Da lerne ich erst vor ein paar Wochen das L.A.M.A. von Amigo kennen und prompt wird dieses quietschbunte und supersimple Kartenspielchen, das sich inzwischen einen festen Platz in meiner Spielesammlung erschlichen hat, zum Spiel des Jahres 2019 nominiert … wer hätte das gedacht!

L.A.M.A. könnte das neue UNO werden: einfacher geht es nicht. Dennoch kenne ich inzwischen nicht wenige, die zunächst von der Einfachheit der Regeln überfordert sind 😉

Ein Erklär-Versuch: es gibt Karten mit den Zahlen 1 bis 6. Jede Zahl hat eine eigene Farbe, die eigentlich nur der Ästhetik dient. Auf eine ausgespielte 1 folgt eine 1 oder 2, auf eine 2 eine 2 oder 3 usw. Nach der 6 kommt das Regenbogen-LAMA (sozusagen die 7) und dann geht es wieder bei 1 los — Nein, das Lama ist kein Joker

Und worin liegt da der Sinn? Das kann ja nix Spannendes sein, denn es klingt noch dämlicher als Mau Mau. Keine Karten mit Sonderfunktionen? Nö! Keine Farben? Nö!

Dafür aber böse Minus-Chips und wenn einer 40 Miese hat ist das Spiel zu Ende …

L.A.M.A. – Von 1 bis LAMA und dann wieder von vorne

Aber beginne ich nochmal von vorne: der Stapel mit den L.A.M.A.-Karten wird gemischt und der Haufen mit den bösen Miese-Chips (weiße 1er und schwarze 10er) bereitgelegt. Jeder Spieler erhält 6 Karten eine Karte wird offen in die Mitte gelegt.

Gespielt wird Reihum und wer dran ist hat 3 Möglichkeiten:

  1. Karte spielen (wie bereits oben beschrieben): entweder die gleiche Zahl die bereits liegt oder exakt 1 höher (das LAMA ist die 7). Auf ein LAMA darf dann entweder wieder ein LAMA oder eine 1 gespielt werden.
  2. Karte ziehen ABER nicht gleich ausspielen, selbst wenn sie passt oder
  3. aus der laufenden Runde aussteigen, selbst wenn man noch Karten auf der Hand hat.

Ist der Kartenstapel leer entfällt Option 2 , die bereits ausgespielten Karten werden nicht nochmal gemischt!

Eine Runde kann auf zwei Arten enden: entweder spielt ein Spieler seine letzte Karte von der Hand oder alle Spieler sind ausgestiegen.

Jetzt erhält jeder Minuspunkte (Chips) für die Karten auf der Hand: dabei zählt aber jeder Wert nur 1 Mal. D.h. jemand mit drei 4en und zwei 5en erhält nur 9 Minuspunkte. Das LAMA liefert direkt einen schwarzen Chip (10 Punkte). Für 3 Lamas gibt es aber auch nur 10 Minuspunkte.

Ist man in der Lage, in einer Runde alle Karten aus der Hand zu spielen, darf man zur Belohnung einen Chip wieder abgeben … das darf dann auch ein schwarzer sein! Es ist somit auch jederzeit erlaubt 10 weiße gegen einen schwarzen Chip einzutauschen.

Sobald ein Mitspieler 40 Punkte gesammelt hat, ist das Spiel vorbei und derjenige mit den wenigsten Miese hat L.A.M.A. gewonnen.

L.A.M.A. Spielmaterial

L.A.M.A. – Ich steig dann mal aus 😉

L.A.M.A. hätte auch gut den Untertitel “Das LMAA-Spiel” 😉 tragen können. Denn diesen einen LMAA-Moment erlebt so ziemlich jeder, wenn er L.A.M.A. spielt. Einer nach dem anderen steigt aus und man selbst hat noch einen Berg Karten auf der Hand – am besten eine große Straße, bei der nur eben diese EINE verf***** Karte fehlt, um sie komplett auszuspielen. Und WUMMS: Miese ohne Ende!

L.A.M.A. ist ganz klar ein Glücksspiel. Aber eines bei dem man sich so richtig freut, wenn man alle Karten loswird und damit am besten auch gleich einen dieser ungeliebten schwarzen Chips. Und sich in gleichem Maße in den Hintern beißen könnte, dass man nicht schon drei Runden vorher mit wenigen Punkten auf der Hand ausgestiegen ist und stattdessen wie Depp nochmal Karten gezogen hat.

Diese eine fiese Sache gibt es nämlich doch und macht für mich den GROSSEN Unterschied zu Spielen wie z.B. UNO: ziehst Du eine Karte musst Du eine ganze Runde warten bis Du wieder dran bist und dann liegt da anstatt der erhofften 5 schon wieder eine 1 und Du hast nur 6en und Lamas auf der Hand.

Gerade in großen Runden gilt es zudem den Kartenstapel im Blick zu behalten. Da dieser nicht wieder neu gemischt wird, zeichnet sich mit dessen Schmelze auch das Ende der Runde ab. Und wer da nochmal kräftig zulangt steht ebenso schnell mit einer großen Kartenhand da, die er nicht mehr loswird. In manchen Runden wird so ein schier endlos dauerndes Ziehduell zweier Kontrahenten abrupt beendet … und alle anderen am Tisch freuen sich hämisch.

L.A.M.A. kann aber auch ganz schnell vorbeisein. Unser Rekord liegt bei 2 Runden. Da hatte einer am Tisch aber mal so richtig viel Pech und der Rest hat grinsend ein paar Minus-Pünktchen in Kauf genommen. Eigentlich ist L.A.M.A. ein Spiel für Pokerface-Experten. Besonders dann, wenn man unpassende Karten nachzieht … nur gelingt es fast keinem.

Das L.A.M.A. von Amigo ist vermutlich das offensichtlich einfachste Spiel in meiner Sammlung. Grundsätzlich bin ich ja kein Fan diese Art Spiele, die auf den ersten Blick so wirklich sinnlos erscheinen und hätte mir vor ein paar Monaten jemand was vom Lama erzählt, hätte ich dankend abgewunken. Aber hinter der offensichtlich reißerischen Fassade steckt doch mehr und deshalb gehört das LAMA für mich eindeutig auf die Liste der besten Absacker 2019 und noch definitiver ins Urlaubsgepäck.

Denn wenn man erstmal an der Oberfläche gekratzt hat, dann eröffnen sich tatsächlich ein paar kleine taktische Möglichkeiten. Die gehen zwar nicht immer auf, aber sie machen es doch spannend. Den richtigen Moment zum Aussteigen zu finden ist der eine Aspekt. Aber auch die richtige Karte zu spielen. Denn nicht immer macht es Sinn eine ausliegende Zahl zu bedienen, sondern vielleicht tatsächlich eine Zahl höher zu spielen. Mehrmals die gleiche Karte auf der Hand bringt nur einfach die Minuspunkte … dies sollte man stets im Hinterkopf behalten.

Nach nur 3 Wochen sind meine Karten inzwischen schon so speckig und abgegriffen wie es zuletzt bei Wizard vor 20 Jahren der Fall war. Wenn das kein Qualitätsmerkmal ist, was dann?! L.A.M.A. geht immer, auch mal zwischen zwei längeren Spielen oder danach oder davor oder eben mal einfach so nebenbei: im Urlaub, im Freibad, im Café ….

L.A.M.A. wurde letzte Woche zum Spiel des Jahres 2019 nominiert. Vergleicht man das Spiel mit seinen Vorgängern, geht der Trend scheinbar immer mehr in Richtung kurz und einfach. Tatsächlich spiegelt sich dieser Trend in der kompletten Liste der nominierten und empfohlenen Spiele 2019 wieder: neben den anderen beiden Kandidaten Just One (Repos) und Werwörter (Ravensburger) zeichnen sich auch Dizzle, Krasse Kacke, Belratti und selbst Sherlock durch ein einfaches und leicht zugängliches Regelwerk aus.

Es wird aber auch wieder Kritik geben, sollte L.A.M.A. tatsächlich Spiel des Jahres werden und zwar von allen Seiten: den Kritikern, den Vielspielern, den Gelegenheitsspielern und auch solchen, die nur 1x im Jahr genau dieses EINE Spiel des Jahres kaufen und dann was anderes erwarten, weil sie nicht wissen, dass es da noch sooooo viel mehr zu entdecken gibt.

Tatsächlich bin ich ausnahmsweise mal für das LAMA. Mit Codenames war erst 2016 ein Wörterspiel Spiel des Jahres und ich glaube es ist tatsächlich mal wieder an der Zeit für ein „einfaches“ Kartenspiel. In der Hoffnung, dass dadurch wieder ganz viele Menschen an das Spiel als Freizeitbeschäftigung herangeführt werden, die in den letzten 10 Jahre mehr Zeit vor Fernseher, PC, Tablet, Konsole und Smartphone verbracht haben.

Eben weil es so einfach ist drauf loszuspielen ohne lange Regelerklärungen und weil es dank seiner bunten Gestaltung und dem frechen Lama auf dem Cover auch sehr einladend rüberkommt. Und wer dann doch etwas mehr Spieltiefe sucht, der sei an das Kennerspiel verwiesen und dort explizit an Flügelschlag – meinem persönlichen Lieblingsspiel 2019.

Spieleinfo:

  • Alter: 8+
  • Spieleranzahl: 2 – 6
  • Spieldauer: 20 min
  • Verlag: Amigo
  • Erscheinungsjahr: 2019

Das L.A.M.A. sowie weitere nominierte und empfohlene Spiele findet ihr bei spielend einfach in Breisach. Erst spielen, dann kaufen!

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