ein großer 2F-Fan bin.

Auch habe ich immer mehr das Gefühl, dass die Verlage sich zu sehr darauf fokussieren mit Hinguckern zum Kauf anzuregen als mit solidem Gameplay. Martin Klein (Spieleblogger und Mitglied der Jury Spiel des Jahres) hat meines Erachtens zu Recht die Presse-Show kritisiert, bei der der Fokus mal wieder auf den billigen Plastik-Scheiß-Spielen lag anstatt mal Spiele fürs Hirn in den Vordergrund zu rücken. Das würde nicht nur unserem Nachwuchs hierzulande gut stehen. Leider pusten die Verlage zum Weihnachtsgeschäft mit Fernseh- und Printwerbung ins gleiche Rohr und so vermisst man z.B. bei Hutter Werbung für die schöneren und besseren Spiele und stattdessen werden Spiele wie Knete-Fete angeboten.

A pro pos: da kann ich gleich noch den Hinweis auf die Geo-Ausgabe vom November hinterherschieben, die einen großartigen Artikel zum Thema Spielen gebracht hat, der sich tatsächlich mal nicht nur an der Oberfläche und mit den Klassikern a la Mensch Ärger Dich nicht und Monopoly beschäftigt. Ebenso ein Verweis auf die vorletzte Spielboxx, in deren Editorial Werbung für Spiele auf Rezept insbesondere für Senioren gemacht wird … denn Spielen, vor Allem das Erlernen neuer Regeln hält tatsächlich geistig fit.

So, ich hoffe, dass ich mit diesem späten Rückblick dem ein oder anderen Leser doch nochmal ein wenig neue Einblicke habe zukommen lassen können. Wie immer freue ich mich über Kommentare, gerne auch zu meinen kritischen Tönen. Würde mich schon mal interessieren, ob ich mit meiner Meinung alleinstehe, oder ob andere Spielefans das ähnlich sehen.

Und noch ein allerletzter Aufruf für Familien mit kleineren Kindern: tut das euren Kindern bitte nicht an … ich selbst würde NIE auf die Idee kommen meine Kids mit nach Essen zu schleppen. Das ist wirklich Stress pur! Selbst für uns Erwachsene. Lieber im Nachgang bei den unzähligen Kanälen informieren oder einen der zig anderen Spiele-Events besuchen, die inzwischen ganzjährig über ganz Deutschland verteilt angeboten werden.

Tatsächlich habe ich noch einige Spiele mehr gespielt, gekauft, getestet und gesichtet … aber die Zeit rennt und ich wollte diesen Post noch vor Weihnachten in Umlauf bringen.

Euch allen da draußen ein schönes, besinnliches und verspieltes Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

3 thoughts on “SPIEL 2018 – Der kritische Rückblick

  1. Hallo Diana,

    zuerst mal noch alles Gute für das neue Jahr. Gesundheit, Glück und alles was noch dazu gehört wünsche ich dir.

    Der Rückblick ist wirklich interessant und sehr gelungen. Wie so oft neige ich auch hier dazu, meinen Senf dazu zu geben. Bei der Menge an rüber gebrachten Inhalten arbeite ich mich daher einfach mal von oben nach unten runter.

    Zuerst mal Daumen hoch dafür, dass du Dank deiner freundlichen Kontakte schon etwas eher die Hallen betreten konntest. Im Interview von Julia Zerlik von Spiel doch mal! ist Dominique Metzler, die Veranstalterin der Spiel, unter anderem auch auf die Vergabe der Presseausweise eingegangen. Naja, bei dir hätte sie durchaus auch einen rausrücken können. Schön aber, dass du auch mit den Leuten vom Dicetower mal plaudern konntest.
    Das die junge Generation keine Lust mehr auf digitales Spielen hat, glaube aber nicht. Beides wird eher sich gegenseitig ergänzen. Das ist schon daran zu erkennen, dass es inzwischen einige gute Umsetzungen von Gesellschaftsspielen in digitaler Form gibt.

    Concept Kids ist auf dem Weg zu mir. Das hat meinem Jungen auf einem Vorstellungsvideo so sehr gefallen, dass ich es bestellt habe. Fuji hatte ich mir kurz nach deiner Empfehlung schon besorgt. Das liegt aber noch ungespielt rum, da es für meinen Jungen noch zu komplex ist und die Zeit zum Spielen nur unter Erwachsenen doch sehr beschränkt ist. Von der Spielmechanik her ist es aber sehr interessant. SOS Dino gab es für meinen Jungen zu Weihnachten. Schickes Spiel, welches durchaus schwierig werden kann. Salamamba gefällt mir persönlich als kooperatives Legespiel etwas besser. Den Herrn der Träume hab ich auch schon im Visier. Bei dem Preis will ich mich aber noch etwas ausführlicher darüber informieren, bevor ein Kauf in Frage kommt. Space Base scheint mal wieder ein heißer Tipp von dir zu sein. Da wir gerade erst beim Jahreswechsel Machi Koro (inkl. Großstadterweiterung) für uns entdeckt haben, könnte das etwas für uns sein, wenn es denn auch in Deutschland erscheint.

    Nun zum Spieleboom und seinen Schattenseiten. Zuerst mal zu den Dumppreisen. Ich habe das Gefühl, dass hier auch die Verlagen zu großen Teilen daran beteiligt sind. So wird inzwischen viel zu viel auf den Markt geworfen. Dadurch entsteht nicht nur quantitativ ein Überangebot, es sorgt die dabei entstehende durchwachsene Qualität der Spiele ebenfalls nicht gerade für Preisstabilität. Allgemein fällt mir neben Filmen (auf DVD, BluRay oder VoD) kein andere Sektor ein, welcher so stark von Preisverfall geprägt ist wie Gesellschaftsspiele. Die Verlage scheinen das mit Abschöpfungsstrategien kompensieren zu wollen. Wenn man sich die Erläuterung von Frank Noack von der Spiele-Offensive zu der Preisgestaltung von My Little Scythe, dann kann man davon ausgehen, dass hier tatsächlich so kalkuliert wird. Genau dadurch werden aber die Preise so dermaßen instabil. Mit einem kleinen Hype ein Strohfeuer setzen, den Artikel überpreisen und hoffen in kurzer Zeit möglichst viel abzusetzen und danach geht es in den Abverkauf. Kickstarter-Projekte wo man mit Unmengen an Minis zugeworfen wird, die Spielmechanik aber weitestgehend außer acht lässt, machen das Problem auch nicht besser. Leider leiden wie du schon angesprochen hast die kleinen Fachhändler sehr darunter. Die Verlage sollten wieder mehr auf Qualität setzen und nicht den x-ten Klon eines Klons auf den Markt werfen. Auch die UVP sollte angemessen sein. Eine UVP für ein Kingdom Builder um die 40 € (im Jahr 2012!) ist halt einfach deplatziert. Es prägt halt die Leute, wenn sie so ein Spiel knapp ein Jahr später überall hinterher geworfen bekommen. Gerade bei den Titelträgern ist das sehr stark zu beobachten.

    Da Martin Klein erwähnt wurde. Seine Kritiken gefallen mir meist sehr gut, da er eben nicht wie einige andere Rezensenten oft zu milde urteilt, sondern auch mal gerne deutliche Worte findet. Leider spiegelt sich das aber nicht unbedingt im Preis des Spiel des Jahres wieder. Mir sind die Verleihungen nicht stringent genug. Gerade das Anspruchsniveau schwankt mir zu sehr. Nehmen wir mal die Preisträger der letzten 4 Jahre der Kinderspiele des Jahres:
    2018: Funkelschatz – viel Plastik, wenig Anspruch. Für kleine Kinder sicher ganz nett, aber nur kurz interessant.
    2017: Ice Cool – vom Verlag selber als Familienspiel betitelt. Würde ich auch als solches sehen, da man seine Fähigkeiten wahrscheinlich lange verbessern kann.
    2016: Stone Age Junior – Tolles Material, aber doch sehr anspruchslos. Meiner Meinung nach vom Material her deutlich überproduziert. Ebenfalls nur kurz interessant. Wir spielen mit unserem 6jährigen Jungen seit Monaten schon lieber Catan junior.
    Die Jury muss sich da doch mal ihrer Bedeutung bewusst werden. Genau aus diesem Grund wird sie schließlich immer wieder kritisiert, da der Anspruch der Spiele in der Auswahl viel zu sehr schwankt. Da reden wir noch nicht mal von den qualitativen Aspekten des Spiels selber.

    Aber genug gemeckert. Prinzipiell ist das steigende Interesse an Gesellschaftsspielen positiv zu sehen. Da werden uns also hoffentlich noch viele vergnügte Spielstunden erwarten.

    Beste Grüße Marco

    1. Hallo Marco,
      Auch Dir ein frohes neues Jahr! Vielen Dank für Deinen Input zu dem Thema. Bei der Wahl zum Kinderspiel bin auch ich nicht immer glücklich. Martin Klein ist ja aber Mitglied in der Spiel des Jahres Jury … daher trifft ihn da keine Schuld ;-).
      Die Kinderspiel-Jury sucht aktuell ein neues Beiratsmitglied für das Spielejahr 2020. „Angesprochen sind Ludothekarinnen und Ludothekare, Pädagoginnen und Pädagogen sowie Menschen, die in ihrem beruflichen Umfeld regelmäßig mit Kindern Gesellschaftsspiele spielen: Grundschullehrkräfte, die eine spielende Klasse oder eine Spiele-AG haben. Erzieherinnen und Erzieher, die eine spielende Gruppe in der Kita oder im Hort betreuen. Oder Beschäftigte aus Ludotheken, die Kindergruppen zum Spielen aufsuchen oder von diesen besucht werden.“
      KEINE Blogger und keine Mitarbeiter von Spielefachgeschäften! Ein bisschen kurz gedacht finde ich. Warum sollen denn nur die o.g. Personengruppen Ahnung von Kinderspielen haben. Ich berate fast täglich Familien mit Kindern zum Thema Gesellschaftsspiel, habe eine Spielegruppe, kooperiere demnächst mit Schulen und Bibliotheken. … Und da bin ich garantiert nicht die Einzige in Deutschland. Mal ganz ehrlich: fanz viele Bibliothekare und Kindergärtner die ich bisher kennengelernt habe sind AHNUNGSLOS wenn es um Spiele geht. Die kaufen blind alles was HABA und Ravensburger heißt. Eins mache ich also garantierrt dieses Jahr, auch wenn mein Blog zur Zeit etwas zurückstecken muss: ich bewerbe mich als Kinderspiel des Jahres-Beirat!

      1. Na das wäre doch mal eine schöne Sache, wenn das mit dem Jahres-Beirat klappen würde. Die Kompetenz dazu hast du sicher nicht nur hier im Blog bereits ausführlich gezeigt. Die von dir genannte Aufzählung der Zusammensetzung der Jury zum Kinderspiel des Jahres macht zumindest die Wahl der Titelträger etwas nachvollziehbarer und teile deine Kritikpunkte bezüglich der Zusammensetzung voll.

        Ich gebe zu, dass der Bogen zum Spiel des Jahres in meinem Kommentar nicht so richtig geklappt hat. Das Martin Klein für die Wahl des Kinderspiel des Jahres nichts kann, war mir bewusst. Ich wollte damit nur klar machen, dass ich die angenehm deutlichen Kritiken von Martin Klein nicht unbedingt stellvertretend in den Titelträgern wiederfinde, was auch auf die normalen Spiele des Jahres zutrifft (wobei Azul im Gegensatz zum Vorgänger Kingdomino sicher passt). Das Martin Klein nicht alleine in der Jury ist, ist auch klar. Eine etwas kritischere Bewertung und vielleicht etwas mehr Mut bei der Auswahl würde nicht nur dem Titel, sondern auch der Branche gut tun.

        Was ich mir bei Kinderspielen noch wünschen würde, wäre, dass die besser skalierbar sind. Bleiben wir mal bei Stone Age Junior. Ein extra Stanzbogen mit 4 zusätzlichen Hausplättchen, welche als finales Ziel schwieriger zu bauen sind (weil Sie 5 Ressourcen brauchen) und ein paar zusätzlichen Aktionsplättchen, mit z.B. höheren Interaktiongrad wie gegenseitig Ressourcen stehlen, hätten das Spiel sicher länger interessant gemacht. Dafür hätte ich dann gerne auch auf den doppelseitig bedruckten Spielplan verzichtet und auch Papp- statt Holzmaterial bei den Ressourcen in Kauf genommen. Stone Age Junior soll nur ein Beispiel für die Skalierbarkeit sein. Gerade bei Kinderspielen (aber auch bei einigen Familienspielen) ist mir schon oft aufgefallen, dass ein bisschen Material (teils nur ein paar Karten) für einen anpassbaren Schwierigkeitsgrad nett gewesen wären. Wir haben inzwischen so viele Kinderspiele, welche kaum noch Beachtung finden, weil sie inzwischen vom Anspruch her einfach zu niedrig sind (für einen spieleerfahrenen 6jährigen). Das ist schon schade, gerade weil auch teils wirklich schöne Titel dabei sind.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.