Seit gestern stehen sie fest: die Nominierungen und Empfehlungen zum Spiel des Jahres 2017. Vergeben wird er Preis seit einigen Jahren in 3 Kategorien:

  • Spiel des Jahres: Der wohl bekannteste Spielepreis Deutschlands. Umfasst alle Spiele, die in den Bereich Gelegenheits-Familienspiele passt.
  • Kinderspiel des Jahres: Hier finden sich Spiele für Kinder im Alter von 2 – 6 Jahren wieder, die aber auch für ältere interessant und spaßig sein können.
  • Kennerspiel des Jahres: Dieser Preis richtet sich in erster Linie an Spieler, die bereits tiefer in das Hobby eingetaucht sind und sich auch von komplexeren Regeln und längeren Spieldauern nicht abschrecken lassen.

Jedes Jahr gibt sich die Jury viel Mühe aus den mehreren 100 deutschsprachigen Neuerscheinungen eine Auswahl zu treffen und damit auch eine möglichst große Bandbreite aus Spielthema, -komplexität und -mechanik abzubilden. Aber auch in diesem Jahr reichten bei der Durchsicht der Listen meine Emotionen von purer Begeisterung bis hin zu schierem Unverständnis.

Den Job als Jurymitglied wollte ich nicht machen und es ist definitiv keine einfache Aufgabe, aus all den Neuerscheinungen eines Jahrgangs die 7 – 10 Spiele pro Kategorie herauszupflücken, die es Wert sind eine besondere Beachtung und evtl. auch einen Preis zu verdienen. Aber es gibt einige Spiele auf der Liste, deren Nennung im Zusammenhang mit dem Spiel des Jahres bzw. deren Kategorisierung ich nicht ganz nachvollziehen kann.
 

Meine Meinungen zu den Nominierungen und Empfehlungen für das Spiel des Jahres 2017

Spiel des Jahres:
El Dorado Familienspiel

Mit den Nominierungen zum Spiel des Jahres bin ich absolut zufrieden. Da ist für jeden etwas dabei.

Zu Kingdomino habe ich erst vor kurzem einen Review geschrieben. Von Kingdomino bin ich wirklich überzeugt. Ein Spiel, das ich bereits mit meiner 5-jährigen Tochter spielen kann und welches Dank seiner sehr einfachen Regeln auch bei Nichtspielern Anklang findet.

Das ein Spiel wie Magic Maze auf der Nominierungsliste auftaucht hat mich positiv überrascht. Dachte ich doch, dies sei eher ein Nischenspiel und konnte mich bisher nicht zu dessen Erwerb durchringen, auch wenn ich die Spielidee und Umsetzung irrsinnig witzig finde. Im Grunde handelt es sich um ein hektisch, verrücktes Simultan-Koop-Puzzle-Rätselspiel. Wer sich jetzt angesprochen fühlt, der schlage beherzigt zu!

Mein Geheimer Favorit ist dennoch Wettlauf nach El Dorado, dessen Beitrag ich bereits in der Mache habe. 2009 hat das Deckbauspiel Dominion den Preis Spiel des Jahres erhalten und ist in der Tat zu einem echten Klassiker geworden. Das Genre Deckbau erfreut sich auch in Kennerspiel-Kreisen seit vielen Jahren großer Beliebtheit und so ist es schön zu sehen, dass auch mal wieder ein familientaugliches Spiel Rund um diesen Mechanismus auf den Markt kommt, das unter anderem durch variablen Spielaufbau und Thema (Wettlauf durch den Dschungel) zu bestechen weiß.

Ebenso finden sich einige wirklich tolle Spiele auf der Empfehlungsliste. Ganz vorne dabei natürlich Fabelsaft, dem ich ja bereits kurz nach der Messe in Essen einen hohen Spielreiz ausgestellt habe. Genauso spannend finde ich es, dass hier auch etwas teurere und durchaus ansprechende Spiele wie Klask (ein witziges magnetisches Tischkick-Spiel) und Shiftago (abstraktes Taktikspiel) zum Zuge kommen.
 

Kinderspiel des Jahres:

Ice Cool

Capatain Silver
hatte ich bisher noch so gar nicht auf dem Radar und werde ich mir (nach erfolgtem Regelstudium) direkt zulegen. Den Krabbelsack kennt man ja aus vielen Kinderspielen, aber die Einbettung in ein Wettrennen sowie der Ablauf des Spiels gefallen mir außerordentlich gut. Das Thema Piraten scheint bei Kinderspielen beliebt. Erst vor Zwei Jahren stand Schatz Rabatz auf der Nominierungsliste – auch ein Reaktionsspiel, aber mit Memory-Komponente.

IceCool habe ich nun schon mehrfach angespielt – aber gepackt hat es mich trotzdem nie so richtig. Vielleicht liegt es einfach daran, dass ich mir mehr davon erhofft hatte. Das Spielprinzip ist witzig: Pinguine durch den Parcours aus mehreren zusammengesteckten Kartons schnippen und damit elegante Moves vollführen. Aber das eben dieser Parcours vorgegeben ist und nicht variabel aufgebaut werden kann, ist und war für mich von Beginn an ein großer Wehrmutstropfen. Und so bleibe ich weiterhin meinem geliebten PitchCar treu, bei dem ich die Strecke selbst definieren kann, auch wenn IceCool vermutlich dieses Jahr als Gewinner aus dem Rennen gehen wird.

Der Mysteriöse Wald von Iello ist für meinen Geschmack zu düster und als Kinderspiel der Altersgruppe ab 6 Jahre eher ungeeignet. Ist das Spielprinzip toll: ja. Ist die Aufmachung ansprechend: auf jeden Fall. Und nicht zu Unrecht wurde Der Mysteriöse Wald in diesem Jahr bereits für sein überaus gelungenes und ansprechendes Design mit dem European Product Design Award ausgezeichnet.
Aber meiner Meinung nach hätte man das Thema besser in ein Spiel für Kinder/Jugendliche ab 8 bzw. 10 verpackt, die mit solch beängstigenden und thematisch dunklen Spielen besser klarkommen. Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass ich eine Tochter habe die noch nicht mit Ninjago und Co in Berührung gekommen ist und auch Bücher und CDs, die etwas gruselig daherkommen, ablehnt. Selbst bei einem Viva Topo gibt es regelmäßig Diskussionen darüber, ob die böse Katze mitspielen darf oder nicht. Aber mir kam der Mysteriöse Wald in Essen letztes Jahr schon viel zu düster vor und an dieser Meinung hat sich bis dato nichts geändert.

Auch auf der Empfehlungsliste hat mich einiges verwundert:
Kikeribumm ist aus dem Jahr 2008 wurde von Asmodee jüngst auf den deutschen Spielemarkt gebracht. Ist das Spiel dann wirklich neu? Hingegen taucht ein Spiel wie Mino & Tauri, das mich z.B. voll überzeugt hat überhaupt nicht auf.
Auf der Suche nach den Grund hierfür bin ich über den Kommentar von der Jury-Koordinatorin zum Kinderspiele-Jahrgang 2017 gestolpert: ” Auf den ersten Blick sehr reizvolle, raffinierte Aufbauten und innovative Mechanismen entpuppten sich im praktischen Spielbetrieb mit Kindern als äußerst fehlerbehaftet und nahezu unspielbar.” Wenn das der Grund sein sollte, dann hat Kikeribumm auf der Liste definitiv nichts verloren, da sich hier der Aufbau vor dem eigentlichen Spiel schon als kniffliger Akt erweist (siehe hierzu auch Werbebeitrag von Orange Blue – Originalhersteller aus den USA).

Auf der anderen Seite ist es aber auch erfreulich, dass eher unbekannte Verlage wie z.B. Game Factory, die es sich wohl zum Ziel gesetzt haben internationale Spiele auch in Deutschland zu vertreiben, direkt mit zwei Spiele auf der Empfehlungsliste auftaucht: Ausgefuxt und Sleeping Queens sind beides Kandidaten, die auch ich mir nochmal genauer ansehen werde.

Und nicht zu vergessen die Kullerhexe, ein sehr witziges Geschicklichkeitsspiel, dem ich ebenfalls bereits Anfang des Jahres eine Rezension gewidmet habe.
 

Kennerspiel des Jahres:

Exit als Kennerspiel: Ich bin mir nicht sicher, ob man den Exit-Spielen damit einen Gefallen getan hat. Sind wir mal ehrlich: die meisten Gelegenheitsspieler lassen sich vom Titel Kennerspiel direkt mal abschrecken und die wirklichen Kenner haben sich eh schon längst über andere Kanäle über die Spieleneuheiten der Letzen Saison informiert. Die grundsätzlichen Spielregeln der Exit-Spiele sind relativ einfach und die Regelhefte mit ca. 7 Seiten (auf A4) nicht wirklich umfangreich. Sicherlich sind die Exit-Spiele an sich nicht ganz einfach zu lösen und es bedarf durchaus einigen Gehirnschmalzes und etwas Zeit um den Rätseln auf die Spur zu kommen.

Aber gerade letztes Jahr hat die Jury mit Codenames ein Spiel gewürdigt, das auch nicht auf den klassischen Familientisch (Eltern mit Kindern) zugeschnitten war. Vermutlich musste die Jury hier in den sauren Apfel beißen, sind doch auf den Nominierungslisten nur für 3 Spiele Platz. Für mich hätte die Exit-Spielreihe nämlich (wenn überhaupt) auf die Nominierungsliste für das Spiel des Jahres gehört. Für diese Nominierung musste ein anderes Spiel Platz machen, dem meiner Meinung nach die Nominierung besser gestanden hätte: Great Western Trail von Pegasus, das unter Vielspielern und Kennern ein sehr hohes Ansehen genießt.
… Aber es gibt ja zum Glück noch den Deutschen Spielepreis und da stimmt eine große Zahl bekennender Vielspieler über die Preisträger ab.

Zu Räuber der Nordsee kann ich gar nicht so viel sagen, da mir das Thema leider überhaupt nicht liegt und ich glaube kein einziges “Wikingerspiel” mein Eigen nennen kann.

Mein Favorit auf dieser Liste ist ganz klar Terraforming Mars. Dieses Spiel hat mich vom ersten Moment an absolut überzeugt und gehört aktuell zu einem meiner liebsten abendfüllenden Spiele – gerne auch solo! Die „Besiedelung“ des Mars war im letzten Spieleherbst eines der dominierenden Themen und Terraforming Mars hat die Idee dahinter für mich am besten eingefangen. Ich warte schon mit Spannung auf die angekündigten Erweiterungen und freue mich jetzt schon auf das nächste Spiel.

Auch hier gab es auf der Empfehlungsliste es (fast) nur Überraschungen:
Die Grimoire des Wahnsinns habe ich selbst mir letztes Jahr noch gekauft und bin auch voll vom Spiel überzeugt. Allerdings hat es seit seinem Erscheinen im Letzen Jahr sehr wenig Publicity genossen (vermutlich, weil es im Sommer und nicht erst im Herbst zu Spiel in Essen erschienen ist).

Ebenso finde ich es Großartig, dass ein thematisches Nischenspiel wie Les Poilus auf der kurzen Empfehlungsliste auftaucht.

Und auch Captain Sonar würde ich gerne mal ausprobieren, da scheitert es bei mir nur leider an der Anzahl der benötigten Mitspieler, sollten es doch im Idealfall tatsächlich insgesamt 8 Leute sein!
 

Spiel des Jahres 2017 – Bin gespannt, wer das Rennen macht

Wie bereits zu Beginn des Jahres vermerkt: Cooperation rules! Das kooperative Spiel gewinnt immer mehr an Boden und ist berechtigterweise auf allen drei Nominierungslisten vertreten. Ebenso ist es schön zu beobachten, dass inzwischen auch viele kleinere/unbekannte/neue Verlage auf den Nominierungs- und Empfehlungslisten auftauchen. Schade nur, dass die dann selten den Weg in den Massen-Spielehandel finden und so wahrscheinlich an der Breite der Zielgruppe des Preises unerkannt vorbeiziehen.

Das „Kinderspiel des Jahres 2017“ wird am 19. Juni 2017 in Hamburg gekürt. Die Gewinner für das „Spiel des Jahres 2017“ sowie das „Kennerspiel des Jahres 2017“ werden am 17. Juli 2017 bekannt gegeben. Dann wird sich zeigen wie gut ich mit meinen Prognosen in diesem Jahr lag.

Wer noch mehr zu den nominierten/empfohlenen Spielen erfahren will, kann sich kerne auf der Seite des Spiels des Jahres weiter informiereren.

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