Einfache Kartenspiele, die schnell zu erlernen und ebenso schnell gespielt sind, auch die muss es geben. Sushi Go, 2014 bei Zoch erschienen, ist ein solch schnelles, einfaches Kartenspiel und wird von mir nicht ohne Grund als Alternative zu Phase 10 genannt.

2016 kam in Amerika Sushi Go Party auf den Markt, das nun auch hierzulande ebenfalls bei Zoch erschienen ist. Sushi Go Party bietet dabei den von Sushi Go bekannten Spielemechanismus, allerdings mit mehr Karten, mehr Abwechslung, einem Spielbrett und einer (leider) unglücklichen Verpackung. Doch hierzu am Ende mehr. Denn das Spiel an sich gefällt mir in dieser neuen Variante ausgesprochen gut, denn mehr Karten und mehr Auswahl sind immer besser als weniger.
 

Sushi Go Party – Karten auswählen und losspielen

Genau wie sein Vorgänger ist Sushi Go Party ein leicht zugängliches Kartenspiel, das schnell erklärt und gespielt ist. Jedoch muss in diesem Fall tatsächlich ein wenig Aufbau erfolgen, bevor es richtig losgehen kann.

Das Spielbrett wird in die Mitte platziert. Hierauf können im Spielverlauf die gesammelten Punkte pro Spieler mit Hilfe einer Soja-Flasche vermerkt werden. Zusätzlich bietet es aber auch Hilfestellung für den weiteren Aufbau, denn in jedem Spiel dürfen nur eine bestimmte Anzahl Sushi-Sorten mitspielen und diese werden hier am Rand platziert: die Nigiris (bekannt aus Sushi Go) sind immer mit von der Partie, hinzu kommen eine Sorte Makis, zwei sogenannte Specials, drei Appetizer und zum Schluss noch ein Dessert.

Ist die Auswahl getroffen kommen die passenden Menükarten seitlich ans Spielbrett, so dass jeder Mitspieler jederzeit sehen kann, welche Sushis in der aktuellen Partie mitspielen und welche Punktebedingungen gelten. Denn das ist Ziel bei Sushi Go Party: möglichst viele Punkte durch geschickte Kartenkombinationen sammeln.

Kartenauslage Sushi Go Party
 

Zu Beginn werden alle Sushi-Karten bis auf die Desserts gemischt. Abhängig von der Spielerzahl und der aktuellen Runde wird danach noch ein Teil der Dessert-Karten untergemischt.
Nachdem alle Mitspieler ein paar Karten bekommen haben (auch dies hängt von der Teilnehmerzahl ab) kann es losgehen.

Sushi Go Party Runden spielen sich sehr einfach und schnell: eine Karte auswählen, zunächst verdeckt auslegen und den Rest an den Nachbarn zur Rechten weiterreichen (auch Drafting genannt).

Haben alle Spieler eine Karte gewählt, werden die Karten umgedreht und eventuelle Sonderfunktionen kommen zum Tragen. Ansonsten werden sie einfach offen vor den jeweiligen Mitspielern ausgelegt und der nächste Kartenstapel genommen. Dann beginnt das ganze Spielchen von Vorne und zwar solange, bis alle Karten offen ausgespielt wurden.

Am Ende der Runde gibt es für die gesammelten Sushis Punkte. Mal gibt es Punkte pro Karte, mal Punkte abhängig von der Kartenzahl. Es kann auch Minuspunkte geben, wenn man z.B. nur eine Karte von einer Sorte sammeln konnte oder evtl. auch drei. Jede Sushi-Sorte wird anders gewertet!

Die erreichten Punkte werden auf dem zentralen Spielplan vermerkt, alle Karten bis auf die Desserts werden wieder zusammengemischt inklusive neuer Dessertkarten und die nächste Runde beginnt.

Nach drei Runden ist Schluss und nachdem auch noch die Dessert-Karten ausgewertet wurden gewinnt der Spieler, dessen Soja-Flasche am weitesten vorne auf dem Shushi-Band steht.
 

Sushi Go Party – Schönes, schnelles Spiel … unglücklich verpackt

Mechanismus und Thema passen bei Sushi Go Party wie bereits beim Vorgänger ganz wunderbar zusammen: ich bekomme stets neue Karten auf die Hand und darf davon eine wählen … da sehe ich schon Parallelen zu einem echten Sushi-Laden, wo auf dem Band ständig neue Leckereien an mir vorbeifahren und ich immer wieder beherzt zugreifen darf.

Die Karten sind bunt und witzig gestaltet, die Grafik ist optisch ansprechender als noch beim Vorgänger. Auch gefällt mir die Regeländerung, dass die Desserts erst nach und nach ins Spiel kommen … eine deutliche Verbesserung im Vergleich zum Original und ebenfalls thematisch stimmiger (denn wer will schon das Dessert zu Beginn des Spiels).

Bei Sushi Go Party werden die Karten jetzt nach jeder Runde neu gemischt, das fühlt sich auch anders an als bei Sushi Go. Da wurde ein Kartenstapel durchgespielt, d.h. man konnte bzw. musste sich auch ein wenig merken, welche Karten bereits in Vorrunden in großen Mengen aus dem Spiel genommen wurden und evtl. nicht mehr wert waren gesammelt zu werden. Hier ist jede Runde theoretisch identisch, zumindest was die Kartenverteilung angeht (bis eben auf die Desserts).

Besonders gefällt mir jedoch, dass ich jetzt (fast) frei ein Menü aus verschiedenen Karten zusammenstellen kann und so bei jedem Spiel andere Schwerpunkte und auch Strategien zum Kartensammeln setzen kann.

Dabei ist die Auswahl der Sushis nicht gerade klein: neben den Nigiris (die ja immer mitspielen) gibt es 3 Maki-Sorten, 9 Specials, 9 Appetizer, und 3 Desserts, von denen immer nur ein Bruchteil je Spiel ausgewählt wird. Da kann man oft spielen, bis man alle Kombinationen durchhat, auch wenn einige Karten-Kombinationen durchaus interessanter sind als andere. Die Regel bietet für den Einstieg acht verschiedene Varianten u.a. für Einsteiger, erfahrene Spieler, Punktesammler und Interaktions-Liebhaber.

Bei Sushi Go gab es auch fast nur Pluspunkte zu holen, mal mehr mal weniger und nur die Desserts schlugen negativ zu buche. Jetzt sind auch Sushi-Arten dabei, die einen unachtsamen Spieler fette Punkte kosten können. So bringt einem z.B. der Aal alleine 3 Minuspunkte, sind es zwei, gibt es stattdessen 7 Punkte plus. Tofu bringt im Doppelpack schöne 6 Punkte, sobald man aber mehr hat keinen einzigen. Da können einem die Mitspieler schon ganz schön das perfekte Menü verhunzen.

Aber auch andere Karten wie die Bento Box (mit der man z.B. unliebsame Tofus umdrehen kann) oder auch die Miso-Suppe, die man nur behalten darf, wenn man sie als einziger ausspielt, sind interessante neue Karten. Auch ist der Interaktionsgrad durch einzelne Karten erhöht. So kann man mit dem Löffel eine bestimmte Karte von seinen Mitspielern einfordern.

Der Spielplan bietet immer einen guten Überblick über die aktuellen Karten sowie den Punktestand (ebenfalls ein großes Plus gegenüber dem Wertungsblock) und den Spielaufbau (wer bekommt wie viele Karten abhängig von der Spielerzahl). Da muss man eigentlich nie wieder einen Blick in die Regel werfen. Und wer doch mal Fragen zu einer Sushi-Sorte hat, der findet zu jeder Karte eine detaillierte Erläuterung.

Es gibt aber auch Schwächen, die weniger dem Spiel als vielmehr der Verpackung geschuldet sind. Was mir direkt beim Auspacken ins Auge gestochen ist, ist die seltsame Einsatz zur Kartenaufbewahrung. Die Karten werden schräg aufbewahrt, die Rinne in der Mitte hat gar keine Funktion und es hat eine Weile gedauert, bis ich eine vernünftige Ordnung in die Karten bekommen habe. Die Regel liefert hier null Hilfestellung, da steht einfach nur: „Sortiert vor dem ersten Spiel alle Karten in die Fächer des Boxeinsatzes.“ Suuuuuper!

Man hätte sich ein Vorbild z.B. Dominion nehmen können, wo alle Karten ihren fest definierten Platz habe. Zudem hätte die Box halb so groß ausfallen können. Da täuscht die Optik doch ganz schön. Warum man da nicht näher am englischen Original geblieben ist, ist wahrlich nicht nachvollziehbar. Eine Spielschachtel in Café Fatal Größe (ebenfalls von Zoch) hätte es auch getan, da hätte man den Spielplan dann falten müssen … so what! Auch wenn ich nicht die Meinung anderer Rezensenten auf bekannten Verkaufsportalen teile, die dem Spiel dafür nur 1 von 5 Sternen geben, denn das tut dem Spiel an sich schon ziemlich unrecht.

Theoretisch kann man Suhi Go Party zu acht spielen, Suhsi Go nur zu fünft. Da die Spieldauer ziemlich Spielerzahl unabhängig ist (bis auf die Endabrechnung) eignet es sich daher wunderbar auch für größere Runden, auch wenn bei mir persönlich bei 6 Personen Schluss ist. Bei acht Leuten hat man einfach keinen Überblick mehr und theoretisch beschäftigt man sich ja meist nur mit der eigenen Auslage und noch der des Folgespielers, um diesem gegebenenfalls eine Karte wegzumopsen. Zu viert sollte man aber auch sein, damit es richtig Spaß macht und auch wenn Sushi Go Party theoretisch zu zweit gespielt werden kann, würde ich hier stets anderen Spielen den Vorzug geben.

Wer Suhi Go mag, der wird Sushi Go Party lieben, denn hier hat man einfach die Möglichkeit die Karten immer wieder neu zusammenzustellen und kann auch immer wieder neues ausprobieren. Und durch die einfachen Regeln und die kurze Spieldauer kann man sicherlich auch den ein oder anderen Spielemuffel für eine Partie gewinnen. Außerdem eignet es sich auch hervorragend für größere Gruppen und wird deshalb auch in meiner Spielegruppe regelmäßig auf den Tisch kommen, da sind wir nämlich gerne mal zu sechst oder siebt.

Und auch wenn ich an der Verpackung Kritik üben musste, so kann ich Sushi Go Party nur empfehlen. Ein leicht zu erlernendes Kartenspiel, das wirklich schnell gespielt ist und immer wieder Spaß macht. Zack, zack, zack – fertig!
… Und für Unterwegs habe ich dann ja immer noch mein altes Sushi Go

Vielen Dank an Frau Heiss von Heiss-Marketing für die Bereitstellung eines Rezensions-Exemplars im Namen von Zoch!
 

Spieleinfo
Alter: 8+
Spieleranzahl: 2 – 8 (meiner Meinung nach 3 – 6)
Spieldauer: 30 min
Verlag: Zoch
Erscheinungsjahr: 2017

Sushi Go Party könnt ihr auch bei Spielend einfach in Breisach antesten. Einfach mal reinschnuppern und beraten lassen!

One thought on “Sushi Go Party – Mehr Abwechslung am Sushi-Band

  1. Hallo Diana, ich war Anfang Juli ein paar Tage am Bodensee (u. a. Besuch im Ravensburger Spielemuseum), da hab ich dort in einer Spielwarenhandlung das Spiel rumliegen sehen und aufgrund deiner Empfehlung mal eingepackt.

    Ich hab das Spiel selber noch nicht gespielt und auch wenn dem Spiel selber damit Unrecht getan wird, ist die Kritik an der Verpackung durchaus angebracht. Streng genommen hätte die Verpackungsgröße wahrscheinlich auf 1/4 der jetzigen reduziert werden können. Als noch negativeres Beispiel fällt mir da Gaia von Asmodee ein, bei welchem es noch offensichtlicher ist, dass die Verpackung hier lediglich nur zu knapp 25% ausgenutzt wird. Da dachte ich am Anfang sogar, dass da etwas fehlt.

    Große Spielverpackungen sollen gehaltvolle Spiele suggerieren, weshalb die Verpackungen oftmals überdimensioniert sind. Die Brettspielverlage tut sich meiner Meinung nach mit dieser Veröffentlichungspolitik aber keinen Gefallen. Platz ist für jeden passionierten Brettspieler ein wertvolles Gut und jeder kommt irgendwann an den Punkt wo dieser einfach knapp wird und Käufe alleine aufgrund des Platzmangels gut überlegt sein wollen. Dabei behaupte ich, dass in fast jeder Spielesammlung der Platzbedarf um 30% bis 50% reduziert werden könnte, wenn die Spieleverpackungen einfach angemessener an den Inhalt angepasst wären. Dazu gesellt sich ja auch eine ökologische Frage. Ich bin jedenfalls auch nur wenig begeistert, wenn eine Verpackung zu Großteilen mit Luft gefüllt ist.

    Auf das Spiel freue ich mich aber trotzdem. 😉

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