Stone Age ist eines jener Spiele, die man gerne auf den Tisch bringt, wenn Vielspieler auf Gelegenheitsspieler treffen. Nun hat dieses wirklich gute Spiel seit ein paar Tagen einen kleinen Bruder: Stone Age Junior.

Das Material ist – wie nicht anders beim Hans im Glück Verlag zu erwarten – von sehr hoher Qualität und die Regeln mit einer kleinen Vorgeschichte versehen, die die Kinder direkt in ihren Bann ziehen soll.
 

Tausche Ware gegen Hütte

Ziel bei Stone Age Junior ist es, als erster drei Hütten in der Steinzeitsiedlung zu erreichten.

Zunächst wird der Spielplan und darauf drei Stapel dieser Hütten bereitgelegt. Die Hütten zeigen unterschiedliche Kombinationen der Materialien Stoßzahn, Beere, Tonkrug und Fisch. Denn diese gilt es in Stone Age Junior zunächst einzusammeln um die Hütten im Nachgang zu bauen. Um den Spielplan herum werden verdeckt Waldplättchen ausgelegt, die entweder eines der Würfelaugen von 1 – 6 zeigen oder eines der auf dem Spielplan vorhandenen Felder.

Jeder Spieler erhält eine Spielfigur und eine Siedlung, die zu Beginn noch leer ist.

Ist ein Spieler am Zug, so darf er eines der um den Spielplan liegenden Waldplättchen umdrehen. Die eigene Figur darf auf das entsprechende Feld gezogen und das Material eingesammelt werden – falls noch vorhanden. Es gibt auch ein Tauschfeld, auf dem bereits gesammelten Waren gegen die dort befindlichen getauscht werden dürfen. Hinzu kommt noch ein Feld mit einem Hund, der als Joker dient, wenn man ihn besitzt.

Kinderspiel 2016

Erreicht man im Laufe des Spiels das Dorf-Feld, darf man eine der drei ausliegenden Hütten bauen – vorausgesetzt man besitzt die richtigen Waren hierzu. Danach werden alle Waldfelder wieder umgedreht und zusätzlich noch 2 vertauscht, das nächste Hüttenfeld umgedreht … und weiter geht’s.

Errichtet ein Spieler seine dritte Hütte ist das Spiel sofort beendet und das Kind mit den 3 Hütten hat gewonnen.
 

Hübsches Lauf- und Sammelspiel

Als ich die erste Anzeige zu Stone Age Junior Ende 2015 sah, wollte ich das Spiel sofort in meinen Händen halten. Die Aufmachung ist sensationell. Die Pappteile sind extradick und auch die Holzteile (Beeren, Krüge, Fische, Stoßzähne und Speere) sind eine Augenweide und entsprechen HABA-Qualität. Für Kinderhände also bestens geeignet.

Jeder Spieler besitzt eine Siedlung, auf welche die Hütten nach dem Bau gesteckt werden – so wächst die Steinzeitsiedlung auch optisch. Zudem dürfen unter der Siedlung die gesammelten Waren versteckt werden, sodass die Mitspieler nie genau wissen, welche Waren man besitzt.

Grundsätzlich macht das Spiel alles richtig: der Aufforderungscharakter ist dank des Materials sehr hoch, die Regeln vorbildlich.

Dennoch stellt sich bei mir leichte Ernüchterung ein. Irgendwie habe ich mir mehr von dem Spiel erwartet. Als ich die o.g. Anzeige sah, habe ich direkt mögliche Regeln und Ideen vor Augen gehabt, wie das Ganze funktionieren könnte. Es fehlt der letzte Kniff, um aus diesem sehr soliden und guten Spiel ein hervorragendes Kinderspiel zu machen, das aus der breiten Masse heraussticht.

Im Endeffekt ist es doch nur ein Lauf- und Sammelspiel (wenn auch ein sehr schönes) mit Memoaspekt, bei dem auch schon ein wenig die (in Erwachsenenspielen oft eingesetzte) Güterknappheit zum Tragen kommt.

Die Halterung für die Hütten (Siedlung) ist optisch sehr ansprechend, aber nicht voll funktionsfähig. Sobald nämlich die ersten 1 – 2 Hütten gebaut wurden, wird das mit dem Verstecken der Waren nicht mehr so einfach. Zudem wackeln die Hütten ziemlich herum, ein festerer Stand wäre auch schöner gewesen.

Die Altersangabe ist korrekt gewählt. Meine Tochter ist mit ihren 4 Jahren noch nicht ganz so gewieft, nach einer kompletten Runde die richtigen Waldplättchen umzudrehen um möglichst zielgerichtet die benötigten Waren abzugreifen. Hier könnte es schwierig werden, Kinder unterschiedlichen Alters an einen Tisch zu bringen – die Älteren haben hier klare Vorteile.

Alles in Allem würde ich das Spiel jedoch jedem empfehlen, der nach den ersten einfachen Spielen für sein Kind nach etwas Komplexerem sucht. Der Preis ist angesichts der gebotenen Materialqualität angebracht und entspricht dem, was andere Hersteller auch für ihre Spiele mit solcher Ausstattung verlangen.

Meine Tochter hat übrigens nach dem ersten Spiel die Holzmännchen durch Duplomänner ersetzt – das funktioniert auf dem großen Plan hervorragend und verleiht dem Ganzen noch ein wenig mehr Individualität.

Nachtrag:
Wie sich herausgestellt hat, hat die Jury Spiel des Jahres sich im Spielejahr 2016 für Stone Age Junior als Kinderspiel des Jahres entschieden. Herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle dem Autor (Marco Teubner) und Verlag (Hans im Glück)!
 

Spieleinfos

Alter: 5+
Spieleranzahl: 2 – 4
Spieldauer: 15 min
Verlag: Hans im Glück
Erscheinungsjahr: 2016

One thought on “Stone Age Junior – Laufe, sammle, Hüttle baue

  1. Stone Age Junior ist so eine Sache. Auf der einen Seite ist das Spielmaterial absolut fantastisch und die Spielmechanik zaubert eine wohlige Spielatmosphäre, welche auch Erwachsene anspricht. Schade, dass aber das die Spielzeit so sehr beschnitten wurde und somit fast jede Spannung verloren geht. Dadurch, dass man nur 3 Häuser bauen muss, sind die Partien für Kinder zwar angenehm kurz und es geht auch immer knapp aus (meistens könnte der Nächste auch fertig bauen), es kommt aber kein echter Konkurrenzkampf auf und es ist schwierig einen Vorsprung auszuarbeiten. Dadurch wird das Spiel doch recht schnell langweilig. Da wäre es schön gewesen, wenn man etwas mehr Spielmaterial beigefügt hätte, so dass man auch 5 oder gar 10 Häuser für einen Sieg bauen müsste. Damit hätte man den Spannungsmoment bestimmt etwas erhöhen können und Stone Age Junior wäre auch für etwas ältere Kinder noch interessant gewesen.

    Wenn ich böse wäre, dann würde ich Stone Age Junior als Materialblender bezeichnen, dass wäre aber nicht gerecht. Ab und zu gespielt, macht Stone Age Junior Spaß und zaubert dann doch auch die oben genannte wohlige Spielatmosphäre auf den Tisch. Es fühlt sich halt schon nach einem großen Spiel, was aber so sehr beschnitten wurde, dass es aufhört bevor es spannend werden kann. Bei Die Kinder von Carcassonne ist die Reduzierung der Spielmechanik aus meiner Sicht wesentlich besser gelungen.

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