Die SPIEL 2017 ist schon wieder fast 2 Wochen her und ich habe immer noch nicht alle neuen Spiele ausgepackt. Meine persönliche Checkliste habe ich zu ca. 60% abgedeckt, mehr war an zwei Tagen einfach nicht drin.

Die Messe wird von Jahr zu Jahr größer und zum Teil auch professioneller. Gerade in den vorderen Hallen wird man aus allen Ecken von Lautsprechern beschallt und laufenden Werbeplakaten umringt … Asmodee übertreibt es da meiner Meinung nach deutlich. Da fühle ich mich persönlich doch eher in den hinteren Hallen wohler, wo der Andrang nicht so groß und die Spiele dafür etwas ausgefallener sind.
 

SPIEL Essen 2017 – Wo Licht ist, ist auch Schatten

In meiner Vorschau hatte ich einige Spiele, die ich in meinen zwei aktiven Tagen als Messebesucher dann doch nicht spielen konnte. Einige der genannten Spiele konnten mich leider nicht überzeugen, aber einen Großteil hat meinen Erwartungen entsprochen und wird in den kommenden Monaten einen Platz in diesem Blog bekommen.

Viral von Corax war eines der Spiele, die mich persönlich leider gar nicht vom Hocker gehauen haben. Das Thema und auch die Spielidee klangen zunächst spannend, aber irgendwie wollte bei mir der Funke doch nicht überspringen, weil ich mich durch die Art der Kartenselektion doch ein wenig zu sehr eingeschränkt gefühlt habe und nie wirklich das gefühlt hatte eine Strategie verfolgen zu können. Aber bei Corax gab es dafür ein anderes Spiel, dass ich ausprobiert und direkt mitgenommen habe: Half Pint Heroes. Ein lustiges und ungewöhnliches Stiche Spiel mit Texas-Hold‘em Regeln, in dem viel Bekanntes aber auch viel Neues auf interessante und unterhaltsame Weise verknüpft wird. Hierzu wird sicherlich in den kommenden Monaten ein Review meinerseits folgen.

Die Neuauflage von Modern Art (Oink Games) konnte ich lediglich betrachten: die Schachtel fällt extrem klein aus, was bei dem Spiel nicht wirklich schlimm ist. Im krassen Gegensatz dazu stand leider der viel zu hohe Preis (im Bundle mit einem anderen kleinen Spiel 55 €). Aktuell ist Modern Art über deutsche Vertriebswege noch nicht zu bekommen, daher werde ich mit meinem geplanten Review noch warten müssen. Aber ich hoffe da tut sich was in den kommenden Monaten. Denn es wäre super, wenn es diesen tollen Auktions-Klassiker bald wieder in großen Mengen zu kaufen gäbe.

Bei HABA habe ich nur kurz vorbeigeschaut und muss auch zugeben, dass ich gar keinen großen Drang dazu verspürt habe. Das neue große Familienspiel Iquazu erschien mir zwar interessant, aber es taucht noch nicht mal in der (in-)offiziellen Top 130 der SPIEL auf. Den Kinderspielableger von Karuba werde ich mir dennoch in den kommenden Wochen bis Weihnachten nochmals genauer anschauen.

Allgemein kann man wohl auch sagen, dass das Thema Kinderspiel auf der SPIEL eine immer kleinere Rolle spielt. So hat z.B. Amigo in Essen gar kein neues Kinderspiel vorgestellt und ist nach wie vor auf der IceCool-Welle geschwommen und andere Hersteller hatten in meinen Augen zum Großteil nur Mistspiele (sorry für die Wortwahl!). Aber in meinen Augen sind Spiele wie Flitzekacke, Pipi Party oder auch Yeti in den Spaghetti Spielzeug und haben auf der SPIEL nichts verloren. Es war schon bezeichnend, dass am Donnerstagmorgen die Hallen zwar brechend voll waren, aber am Riesenstand von HASBRO noch gähnende Leere geherrscht hat.

Ich warte also Geduldig auf die Neuheiten, die dann hoffentlich in Nürnberg Anfang Februar 2018 (nach dem Weihnachtsgeschäft *sic*) vorgestellt werden.
 

SPIEL Essen 2017 – Kleine Spiele ganz groß

Dennoch konnte ich noch das ein oder andere familientaugliche Spiel entdecken, das ich zuvor noch nicht auf dem Radar hatte und das ich definitiv in den kommenden Monaten Beiträge widmen werde:

  • Azul von Plan B steht dabei ganz hoch auf meiner Wunschliste und wird wohl noch bis Ende des Monats auf meinem Tisch landen. Ein abstraktes Spiel mit 100 Spielsteinen (Fliesen) aus Kunstharz, dass durch seinen interessanten Interaktions- und Lege-Mechanismus besticht. Das Spiel wurde auf Boardgamegeek offiziell zur No. 1 der diesjährigen Spielemesse gewählt und es würde mich nicht wundern, wenn es zumindest einen Platz auf der Empfehlungsliste für das kommende Spiel des Jahres erhält.
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  • Schwarzes Schaf von Jolly Thinkers ist ein superwitziges Spiel auf Basis des altbekannten Schwarzen Peters. In Essen hat es mir direkt gut gefallen und inzwischen hatte ich auch schon die Möglichkeit es in lustiger Abendrunde auf den Tisch zu bringen. Ein sehr gelungener Nachfolger für die von mir so geliebte Pick-a-Dog Serie, wenn auch das Spielprinzip 180 Grad anders ist, da es sich hierbei um ein astreines Push-Your-Luck Spiel handelt. Ich hoffe das Spiel wird von Asmodee ins Vertriebsprogramm genommen und auch hierzulande erhältlich – in Essen war es nämlich schon samstags vergriffen.
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  • Wulong vom noch jungen APAS-Verlag ist ein richtiges Zocker-Würfelspiel in alter Manier. Jedoch würfelt hier nicht einfach jeder vor sich hin, sondern alle Mitspieler geben stets Wetten auf den aktuellen Spieler ab und können damit richtig Kohle scheffeln oder auch verlieren. Mit der Erweiterung Chows 11 wird das Spiel noch interaktiv, da man hier z.B. die Mitspieler zwingen kann gegen ihren Willen weiterzuwürfeln und sich damit evtl. ein gutes Ergebnis zu versauen. Einfach nur lustig! Der Review folgt in Kürze.
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  • Memoarrr! von der Edition Spielwiese ist eine schöne Memory-Variante für ältere Kinder und Familien. Hier gilt es sich stets auf eine bereits aufgedeckte Karte eine weitere aufzudecken, die mind. ein gemeinsames Element hat (Tier oder Hintergrund). Deckt man eine falsche Karte auf, scheidet man aus. Der letzte erhält eine Schatzkarte mit unterschiedlichen Goldstücken. Nach 7 Runden ist Schluss. Wer die meisten Goldstücke sammeln konnte gewinnt. Es gibt auch noch eine Expertenvariante für Fortgeschrittene, bei der die Tiere verschiedene Sonderfunktionen haben wie z.B. Karten vertauschen oder blockieren.
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  • Café Fatal von Zoch hat mir wirklich außerordentlich gut gefallen. Hier geht es darum durch geschickte Würfelplatzierung an möglichst viele und wertvolle Pizza-, Käse- und Blaubeerkuchen-Teile zu kommen. Interessant ist hierbei die Platzierung der Würfel, mit der sich das Spiel deutlich vom vermeintlich großen Bruder Las Vegas abgrenzt. Zudem haben Würfel und Spielmaterial so ein kleines Format, dass sie problemlos im mitgelieferten Säckchen verstaut überall mit hingenommen werden können … z.B. ins nächste Café.
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  • Tiefe Taschen von Fobs Games ist zwar aus dem Jahr 2016, aber durchaus nochmal eine Erwähnung wert, da ich erst vor Kurzem darauf aufmerksam wurde. Ein wirklich tolles Bluff- und Taktierspiel für große Gruppen bis zu 8 Personen. Der Präsident teilt Kohle aus und alle dürfen darüber abstimmen. Ist die Ablehnung zu groß, dann wird der Präsident gestürzt und ein anderer verteilt die Kohle. Der Präsident geht leer aus. Hinzu kommen Erpressung, Stimmenkauf und der Griff in die Staatskasse. Großes Kino im kleinen Format. Auch hierzu wird ein Review folgen!
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  • Das einzige Kinderspiel, dass bei mir wirklich Interesse geweckt hat war Gute Nacht Monster von Pegasus. Ein interessantes Würfel-Gedächtnis-Spiel, bei dem zuächst eine ganze Menge Würfel gewürfelt wird, deren Ergebnis dann aber nur einen kurzen Moment betrachtet werden darf. Danach wird eine Aufgabenkarte aufgedeckt, die nach der Anzahl oder Farbe bestimmter Monster fragt. Alle Kinder geben nun geheim Tipps ab und alle die richtig gelegen haben gehen einen Punkt auf der Zählleiste vor. Definitv ein Kandidat für meinen Blog!

 
Erweiterungen gab es natürlich auch wieder wie Sand am Meer. Der Trend der letzten Jahre setzt sich fort und so waren gefühlt 25% der Neuerscheinungen Erweiterungen für bereits bestehende Spiele, von denen ich hier noch zwei erwähnen möchte:

  • Das Traumhaus von Pegasus bekommt mit 156 Sunny Street eine Erweiterung, die dem Spiel etwas mehr Spieltiefe durch geheime Zielkarten und nette Besucher verschafft. Zudem können jetzt auch 5 bzw. 6 Spieler mitspielen. Leider noch nicht auf Deutsch verfügbar, aber ich denke mal das läuft wie im letzten Jahr und diese Erweiterung wird spätestens zu Nürnberg auch hierzulande erhältlich sein.
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  • Auch das populäre Zug um Zug erhält weiteren Zuwachs. Inzwischen erscheinen jährlich neue Spielpläne mit erweiterten Regeln. In diesem Jahr sind das Frankreich und Old West. Beide Karten machen das Spiel komplexer und anspruchsvoller, aber wer gerne Zug um Zug spielt und sich ein wenig mehr Abwechslung wünscht, der ist hiermit bestens bedient. Bisher konnte ich mir nur von der Frankreich-Karte einen Eindruck machen, aber die hat es mit sich überschneidenden Strecken in sich. Zudem müssen die Strecken zunächst mit Farben versehen werden, bevor gebaut werden kann. Die Karte ist auch größer als die bisherigen, da nun bis zu 6 Spieler mitspielen können. Bei der Old West-Karte fängt man an einer selbst gewählten Startposition an und muss von dort aus die Strecke erweitern – ein ungewohntes Konzept bei Zug um Zug, wo man bisher immer wild Strecken verlegen konnte um diese am Ende zusammenzufügen.

 
Der Berg an neuen Spielen, die in den kommenden Wochen und Monaten gespielt und rezensiert werden wollen ist also groß. Kommentare und weitere Spielvorschläge sind aber wie immer sehr willkommen! In diesem Sinne – Viel Spaß beim lesen, kaufen und spielen!

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