Meine Besuch auf der SPIEL in Essen letztes Jahr war durchaus erfolgreich und ich habe dort schon das ein oder andere Spiel entdeckt, auf das ich mich in diesem Jahr schon freue.

Mein Traumhaus ist das erste aus dieser Reihe, wird es doch pünktlich zur Spielwarenmese in Nürnberg nächste Woche dem deutschen Spielemarkt vorgestellt.
In Essen war Mein Traumhaus (engl. Dreamhome) einer der Geheimtipps und so habe ich es mir nicht nehmen lassen direkt eine englische Kopie mitzunehmen.

Das Thema ist absolut unverbraucht und das Spielprinzip ziemlich simpel: es geht darum das eigene Haus möglichst funktional aber auch schön einzurichten. Grundidee ist zwar das altbekannte Sammeln von Karten, da diese aber direkt passend im eigenen kleinen Häuschen ausgelegt werden wollen ist die Wahl der richtigen Karten nicht ganz einfach. Zudem wurde das Ganze optisch wundervoll in Szene gesetzt und bekommt alleine hierfür schon einige Pluspunkte.
 

Mein Traumhaus – Immer schön der Reihe nach

Endlich steht es da, das eigene Häuschen. Dumm nur, dass die Räume samt Inneneinrichtung komplett fehlen.

Aber genau um die Einrichtung des Hauses geht es in Mein Traumhaus. Über 12 Runden werden Räume eingerichtet, mit hübschen Gegenständen dekoriert und durch die Hilfe von Spezialisten und Wergzeugen nochmal angepasst. Und wer am Ende das schönste (wertvollste) Haus eingerichtet hat, wird zum Sieger der Partie gekürt.

Zunächst erhält jeder Spieler also ein leerstehendes Häuschen mit insgesamt 12 Räumen: 2 im Keller, 5 im Erdgeschoss und 5 im 1ten Stock.

Es liegen zudem ein Spielplan sowie zwei Kartenstapel bereit: der eine Stapel für die Räume, der andere Stapel mit Spezialkarten wie Werkzeug, Spezialisten, Deko oder auch Schindeln fürs Dach (Haus ohne Dach ist ja auch irgendwie doof).

Jede Runde werden nun 5 Spalten mit Karten auf dem Spielplan ausgelegt und zwar immer im Doppelpack: eine Karte für die Räume und eine für das Zusatzmaterial. Ausnahme bildet die erste Spalte auf dem Plan, hierhin kommt nur die Einrichtungskarte. Zu Beginn wird der Startspieler ausgelost, in den Folgerunden erhält den Startspielerstein der Spieler, der sich für eben jene erste Spalte entscheidet und somit eine Karte weniger nimmt. Sollte dies niemand tun, bleibt der akutelle Startspieler es auch weiterhin.

Gespielt wird stets beginnend beim Startspieler Reihum.

Nun gilt es die genommenen Karten möglichst geschickt zu verbauen bzw. einzusetzen, jedoch sind hier einige Regeln zu beachten:

  1. Gebaut darf nur werden, wenn der Raum darunter schon gefüllt ist (soll heißen: die beiden Plätze im Erdgeschoss rechts sind tabu solange der Keller leer ist, auf den drei linken Plätze können von Anfang an genutzt werden).
  2. Viele Räume können aus mehr als einer Karte bestehen (z.B. Wohnzimmer oder auch Schlafzimmer). Ist jedoch deren max. Platzzahl ausgeschöpft, darf angrenzend nicht nochmal der gleiche Raum gebaut werden.
  3. Kellerräume (mit dunkelgrünem Rand) dürfen nur im Keller verbaut werden.
  4. Raumkarten die man nicht verbauen kann oder will, werden einfach auf die Rückseite gedreht und als leere Räume verbaut. Diese bringen am Ende keine Punkte, sind aber bis auf Regel 1 keinen weiteren Einschränkungen unterlegen.
  5. Sobald man einem Raum eine Dekoration beifügt, kann dieser nicht mehr erweitert werden. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass bestimmte Dekorationen nur in die hierfür vorgesehenen Räume eingefügt werden dürfen (z.B. darf die Eismaschine nur in die Küche).
  6. Dachkarten kommen zunächst verdeckt auf den dafür vorgesehenen Platz unter dem Haus und dürfen bis Spielende nicht mehr angesehen werden.

Hinzu kommen noch die Werkzeuge und Spezialisten. Diese werden zunächst beiseitegelegt und entsprechend ihrer Funktion in einer späteren Runde (Werkzeuge) oder zum Ende des Spiels für die Punktevergabe eingesetzt (Spezialisten).

Traumhaus zum Ende des Spiels

Nachdem zwölf Runden gespielt wurden sind die Häuser komplett eingerichtet und können nun bewertet werden. Punkte gibt es für:

  • die einzelnen Räume. Hierbei zählen einzelne Räume abhängig von ihrer Größe (bspw. gibt es für eine Wohnzimmer 1 Punkt für eine Karte, 4 Punkte für 2 und 9 Punkte für 3 zusammenhängende Karten) bzw. ihrer Lage zu anderen Räumen (z.B. bringt der Lagerraum mehr Punkte, wenn er direkt neben einer Küche ist).
  • die Dekoration, soweit korrekt eingefügt.
  • die Hausfunktionalität: 3 Punkte gibt es, falls es auf beiden Etagen ein Bad gibt. Das gleiche gilt für Häuser mit Küche, Bad und Schlafzimmer.
  • das Dach: es dürfen nur vier Dachkarten in die Wertung einfließen. Ist das Dach vollständig und haben alle Schindeln die gleiche Farbe gibt es hierfür ganze 8 Punkte. Für ein komplettes Dach in unterschiedlichen Farben immerhin noch 3 Punkte.

Wer am Ende die meisten Punkte mit seinem vollständig eingerichteten Haus machen konnte gewinnt das Spiel.
 

Mein Traumhaus – Ein Kartenlege- und -sammelspiel (nicht) nur für Mädchen

Was mich bei Mein Traumhaus letztes Jahr in Essen direkt angesprochen hat sind sowohl Thema als auch Optik des Spiels. Mir ist bisher kein Brettspiel bekannt, bei dem es darum geht ein Haus einzurichten. Kartensammel und -legespiele gibt es ja viele auf dem Markt, aber hier kommt dieser Spielmechanismus in einer ganz eigenen und einzigartigen Verpackung daher. Wohl auch ein Grund dafür, dass es in Essen als Geheimtipp galt und vielen Kollegen aus der Blogger-Szene zugesagt hat.

Bei Mein Traumhaus bekommt man nicht jede Runde die Karten, die man gerne hätte und so gilt es stets das Beste aus dem zu machen was die Auslage für einen bereithält. Da macht es auch hin und wieder Sinn auf eine Zusatzkarte zu verzichten um in der nächsten Runde Startspieler zu werden.

Die Zusatzkarten halten aber auch spannende Optionen bereit: Nicht nur sind hier die Dachschindeln versteckt (die in der Richtigen Kombination immerhin 8 wertvolle Punkte bringen), vielmehr gibt es hier auch nette Werkzeuge, die einem in späteren Runden von Nutzen sein können. Die Bohrmaschine erlaubt es beispielsweise Räume aus der eigenen Auslage mit dem Spielplan zu tauschen, der Bohrhammer erlaubt es als erster in der Runde eine Raumkarte zu nehmen ohne Startspieler zu sein.

Die Spezialisten hingegen bringen Zusatzpunkte am Ende des Spiels. So bringt die Architektin 1 Punkt mehr für die Hausfunktionalität und auch “leere” Räume sind bei ihr einen Punkt wert, wohingegen der Lieferant am Ende nochmal erlaubt einen Raum aus dem Haus mit einer Karte aus dem Ablagestapel zu tauschen. So wird ganz schnell aus einem mittleren Wohnzimmer ein großes.

Mir persönlich macht es sehr viel Spaß auf diese Weise das Beste aus der mir angebotenen Kartenauslage zu holen. Und die Tatsache, dass man nicht einfach alles überall im Haus bauen darf wie man will macht das ganze erst so richtig spannend. Ein Blick auf die Auslage der Nachbarn ist auch hier nicht ganz verkehrt. Karten einfach nur zu nehmen um sie den Mitspielern zu klauen ist vielleicht für die eigene Auslage nicht immer sinnvoll, aber wenn ich damit 5 potentielle Punkte klauen kann (wie z.B. beim Wohnzimmer), dann kann sich das bei durchschnittlich 30 – 35 Punkten am Spielende durchaus bemerkbar machen.

Die Karten selbst sind liebevoll gestaltet und halten bis ins kleinste Detail Überraschungen bereit. Hier lohnt sich ein zweiter Blick abseits des eigentlichen Spielgeschehens. Und wer es dann am Ende geschafft hat alle Raumkarten sinnvoll zu verbauen, der darf durchaus stolz auf sein kleines Zuhause blicken. Die Häuser sind aus stabiler Pappe, das gleiche gilt für die insgesamt 10 kleinen Dekorationen.

Für jeden Spieler liegt zudem noch eine kleine Referenzkarte bei, die nochmals die Punktevergabe fürs Spielende bereithält. Auf der Rückseite ist ein kleiner Park abgebildet, der ebenfalls direkt optisch schön neben das Haus gelegt werden kann.

Der Startspielermarker in Form eines Holzhäuschens ist thematisch ebenfalls stimmig gewählt. Hinzu kommt noch der Wertungsblock, der einige Partien lang hält. Mir liegt zwar aktuell nur die englische Version des Spiels vor, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass Pegasus an der Ausstattung etwas verändert hat.

Eines ist jedoch klar: Mein Traumhaus wird Mädchen wohl mehr ansprechen als Jungs. So schlimm ist das aber gar nicht finde ich, denn es gibt meines Erachtens viel weniger Spiele auf dem Markt die thematisch das weibliche Geschlecht ansprechen. Und vielleicht lässt sich ja doch der ein oder andere Bruder oder Sohn zu Mein Traumhaus hinreisen, wenn er erst mal einen zweiten Blick auf die Einrichtung geworfen hat (z.B. Rakete im Spielzimmer).

Mein Traumhaus ist auf jeden Fall ein thematisch ansprechendes und auch sonst sehr spannendes Kartenlege- und -sammelspiel und ich kann es nur jeder Familie mit etwas älteren Mädchen ans Herz legen. Weg mit den abstrakten Kartensammelspielen a la Phase 10 und her mit dem wunderschönen Traumhaus!!
 

Spieleinfo
Alter: 8+
Spieleranzahl: 2 – 4
Spieldauer: 30 min
Verlag: Pegasus/Asmodee
Erscheinungsjahr: 2017
Preis: ~ 25 EUR

Leider ist mein Traumhaus Fachhandels-exklusiv bis 31.7.2017. Soll heißen: ich würde Mein Traumhaus zwar gerne verkaufen, kann aber leider erst Anfang August 2017 das Spiel in meine Spielend einfach Programm aufnehmen. *sniff*

 

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