Auf der letzten SPIEL in Essen habe ich auch das ein oder andere kleinere Würfelspiel unter die Lupe genommen, da ich immer wieder auch auf der Suche nach Spielen bin, die man einfach so in die Tasche stecken kann und die keine Kartenspiele sind. Harvest Dice von hat mir in Essen schon richtig gut gefallen und ich hatte es auf meine interne Merkliste für dieses Jahr gesetzt.

Nun liegt Würfelgemüse dank dem kleinen polnischen Verlag Board & Dice und der Unterstützung von Board Game Circus auch in deutscher Version vor und findet hoffentlich viele Fans. Denn es ist bestens für die bevorstehende warme Sommersaison geeignet – ein kleines, handliches Roll & Write Spiel, das ansprechend gestaltet mit kleinen taktischen Entscheidungen gespickt ist. Denn entweder man pflanzt und erntet Gemüse oder füttert das Schweinchen

Und nur vorweg: das im folgende oft genannte Schweinchen heißt offiziell Ferkel, aber irgendwie find ich Schweinchen passender und süßer 🙂
 

Würfelgemüse – Gemüse anbauen oder Schweinchen füttern?

Würfelgemüse kommt mit 9 Würfeln in den Farben orange, grün und rot daher. Hinzu kommen zwei Wertungsblöcke mit jeweils einem Garten (6 Spalten und 3 Zeilen groß), einem Schweinebereich (6×7 kleine Kreise umfassend) sowie 3 Marktkarren für Möhren, Salat und Tomaten und dem Wertungsbereich für die Endabrechnung. Für die Markierung der einzelnen Bereiche liegen noch 4 kleine Bleistifte bereit, sowie ein Schweinchen-Startmarker.

Nachdem jeder Mitspieler ein Wertungsblatt samt Stift erhalten hat, wirft der Startspieler ALLE Würfel und legt diese in der Mitte des Spieltischs als Vorrat bereit (am besten nach Würfelfarbe sortiert).

Reihum darf von nun beginnend beim Startspieler ein Würfel gewählt und verwendet werden. Hierzu bieten sich zwei Möglichkeiten: entweder Gemüse einpflanzen oder ans Schweinchen verfüttern.

  1. Gemüse einpflanzen:
    Die Zahl auf dem Würfel gibt die Spalte vor, in der das Gemüse eingepflanzt werden darf, die Zeile ist frei wählbar. Die Farbe bestimmt die Gemüsesorte: mit orangen Würfeln pflanzt man Möhren, mit grünen Salat und mit roten Tomaten.
    Wurde bereits eine Gemüsesorte gepflanzt, darf das nächste Gemüse dieser Sorte nur orthogonal benachbart dazu eingepflanzt werden, vorausgesetzt das entsprechende Feld ist noch frei.
    Entscheidet man sich für das Einpflanzen, zeichnet man in das passende Feld das entsprechende Gemüse. Für unbegabte Zeichner sieht die Regel sehr einfache Symbole vor: Möhren als Dreieck, Tomaten als Kreis und Salat als Viereck. Wer will kann diese auch beliebig verziert ausgestalten.
  2. Schweinchen füttern:
    Kann man das gewählte Gemüse (=Würfel) nicht regelkonform einpflanzen, so wird dieses an das Schweinchen verfüttert. Entsprechend der Augenzahl werden Kreise im Schweinchenfeld markiert.
    Erreicht man das Ende einer Schweinchenzeile steht ein Bonus zur Verfügung, der ab sofort jederzeit genutzt werden kann: für jede volle Schweinchenzeile kann einmalig die Würfelzahl um 1 nach oben oder unten korrigiert werden (ein Wechsel von 6 auf 1 oder andersrum ist jedoch nicht erlaubt). Wurde der Bonus benutzt, wird dies am Ende der Schweinchenzeile markiert.

Würfelgemüse - Endstand

Im Spiel zu viert erhält jeder Mitspieler pro Runde 2 Würfel, im Spiel zu dritt die ersten beiden drei Würfel, der dritte nur zwei. Der letzte Würfel pro Runde wird nämlich benötigt um den Marktwert der gleichen Gemüsesorte zu steigern. Hierzu wird im passenden Marktkarren ein Feld markiert.
Danach wandert das Startspieler-Schweinchen einen Spieler weiter und dieser würfelt nun mit allen Würfeln und beginnt somit eine neue Runde.

Sobald ein Spieler sein komplettes Beet bepflanzt oder das Schweinchen überfüttert hat oder ein Marktkarren komplettiert wurde, wird die aktuelle Runde noch zu Ende gespielt und anschließend gewertet:
jedes angebaute Gemüse wird mit seinem Marktwert (= markierte Felder im passenden Marktkarren) multipliziert. Hinzu bekommt man für jede vollständig bepflanzte Beetreihe 5 Punkte. Und auch für das Schweinchen gibt es Punkte: je mehr es zu fressen bekommen hat, desto mehr. Maximal jedoch 15 Punkte.

Der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt Würfelgemüse.
 

Würfelgemüse – Kleines Familienspiel für Zwischendurch und Überall

Würfelgemüse ist sicherlich kein abendfüllendes Spiel, sondern eher ein kleiner, genüsslicher Happen für Zwischendurch … und das ist auch gut so. Hier passen Spielinhalt, Spieltiefe und Dauer wirklich wunderbar zusammen und so ist Würfelgemüse perfekt für Familien geeignet, die mal was anderes als z.B. UNO ausprobieren wollen.

Die Regeln sind einfach und schnell erklärt und dank der Übersicht auf den Spielplänen findet sich auch jeder Mitspieler relativ schnell zurecht. Trivial ist Würfelgemüse dennoch nicht, denn es geht ja nicht nur darum für sich selbst das Beste rauszuholen.

Würfelgemüse ist – wie übrigens Azul auch – ein Spiel mit sogenannter perfekter Information: jeder Spieler am Tisch kennt zu jeder Zeit alle Optionen der Mitspieler. Daraus lässt sich so manche Taktik ableiten. Gerne nimmt man einen hohen unpassenden Würfel, um ihn an das Schweinchen zu verfüttern, wenn man damit den Mitspielern auch noch einen passenden Würfel vor der Nase wegschnappt.

Der Schweinchenbonus ist dazu auch nicht ganz unwichtig: denn nur, wer dann und wann die Würfelaugen zu eigenen Gunsten manipulieren kann, hat am Ende die Nase vorn und ist nicht ganz der Willkür der Würfel und der Arglist der Mitspieler ausgesetzt. So muss man bei jedem Zug die Entscheidung treffen, welchen Würfel man wählt, um das Beste für sich selbst herauszuholen ohne den Mitspielern eine Vorlage zu liefern. Das kann durchaus tricky sein … ist aber immer noch wunderbar familientauglich.

Das Spielelement mit dem “abwechselnd Würfel aussuchen” wird übrigens Dice-Drafting genannt und findet sich hauptsächlich in Kenner- und Expertenspielen. Schön zu sehen, dass er hier tatsächlich auch mal in einem einfacheren Familienspiel zum Einsatz kommt. Das könnte ich mir auch mal in einem Kinderspiel vorstellen. Wer Ideen hat, nur zu … das Spiel findet bei mir garantiert ein Plätzchen.

Die Regeln sind übersichtlich gestaltet und mit einigen Beispielen versehen. Aber eigentlich sind die Regeln von Würfelgemüse auch so simpel, dass man die Anleitung nur 1x gelesen haben muss. Der Rest (insbesondere für die Endwertung) ist sehr gut auf den Spielplänen platziert.

Würfelgemüse liefert gleich zwei Blöcke à 100 Blatt, einer davon für die Spielvariante: hier kann der Schweinchenbonus auch genutzt werden, um die Farbe des Würfels zu ändern. Außerdem erhält derjenige Spieler, der dem Schweinchen am meisten zu futtern gegeben hat noch 5 Extrapunkte. Das gleiche gilt für den Spieler mit den meisten angebauten Möhren, Salaten und Tomaten.
In der Regel finden sich diese Zusatzerläuterungen an einzelnen Stellen in blauen Kästchen wieder, das hätte ich mir konsolidiert am Ende der Regel gewünscht. So wie man das von zig anderen Spielen bereits gewohnt ist. Schade auch, dass man die Chance nicht genutzt hat, die Variante jeweils auf die Rückseite zu drucken … hätte Platz und Papier gespart. Auch die Box ist rechteckig und nicht quadratisch, wie noch im englischen Original.

Alles in Allem gefällt mir die Aufmachung sowie das Material von Würfelgemüse aber wirklich gut. Die Grafik ist putzig und etwas verspielt, die Stifte sind dabei und die Würfel sind zwar klein, aber passend. Das einzige echte Manko sind die Würfelfarben: in dämmrigem Licht lassen sich die orangen und roten Würfel nicht gut auseinanderhalten. Das scheint aber ein produktionstechnisches Grundproblem zu sein, das wir ja bereits aus anderen Spielen kennen.

Würfelgemüse
kann man in allen Besetzungen ganz gut spielen, auch wenn man in 3er-Runden in Kauf nehmen muss, dass der letzte einen Würfel weniger bekommt (da ja stets ein Würfel für den Markt übrigbleibt). Das wirkt irgendwie ungelenk ist aber nicht wirklich unfair, da der Startspieler ja von Runde zu Runde wechselt.
Beim Verfassen dieses Beitrags ist mir übrigens erst aufgefallen, dass ich bis dato die 2-Personen Variante übersehen hatte. Hier spielt man nur mit 6 Würfeln (2 pro Farbe). In dieser Variante bekommt der jeweilige Startspieler sowohl 3 Würfel und entscheidet zudem über die Entwicklung des Marktes. Das würde auch erklären, warum bei meinen 2er-Partien regelmäßig sowohl das Beet als auch der Schweinchen-Bereich komplett gefüllt waren. Hier habe ich also noch Nachholbedarf.

Dank der ansprechenden Aufmachung hat eigentlich jeder Lust bei Würfelgemüse mitzumischen. Auch meine erst 6-jährige Tochter weiß schon ganz gut, wie man Würfelgemüse spielt … auch wenn ab und zu geschummelt wird, um zu gewinnen. Wir bleiben dran und ich hoffe bis zum Ende des Sommers wird auch sie bereit sein Würfelgemüse regelkonform zu spielen.

Denn eines ist sicher: Würfelgemüse wird sich dieses Jahr immer wieder in der Tasche finden. Ob im Freibad, Restaurant oder bei Oma zu Besuch.

Vielen Dank an Board & Dice und die Kollegen von Board Game Circus für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Würfelgemüse!

 
Spieleinfo
Alter: 8+ (6+)
Spieleranzahl: 2 – 4
Spieldauer: max. 30+ min
Verlag: Board & Dice
Erscheinungsjahr: 2018

Würfelgemüse könnt ihr auch bei Spielend einfach in Breisach erwerben. Einfach mal reinschauen und ausprobieren!

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