Memory ist nicht gleich Memory. Wer meinen Blog aufmerksam verfolgt, der wird schon gemerkt haben, dass das Kinderspiel aus alten Tagen immer wieder in neuen Variationen seinen Weg zum Spieler findet.

Nicht anders bei Memoarrr!, einem astreinen Memory-Spiel, das aber dann doch gar nicht so einfach ist wie auf den ersten Blick gedacht. Denn hier muss man nicht Pärchen finden, sondern eine Karte, die in einem Merkmal mit der Vorgängerkarte übereinstimmt. Merkmale gibt es zwar nur zwei (Tier oder Landschaft), aber die in fünf verschiedenen Ausprägungen …
 

Memoarrr! – Tier oder Landschaft

Memoarrr! besteht aus 25 quadratischen Ortskarten auf deren Vorderseite jeweils eine Kombination aus Tier und Landschaft abgebildet ist. Es gibt 5 verschiedene Tiere (Pinguin, Schildkröte, Walross, Oktopus und Krabbe), sowie 5 verschiedene Landschaften (Dschungel, Wasser, Lava, Blumen und Wüste). D.h. jede Kombination aus Tier und Landschaft ist exakt 1x vertreten.

Diese Ortskarten werden gemischt und verdeckt in einem Quadrat ausgelegt. Die Karte in der Mitte kommt unbesehen zurück in die Spielschachtel, diese ist raus aus der Partie. In die Mitte kommt stattdessen der gemischte Stapel mit Schatzkisten (7 Karten) und darauf noch der gemischte Vulkanstapel (abhängig von der Spielerzahl 1 – 3).

Jedem Spieler wird eine Seite der entstandenen Spielfläche zugewiesen und zu Beginn darf sich jeder drei Karten (die mittleren Ortskarten am Rande der eigenen Seite) anschauen und sollte sich diese auch merken.

Ein Spieler beginnt und darf irgendeine Karte auf der Insel umdrehen. Dabei gilt es zu beachten, dass zunächst keine Karte aufgedeckt werden darf, die zu Beginn von den Spielern angeschaut wurde.

Der im Urzeigersinn folgende Spieler muss nun eine Karte aufdecken und kann hierbei auch seine zuvor angeschauten Karten bzw. auch Karten der Gegenspieler verwenden.

Es wird überprüft, ob die neue Karte korrekt ist:

  • stimmt entweder das Tier oder die Landschaft mit der zuvor aufgedeckten Karte überein, so geht die Runde mit dem Folgespieler weiter.
  • stimmen weder Tier noch Landschaft mit der zuvor aufgedeckten Karte überein, zieht der Spieler die oberste Vulkankarte aus der Spielfeldmitte und ist aus der aktuellen Runde ausgeschieden.

Es wird solange weitergespielt, bis nur noch ein Spieler übrig ist. Dieser erhält zur Belohnung die nun freigelegte oberste Schatztruhe und legt diese unbesehen bis zum Spielende vor sich ab.

Alle Ortskarten werden wieder auf ihre Rückseiten gedreht. Dabei ist zu beachten, dass alle Ortskarten an ihren Plätzen verbleiben. Neue Startspieler wird der Spieler, dessen Vulkankarte die meisten Vögel zeigt. Danach werden die Vulkankarten wieder gemischt und zurück auf den Schatzstapel gelegt.

Nach 7 Runden ist Schluss. Nun decken alle Spieler ihre Schatzkarten auf, denn auf der Rückseite gibt es 1 – 4 Rubine. Es gewinnt nicht de Spieler mit den meisten Schätzen, sondern derjenige mit den meisten Rubinen.

Memaorrr! von Pegasus
 

Memoarrr! – Schöne, knifflige Memory-Variante

Memoarrr! ist erneut eines dieser Memoy-Plus Spiele: im Herzen immer noch Memory, aber mit etwas mehr Würze. Wer ein gutes Gedächtnis hat, der kann sogar wagen aber der Mitte des Spiels zu taktieren. Dann nämlich, wenn klar wird, was die Gegner wissen oder auch nicht, oder man z.B. das letzte Tier eine Sorte bzw. Landschaft aufdeckt und damit den Folgespieler in die Zwickmühle bringt. Manchmal ähnelt sich auch die Abfolge der aufgedeckten Karten von Runde zu Runde … aber wer sagt denn, dass das so bleiben muss ;-).

Die Tiere sind herzallerliebst gezeichnet … auch wenn es mir persönlich der kleine süße Pinguin am meisten angetan hat. Die Landschaften im Hintergrund der Karten sind im Vergleich hierzu ziemlich simpel gestaltet, können dadurch aber auch gut auseinandergehalten und vor allen Dingen gut „gespeichert“ und zugeordnet werden.

Für fortgeschritten Spieler wird noch eine Expertenregel bereitgehalten, bei der (fast) jedem Tier noch eine Sonderfunktion zugeteilt wird: der Oktopus tauscht seinen Platz mit einer benachbarten Karte, der Pinguin erlaubt einen Blick unter eine verdeckte Karte. Das Walross blockiert eine Karte für den nächsten Spieler und die Krabbe erlaubt direkt noch einen Zug. Schade nur, dass die Schildkröte nichts kann, da wäre mit etwas Hirnschmalz sicherlich auch noch eine Funktion möglich gewesen.
Grundsätzlich aber eine gute Idee mit dieser Variante für anhaltenden Spielspass zu sorgen, obwohl ich mit der Grundversion schon mehr als zufrieden bin und diese Variante bei uns noch gar nicht so richtig zum Einsatz kam.

Die Spielkarten haben ein handliches Format und sind aus wirklich stabilem Karton und zeigen bei mir bisher noch keinerlei Gebrauchsspuren, die auf die Vorderseiten schließen lassen könnten. Tütet man die Karten um, kann man sie auch problemlos überall hin mithinnehmen.

Der Regel hingegen hätte ein wenig mehr Struktur und weniger Text nicht geschadet. Auf den ersten Blick erschlägt die Regel nämlich förmlich und ich musste mehrmals nachlesen um endlich zu begreifen, wer im zwei-Personen Spiel die nächste Runde eröffnet. An einer Stelle werden nochmal Sonderregeln erwähnt, die man meiner Meinung nach besser zu den jeweiligen anderen Regeln gestellt hätte. Die W-Fragen in den Überschriften (z.B. Was hat der Vulkan zu bedeuten?) machen es da nicht besser. Grundsätzlich wird aber jede sich ergebende Frage beantwortet.
Die Regel für Memoarrr! liefert neben der o.g. Expertenregel noch eine Variante, in der die Schätze vor dem Spiel sortiert werden und damit pro Runde die Anzahl der Rubine zunimmt.

Für den Spielaufbau gibt es eine Übersichtskarte, ebenso für jeden Spieler eine Karte auf der sowohl der Spielablauf als auch die Sonderfunktionen der einzelnen Tiere aufgeführt sind. Der Spielaufbau ist nach dem ersten Spiel eigentlich klar und die Sonderfunktionen (sollten Sie denn genutzt werden) auch nach ein bis zwei Spielen. Die Hilfekarten sind also ein nettes Zubehör, auch wenn die Symbolik meiner Meinung nach mehr verwirrt als tatsächlich hilft. Ich lasse diese Karten auch mit neuen Mitspielern daher grundsätzlich in der Schachtel.

Die Edition Spielwiese ist noch ein recht junger Verlag mit Sitz in Berlin, der mit seinem ersten Spiel Cottage Garden direkt einen kleinen Hit gelandet hat. Für den Vertrieb haben sie sich nun Pegasus angeschlossen, was nicht unbedingt schadet. Memoarrr! passt auf den ersten Blick nun so gar nicht in das Programm, da der Verlag im letzten Herbst auch noch ein Spiel für Vielspieler (Noria) sowie eine anspruchsvollere Cottage Garden Version (Indian Summer) herausgebracht hat.

Memoarrr! hat mich beim ersten Anspielen direkt an Game Over vom Asmodee-Verlag erinnert, ebenfalls einem kleinen Memory-Spiel, das 2014 auf der Empfehlungsliste zum Kinderspiel des Jahres stand hierzulande aber so gut wie keine Beachtung fand. Ich hoffe Memoarrr! wird mehr Beachtung zu Teil werden und die Edition Spielwiese auch in Zukunft solch kleine familientaugliche Spiele realisieren.

Memoarrr!
ist sicherlich kein Spiel, das man täglich 5x spielen will. Aber für das kleine Gehirnjogging zwischendurch ist es eine nette Abwechslung zum altbekannten Memory und lässt sich in allen Besetzungen ausgezeichnet spielen.
 

Spieleinfo
Alter: 8+
Spieleranzahl: min. 2
Spieldauer: 15+ min
Verlag: Heidelberger Spielverlag
Erscheinungsjahr: 2015

Memoarrr! gibt es auch bei Spielend einfach in Breisach. Wer in der Gegend ist … einfach mal reinschnuppern!

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