Kinderspiele, die die Geschicklichkeit der Mitspieler herausfordern gibt einige. Aber andere Mechanismen wie z.B. Memory oder Würfel-Laufspiele dominieren die Kinderspiel-Landschaft nach wie vor.

Schön also, dass mit Kullerhexe mal wieder ein schönes Geschicklichkeitsspiel auf den Markt kommt, das nur im Team zu gewinnen ist oder auch nicht. Denn am Ende kann es trotz kooperativen Spiels nur einen Gewinner geben.

 

Kullerhexe – Passt bloß auf den Hut auf

Bei Kullerhexe geht es darum, eine kleine Hexe auf ihrem kugeligen Fortbewegungsmittel möglichst geschickt durch den Zauberwald zu steuern, um dort ihre verlorenen Zauberutensilien wieder einzusammeln.
Kullerhexe von Drei MagierDoch bevor dem eigentlichen Spiel losgehen kann, sind noch ein paar kleinere Vorbereitungen zu treffen:

  • Der löchrige Waldboden wird auf vier Schaumstoffblöcke gelegt, die sich in den Ecken der Box befinden und danach noch mit vier stabilen Stiften befestigt.
  • Die 3D-Zauberbäume müssen in die dafür vorgesehenen Steckplätze gesteckt werden.

Danach erhält jeder Spieler einen Wutzel (=Farbe). Für die kleinen Helfer gibt es zwei Karten: eine große zur Erinnerung und eine kleine, die in das passende Loch auf dem Spielbrett geworfen wird und dort bis zum Spielende fleißig Beeren sammelt.
Die Hexe wird auf eines der Zauberutensilien gestellt und bekommt ihren wackeligen Hut aufgesetzt. Nun müssen noch die Zielkarten (pro Zauberutensil 3 Stück) gemischt und verdeckt bereitgelegt werden und das Spiel kann beginnen.

Gespielt wird immer in Zweierteams, wobei sich die beiden Teammitglieder gegenübersitzen sollten. Jede Runde werden die Teammitglieder neu gemischt, soll heißen beim Spiel zu viert spielen erst Spieler 1 & 2 miteinander, danach Spieler 2 & 3, dann 3 & 4, 4 & 1, usw.

Zu Rundenbeginn wird die oberste Karte vom Zielkartenstapel gezogen und die Sanduhr umgedreht. Sie kommt in die extra hierfür vorgesehene Vertiefung in der Spielplanmitte, so dass man nur die obere Hälfte sieht.

Jetzt muss die Hexe auf dem Plan fortbewegt werden. Dies erfolgt durch mehr oder weniger sanften Druck auf die vier Stecker an den Spielfeldecken (hierbei bedient jeder Spieler zwei der Stecker).
Wurde ein Ziel erreicht erhält jeder der Beteiligten eine Beere (Siegpunkte), die er in seine Wutzelhöhle wirft. So lange die Sanduhr noch läuft, wird die nächste Karte umgedreht und die Hexe setzt sich wieder in Bewegung auf der Suche nach dem nächsten Objekt.

Die Runde kann jedoch auch vorzeitig enden, und zwar dann wenn:

  1. die Hexe ihren Hut verlieren sollten (z.B., wenn Sie damit zu nah an einem der Zauberbäume vorbeirollt) oder
  2. die Hexe in einem der Löcher, die auf dem Spielplan verteilt sind hängenbleibt.

Am Ende jeder Runde wird eines der beiliegenden Sterne in die Baumkronen der Bäume gesteckt. Insgesamt geht das Spiel über 16 Runden, d.h. im Spiel zu viert ist jeder Spieler 8 mal an der Reihe.
Zu Spielende wird nun der Spielplan gelüftet und jeder Spieler zählt die gesammelten Beeren in seiner Wutzelhöhle. Der Spieler mit den meisten Beeren gewinnt das Spiel.
 

Kullerhexe – Mit Feingefühl und Teamarbeit zum Ziel

Wie in den meisten anderen Jahren auch lässt sich wohl auch dieses Jahr wieder ein Trend bei den Kinderspielen ausmachen: Team Rules. Bereits letztes Jahr hat mit „Leo muss zum Friseur“ ein Koop-Spiel einen wichtigen Spielepreis gewonnen. Dieser Trend wird sich wohl auch in diesem Jahr weiter fortsetzen, auch wenn die Kullerhexe zum Vertreter der semi-kooperativen Spiele zählt. Es wird zwar gemeinsam gespielt aber gewinnen kann nur einer.

Was mir bei der Kullerhexe direkt aufgefallen ist, ist die Ähnlichkeit zu Mino & Tauri, das ich ja gerade erst vor ein paar Wochen rezensiert habe: Auch hier geht es um die Suche nach verlorenen Dingen, es muss im Team gearbeitet werden und man hat nicht wirklich viel Zeit sein Ziel zu erreichen.
Natürlich gibt es auch sehr viele Unterschiede: Der Spielplan ist horizontal, man steuert gemeinsam eine Spielfigur, die auch alle sehen können und es kommt eine Kugel auf einem beweglichen Spielbrett zum Einsatz und keine Magnete.

Für meinen Geschmack ist die Kullerhexe selbst leider etwas zu abstrakt geraten – ihr fehlt z.B. ein Gesicht, das wäre noch ganz nett gewesen. Die Idee mit dem Hut ist auf jeden Fall sehr witzig. Allerdings ist die Befestigung der Bäume nicht ganz so toll: bei unseren Spielen haben wir zwischen den Runden regelmäßig ein bis zwei der Bäume unbeabsichtigt aus ihrer Verankerung geworfen. Etwas längere Steckteile wären hier wohl besser gewesen. Leider sind auch die Drei Magier Boxen nicht ganz so spielschranktauglich – bei uns passen sie jedenfalls nicht in des weit verbreitete Regal eines schwedischen Möbelherstellers und müssen leider oben draufgelegt werden. Aber kleiner wäre wohl hier auch spieltechnisch nicht möglich gewesen.

Ansonsten weiß das Material aber zu überzeugen. Dass die Punkte nicht einfach nur so gesammelt werden, sondern als Beeren in den Höhlen verschwinden und erst zu Spielende klar wird, wer gewonnen hat, ist toll umgesetzt. Auch die Rundenzählung über die Sterne, die in die Baumwipfel gesteckt werden, zeigt viel Liebe zum Detail und ist tausendmal ansprechender als ein Spielbrett auf dem vorangezogen wird.

Kullerhexe trainiert nicht nur die Geschicklichkeit unter Zeitdruck, sondern auch Geduld. Nicht immer ist jedes Kind an der Reihe und die Hoffnung ist natürlich immer da, dass das andere Team möglichst früh den Hut verliert und damit die Runde eher zu Ende ist.

Aber auch hier sehe ich einen Knackpunkt: Das permanente Abwechseln ist für meinen Geschmack etwas unglücklich gelöst, denn eigentlich müssen sich die Kinder ja immer gegenüber sitzen um die Hexe vernünftig auf dem Feld steuern zu können. Dies bringt aber mit sich, dass zwischen jeder Runde Plätze getauscht werden müssen. Will ich wirklich mit 4 Kindern spielen, dann werde ich wohl die Hausregel einführen, dass es feste Zweierteams gibt, die gegeneinander spielen.

Für zwei Spieler liefert die Regel übrigens schon direkt eine Spielvariante mit: Hierbei spielt man gegen den Wald, die Wutzel kommen nicht zum Einsatz. Es wird über 6 Runden gespielt, in denen es jeweils 6 Beeren zu holen gibt, d.h. es müssen 6 Objekte gesammelt werden. Ist die Sanduhr abgelaufen, erhält man pro Objekt eine Beere, der Rest der Beeren geht an den Wald. Nach 6 Runden wird geprüft wer mehr Beeren hat: Spieler oder Zauberwald!

Mir erschien diese Variante im Spiel mit meiner 5-jährigen Tochter noch etwas zu schwer. Daher haben wir uns direkt eine andere Variante einfallen lassen, die ihr in Kürze hier findet.

Mino & Tauri gefällt mir von der Spielidee und Umsetzung her etwas besser, aber auch die Kullerhexe weiß in der richtigen Spielzusammensetzung zu überzeugen. Hier ist es meiner Meinung nach reine Geschmackssache, welches Thema und auch Spielgefühl einem da besser entgegenkommt. Empfehlen kann ich beide Spiele.

Und zum Schluss noch eine kleine Info am Rande: der Autor der Kullerhexe Marco Teubner zeichnet sich auch Verantwortlich für das Kinderspiel des Jahres 2016 – Stone Age Junior.
 

Spieleinfo
Alter: 6+
Spieleranzahl: 2 – 4
Spieldauer: 10 – 20 Min.
Verlag: Drei Magier Spiele
Erscheinungsjahr: 2016
Preis: ~ 27 EUR

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