Wer die ersten einfachen Memory-Partien hinter sich hat, erkennt schnell, ob der eigene Nachwuchs diese Art von Spiel gerne mag oder nicht. Inzwischen gibt es auch eine Vielzahl von Kinderspielen, die Memory als Spielelement nutzen und um weitere Elemente ergänzen. Diese Spiele beschreibe ich dann gerne als MemoryPlus.

Lumina von HABA ist ein wunderschöner Vertreter dieses MemoryPlus Genres, das alleine durch seine Schachtelcover schon sehr ansprechend ist. Hier wird die Memory-Komponente um ein Wettlaufspiel ergänzt, bei dem es gilt, auf der verwunschenen Insel Lumina es als erster fünf Funkelwesen zu finden. Die Pfade auf der Insel sind jedoch verschlungen und die Funkelwesen verstecken sich und zeigen sich erst nach und nach.
 

Lumina – Wer kann sich die Wege merken?

Die Insel Lumina mit ihren verschlungenen Pfaden wird von den kleinen Funkelwesen bevölkert, von denen jeder Mitspieler versucht fünf aufzustöbern.

Zu Spielbeginn wird der Spielplan ausgebreitet und um ihn herum verdeckt die 16 gemischten Ortskärtchen verteilt. Jeder Ort ist drei Mal an verschiedenen Stellen des Spielplans vertreten, wobei jeweils einer der Orte von einem Funkelring umgeben ist.

Jeder Spieler entscheidet sich für eine Spielfigur und setzt sie auf ein freies Ortsfeld ohne Funkelring. Erst danach werden die 16 Funkelwesen verdeckt gemischt und ebenfalls neben dem Spielplan bereitgelegt. Vier davon werden aufgedeckt und an die passende Stelle des Spielplans (Orte mit Funkelring) gelegt.

Der Startspieler beginnt, indem er eines der verdeckten Ortskärtchen aufdeckt:

  • Kann der Spieler den so aufgedeckten Ort auf direktem Weg (d.h. angrenzend zum aktuellen Standort) erreichen, zieht er seine Spielfigur dorthin und deckt das nächste Plättchen auf.
  • Kann der Spieler den aufgedeckten Ort nicht direkt erreichen (dazu zählen auch benachbarte besetzte Felder), endet der Zug und alle bereits aufgedeckten Kärtchen werden wieder umgedreht. Der nächste Spieler ist an der Reihe.

Erreicht ein Spieler einen Ort mit Funkelwesen, nimmt er dieses an sich und legt ein neues auf den Spielplan. Der Spielzug ist beendet und der nächste Spieler an der Reihe.

Der Spieler, der als erster fünf Funkelwesen einfangen konnte gewinnt die Partie.
 

Lumina – Der Weg ist das Ziel

Im ersten Moment hat mich Lumina an Zicke Zacke Hühnerkacke vom Zoch-Verlag erinnert, bei dem es auch darum geht, sich die Plättchen für einen Weg ins Gedächtnis einzuprägen.
Jedoch geht es bei Zicke Zacke darum den Gegner einzuholen um ihm die Federn zu klauen. Meine Tochter hasst solche Spiele, und deshalb wurde Zicke Zacke auch vor einiger Zeit wieder ausgemistet. Zudem bleibt der Weg bei Zicke Zacke im Laufe des Spiels immer der gleiche, wodurch sich Kinder, die sich die Karten besser merken können einen enormen Vorteil haben.

Lumina gleicht zwar auch einem Memory-Wettlauf, aber hier wird das Wettstreit auf einer anderen Ebene ausgetragen. Durch sich ständig wechselnde Ziele, bringt es nichts, sich den immer gleichen Ablauf an Plättchen zu merken – hier ist Gedächtnis, Planung und auch ein wenig Improvisation gefragt. Denn Umwege sind bei Lumina einkalkuliert. Nicht immer ist der kürzeste Weg zum Ziel auch der einfachste. Kenne ich die Plättchen für eine Strecke schon sehr gut, laufe ich gerne ein paar Felder weiter um mein Ziel zu erreichen. Und manchmal sind auch die nächsten Ziele nicht die besten und ein Weg quer über die Insel rentiert sich, um von der Konkurrenz Abstand zu gewinnen.

Der Spielplan selbst mutet im ersten Moment auch etwas wild an mit all seinen verschlungenen Pfaden. Aber da man sich immer nur auf einen Teil des Spielplans konzentriert, reicht es sich stets nur den eigenen Standpunkt sowie mögliche Ziele genauer anzusehen um dann die richtigen Plättchen aufzudecken.

Zudem hat bei Lumina das Glück auch ein wenig mehr seine Finger im Spiel. Wie groß ist die Freude nämlich, wenn ein Funkelwesen direkt vor den eigenen Füßen oder am nächsten Ort auftaucht und man sich lange Wege sparen kann. Und man beißt sich auf die Lippe, wenn man zu Beginn ein Plättchen aufdeckt, das der Gegner im nächsten Zug perfekt gebrauchen kann.

Die Spielfiguren sind mal wieder extrem putzig gestaltet und zeigen mit ihrer Ausrüstung viel Liebe zum Detail. Die Insel sieht irgendwie verwunschen aus und einzelnen Orte sind z.T. sehr mystisch. Hier liegen alte Schiffwracks vor der Küste, es gibt Ruinen, Höhlen, Riesenblumen, verwunschene Brunnen etc.

An dieser Stelle greift auch mein einziger Kritikpunkt: denn auch wenn die Spielfiguren selbst sehr farbenfroh sind, hätte ich mir doch auch bei den Orten ein wenig mehr Farbenspiel gewünscht. Braun und grün dominieren bei einem Großteil der Plättchen. So ist die Zuordnung im ersten Spiel noch etwas holprig, aber spätestens ab der zweiten Runde kein Thema mehr, vorausgesetzt man kann sich die Plättchen merken 😉

Ein weiteres Spiel, an das mich Lumina erinnert hat ist Leo muss zum Friseur – Gewinner des Deutschen Kinderspielpreises letztes Jahr. Auch bei Leo gilt es, sich an den Weg heranzutasten und sein Gedächtnis auf Touren zu bringen. Jedoch ist Leo ein kooperatives Spiel und bei Lumina spielt nun jeder gegen jeden. Bei Leo wurden jede Runde die Karten neu verteilt, bei Lumina wechseln die Ziele ständig ihren Platz.

Lumina wurde mir von einer Freundin empfohlen, deren Tochter ein großer Fan von MemoryPlus Spielen ist. Und obwohl ich das von meiner Tochter nicht ganz behaupten kann, kann ich sie mit Lumina gelegentlich aus der Reserve locken. Leo sagt ihr da wohl auf Grund des kooperativen Charakters mehr zu.

Auf jeden Fall ist Lumina eine echte Empfehlung für alle Memory-Liebhaber und solche, die es werden wollen.
 

Spieleinfo

Alter: 5+
Spieleranzahl: 2 – 4
Spieldauer: 20+ min
Verlag: HABA
Erscheinungsjahr: 2017

One thought on “Lumina – Wo stecken nur die Funkelwesen?

  1. Mir hat Lumina im Probespiel trotz der recht hübschen Illustration nicht so sehr gefallen. Ich fand vor allem den Anfang sehr sperrig, da man ja nicht weiß wo welches Blättchen liegt. Es kann sein, dass es am Anfang etwas dauert bis man sich mal fortbewegen kann und dann zieht man evtl. in falsche Richtung. Das Erfolgserlebnis kommt auf jeden Fall erst später im Spielverlauf.

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