Bereits letztes Jahr hat Bunny Kingdom von Iello mein Interesse geweckt, da war außer dem Titel und der Spielmechanik noch nicht viel bekannt. Aber die Grafik sah schonmal beraubend toll aus und ich habe mich in Geduld geübt und wurde belohnt.

Bunny Kingdom ist ein reizvolles und wunderschönes kartenbasiertes Brettspiel, das durch seine interessanten Entscheidungen, sein unzähligen strategischen Möglichkeiten und die wundervolle Optik zu überzeugen weiß, auch wenn der Spielplan tatsächlich etwas klein und zum Spielende hin etwas unübersichtlich ausfällt …
 

Bunny Kingdom – Die Qual der (Karten-)Wahl

Bunny Kingdom ist im Grunde genommen ein Kartenspiel mit viel Material.

Die 182 Erkundungskarten spielen zwar die Hauptrolle, gespielt wird aber auf einem zunächst unbevölkerten Spielplan. Dieser zeigt zu Beginn lediglich einige unbewohnte Städte und Gebiete mit Gebirgen, Seen, Wäldern und – wie sollte es anders sein – Möhrenfeldern. Hinzu kommen weitere kleine und größere Städte (schön modelliert aus Plastik) sowie diverse Papp-Plättchen, die aber zunächst neben dem Spielplan bereitgelegt werden.

Jeder Spieler erhält 36 Häschen in eigener Farbe, die es gilt im Laufe des Spiels punkteträchtig auf dem Spielplan mit seinen 10×10 Feldern zu platzieren.

Spielplan Bunny Kingdom

 

Zu Beginn der jeweils vier Runden erhält jeder Spieler 10 Karten (bzw. 12 Karten im Spiel zu dritt), aus denen er zwei auswählt und zunächst verdeckt vor sich auslegt (Erkundungsphase). Haben alle Spieler zwei Karten gewählt und die restlichen Karten an den Mitspieler zu rechten weitergegeben, werden diese beiden Karten umgedreht und gespielt.

Es gibt vier verschiedene Arten von Karten, die in ihren Funktionen sehr unterschiedlich sind und auch unterschiedlich ausgespielt werden:

  • Mit einer Gebietskarte darf man sofort eines seiner Häschen auf dem entsprechenden Feld des Spielplans platzieren. Der Spielplan ist hierzu in Raster aufgeteilt und über die Koordinaten (Buchstabe/Zahl) findet man das passende Feld. Sollte bereits eine Stadt vorhanden sein, darf das Häschen den Platz darin einnehmen.
  • Bauwerkskarten ermöglichen den Bau weiterer Städte, Bauernhöfe (mit weiteren Ressourcen), Lager und Riesentürme. Diese werden zunächst vor den jeweiligen Spielern platziert und dürfen erst am Ende der Runde in der Bauphase auf dem Spielplan eingesetzt werden.
  • Schriftrollen werden zunächst verdeckt beiseitegelegt, denn hiermit kann man am Ende des Spiels (massig) Zusatzpunkte sammeln. Diese Schriftrollen sind sehr unterschiedlich, einige zeigen Schätze mit Punktwerten, andere bringen abhängig von anderen Bedingungen Punkte zum Spielende.
  • Vorratskarten erlauben blind zwei weitere Karten vom Kartenstapel zu ziehen und direkt auszuspielen.

Alle gespielten Karten sollten bis zum Spielende auf einem offenen Stapel beim Spieler verbleiben, denn einige davon könnten für die Endwertung und der Übersichtlichkeit halber von Interesse sein.
Wurden beide Karten entsprechend Ihrer Funktion gespielt, werden erneut zwei Karten ausgewählt. Hierzu nimmt man den Kartenstapel, den man von seinem Nachbarn zuvor erhalten hat (auch Drafting genannt).

Nachdem alle Karten der aktuellen Runde gespielt wurden, dürfen in der nun folgenden Bauphase alle gewählten Gebäude platziert werden. Es ist keine Pflicht seine Gebäude direkt zu platzieren, man kann diese auch für eine spätere Runde aufsparen. Grundsätzlich gilt, dass man Bauwerke nur auf eigenen Gebieten platzieren darf und zusätzliche Bauvorschriften (z.B. die Art des Gebiets) zu beachten sind. Außerdem darf sich auf jedem Feld nur genau ein Bauwerk befinden.

Am Ende der Runde wird geerntet (d.h. Punkte eingesammelt). Hierzu werden Stärke (Anzahl der Türme aller Städte) und Wohlstand (Anzahl unterschiedlicher Ressourcen) jedes einzelnen zusammenhängenden Gebiets je Spieler multipliziert. Diese so gesammelten Punkte werden auf der rechten Seite des Spielplans festgehalten.

Die nächste Runde beginnt mit neuen Karten, die diesmal in die andere Richtung weitergereicht werden.

Nach der vierten Runde ist Schluss. Jetzt werden noch die verdeckten Schriftrollen gewertet und der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt Bunny Kingdom und “trägt ab sofort den ehrenwerten Titel “Langohr”!
 

Bunny Kingdom – Mit Karten die Welt „behasen“

Das Bild, dass sich einem am Ende von Bunny Kingdom bietet ist vor allem eines: wild und bunt. Hasen überall und quer durcheinander. So richtig wimmelig eben, wie im richtigen Hasenleben. Die Viecher sind einmal entfesselt nicht aufzuhalten und kommen im Laufe des Spiels an allen Ecken und Enden aus den Löchern gekrochen. Man hätte dem Spiel auch ein anderes (langweiliges) Thema verpassen können, hat man aber zum Glück nicht, denn irgendwie passt das mit den kleinen Häschen hier richtig gut.

Das Auge spielt mit, auch dies trifft auf Bunny Kingdom mal wieder voll zu. Die Hasen sehen einfach nur süß aus, die Städte mit ihren Zinnen und Türmen machen richtig was her (auch wenn sei z.T. sehr filigran und zerbrechlich erscheinen) und die Qualität und Grafik der Karten ist auf höchstem Niveau. So bin ich es von Iello gewohnt und auch hier weiß der Verlag in seinen Qualitäten zu überzeugen.

Keine der optisch hervorragend in Szene gesetzten Karten in Bunny Kingdom ist schlecht. Alle bringen Vorteile mit sich und oft ist die Qual bei der Auswahl der richtigen Karte extrem groß. Oft muss man auch Karten weitergeben, die man lieber selbst behalten hätte, aber die Hoffnung, dass diese doch nochmal zurückkommt stirbt zuletzt. Auch ist nicht jede Karte für jeden Spieler gleichermaßen interessant. Was für den einen eher unbedeutend ist, kann für den nächsten schon den entscheidenden Punktevorsprung liefern. Nicht nur den eigenen Plan im Auge zu behalten, sondern auch den der Mitspieler ist die Kunst bei Bunny Kingdom.

Von den Karten kommen selbst in Vollbesetzung nicht alle ins Spiel, das macht das Ganze spannend und auch ein wenig unberechenbar. Selten passiert es also, dass das Spielfeld tatsächlich bis auf das letzte Quadrat mit Hasen, Städten und Plättchen bevölkert ist. Gerade zu Beginn der Runden kann es daher etwas dauern, bis man seine zwei Karten gewählt hat und nicht selten passiert es, dass man die EINE wirklich gute Karte übersieht und sich in den Hintern beißt, wenn der nächst sie dann nimmt.

Gerade in Runde 1 und 2 fallen die Punkte noch nicht wie Regen vom Himmel. Da kann man schon froh sein, wenn überhaupt eines der eigenen Gebiete Punkte abwirft. Da kann jeder gewiefte Schachzug ungeahnte Vorteile bringen. Ab Runde 3 fängt man dann auch langsam an die Gegner ins Visier zu nehmen und sich evtl. auf Quadrate zu setzen von denen man selbst gar nichts hat, nur um zu verhindern, dass die Mitspieler ihre Einflussbereiche verschmelzen um richtig abzusahnen. Auch sind nicht alle Gebiete auf dem Spielplan verbunden. In einigen Gebirgsregionen verlaufen Lavaströme, die eine Verbindung verhindern. Hier heißt es entweder die richtigen Karten abgreifen um diese zu umbauen oder evtl. einen der drei Riesentürme einzusetzen, mit denen sich zwei Gebiete verbinden lassen.

Die Schriftrollen sind in Ihrer Bedeutung für die Endabrechnung nicht zu unterschätzen. Wer sich nur auf den Spielplan konzentriert und regelmäßig zunächst auch unscheinbare Schriftrollen weiterreicht wird das Spiel wahrscheinlich nicht gewinnen. Oft machen die Punkte am Ende nochmal 30 – 60 % der Gesamtpunktzahl aus und ein vermeintlicher Verlierer rollt das Feld nach Runde 4 von hinten auf und gewinnt das Spiel noch. Z.B. gibt einem die Karte “Opportunist” die Möglichkeit als 2-Platzierter nach der Endabrechnung nochmals 10 Punkte einzuheimsen und Schwups steht der Spieler mit dieser Karte auf Platz 1 (das habe ich jetzt schon sowohl im 3- aus auch 4-Personen Spiel erlebt).

Die Ausstattung von Bunny Kingdom lässt jedes Spielerherz höherschlagen: tolle Spielfiguren, Plastikstädte mit Türmen und die Grafik der Karten ist herausragend. Selbst die Gebäudeplättchen sind durchdacht und extrem stabil, wenn auch etwas fummelig – wie leider alles bei Bunny Kingdom.

Der einzige Wehrmutstropfen ist nämlich der, dass alles ein wenig klein geraten ist – insbesondere der Spielplan an sich. Spielerisch hat Bunny Kingdom wirklich sehr viel zu bieten und das hätte sich dann auch im Spielplan wiederfinden müssen. Stehen nämlich die großen 2-erStädte auf Produktionsfeldern, so muss man diese am besten schön in der Ecke des Feldes platzieren um das Ressourcen-Symbol nicht zu überdecken. Hier wäre eine Aussparung wie bei den 1-er Städten wünschenswert gewesen. Auch die Farbwahl der Häschen hätte ich mir anders gewünscht … noch ein blau statt rosa wäre nicht verkehrt gewesen, auch wenn man rosa und rot bei halbwegs gutem Licht durchaus noch auseinanderhalten kann.

Die Regeln sind ordentlich gemacht und mit vielen Beispielen versehen. Einzelne Auftragskarten und Schriftrollen werden am Ende nochmals detailliert erläutert. Ein bisschen weniger hätte der Regel aber auch nicht geschadet, denn die vielen Bespiele verhindern das flüssige Erfassen der Regeln und einige Regeldetails können übersehen werden. Aber eigentlich muss man die Regeln nur einmal lesen und Bunny Kingdom einmal durchgespielt haben um zu wissen “wie der Hase läuft”;-). Auf der Rückseite der Regel findet sich aber auch eine Kurzfassung mit den wichtigsten Infos. Sehr hilfreich für das erste Spiel, aber auch danach.

Für mich persönlich fehlt noch eine klare Regel für das Ausspielen der Karten. Meiner Meinung nach sollte der Startspieler hier jede Phase wechseln um Probleme bei der gleichzeitigen Platzierung auf dem Spielplan zu vermeiden. Evtl. kann es hier nämlich auch zu Konflikten mit den Lagerkarten kommen (wer war zuerst da – Huhn oder Ei?).
Wer nicht gut im Kopfrechnen ist, dem hilft die beigefügte Spielübersicht. Hier wird nochmals kurz aufgezeigt, wie sich in der Erntephase die Punkte eines Gebietes zusammensetzen und auf der Rückseite ist dann eine Rechenhilfe in Matrixform beigefügt.

Die Spieldauer ist meiner Meinung mit 45 Minuten recht knapp angesetzt. Vor allem mit Grüblern am Tisch und auch in den ersten Partien, in denen die Schriftrollen und deren Wirkung noch eher unberechenbar sind, dauert es meiner Einschätzung nach schon etwas länger. Die Auswertungen der ersten beiden Runden gehen noch flott von der Hand – viele Punkte gibt es hier in der Regel noch nicht zu holen, denn entweder fehlen einem die Städte oder die Ressourcen. Aber spätestens ab Runde drei muss man aufpassen, dass man keines seiner Gebiete doppelt zählt. Die Endabrechnung inkl. Schriftrollen kann da auch schonmal mehr als 5 Minuten in Anspruch nehmen. Dafür warten hier aber auch die fetten Punkte.

Alles in Allem ist Bunny Kingdom dennoch für mich eines der Spiele dieses Jahres und eine Empfehlung für alle Familien mit durchaus älteren Kindern, die auch mal ein wenig anspruchsvollere Luft schnuppern möchten. Der Preis könnte den ein oder anderen Interessierten abschrecken, aber meiner Meinung ist der Preis für den gelieferten Inhatl durchaus angemessen.

Ich hoffe es finden sich genug begeisterte Spielefans für dieses wirklich tolle Spiel, so dass bei einer möglichen Zweitauflege der ein oder Schönheitsfehler vom Verlag korrigiert werden kann.

Vielen Dank an Frau Stadler von der Hutter Trade Hutter Trade GmbH für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!
 

Spieleinfo
Alter: 12+
Spieleranzahl: 2 – 4
Spieldauer: 45 – 75 Min
Verlag: Iello
Erscheinungsjahr: 2017

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