In den letzten Jahren finden immer mehr Spiele aus dem asiatischen Raum ihren Weg auf deutsche Spieletische. Oft handelt es sich hierbei um Spiele mit einfachen Regeln und wenig Material, die besonders gut als Familienspiele geeignet sind und dennoch ein wenig strategisches Gespür erfordern.

Sheep & Thief ist eines jener Spiele, die basierend auf dem Original vom Pegasus Verlag für eine Neuauflage optisch aufgepeppt und um Regelvarianten erweitert wurde. Die Packung lässt ein einfaches Familienspiel erwarten, dass es eigentlich auch ist. Doch ganz so harmlos wie es auf den ersten Blick scheinen mag ist es dann doch nicht: der Fuchs geht um und schnell sammeln sich eigene Schäfchen ganz unverfroren auf der gegnerischen Schafskoppel.
 

Sheep & Thief – Schafe sammeln und (be-)hüten

Wer bei Sheep & Thief die Nase vorn haben will, muss geschickt Karten ausspielen, Schafe sammeln und Wege bauen, um am Ende die meisten Punkte zu ergattern.

Der Aufbau ist recht schnell erfolgt:
Jeder Spieler erhält einen Landschaftsplan auf dem ein Raster bestehend aus 4×4 Feldern aufgezeichnet ist. Hinzu eine Startkarte (Hofkarte), die in die linke obere Ecke platziert wird. Auf dieser wird eines der netten Holzschäfchen platziert und bildet somit den Beginn der eigenen Schafsherde. In die untere Hälfte des Spielplans setzt jeder Mitspieler einen Fuchs. Die restlichen Schafe werden zentral als Vorrat platziert. Zudem erhält jeder Mitspieler noch eine Schafskoppel, die er neben dem eigenen Spielplan platziert.

Ein Spiel Sheep & Thief geht über mehrere Runden, in denen zunächst Karten gewählt und danach ausgespielt werden. Die Karten zeigen Schafe, Hunde, Füchse, Wege und Flüsse, die alle im Laufe des Spiels und für die Endwertung von Bedeutung sind.

Jede Runde teilt sich in zwei Phasen:

  1. Die Kartenphase:
    Jeder Spieler erhält 5 Karten, von denen er eine auswählt. Die restlichen Karten werden verdeckt an den linken Nachbarn weitergegeben. Dann werden erneut Karten von den verbliebenen 4 Karten ausgewählt. Dieses Auswahlverfahren (auch Drafting genannt) wird so lange fortgeführt, bis alle Karten verteilt sind.
  2.  

  3. Die Legephase:
    Beginnend beim Startspieler wird eine Karte auf dem Spielplan ausgelegt. Dabei gibt es einige Regeln zu beachten:

    • Karten dürfen nur angrenzend an bereits vorhandene Karten gelegt werden.
    • Flüsse müssen fortgesetzt werden.
    • Der Fuchs blockiert frei Felder. Wo er steht dürfen keine Karten ausgelegt werden.

    Sobald eine Karte gelegt wurde, kommen die darauf abgebildeten Tiere zum Einsatz:

    • Schafe: der Spieler bekommt die entsprechende Anzahl Schäfchen und darf diese auf die soeben gelegte Karte stellen.
    • Hunde: pro Hund dürfen alle Schafe von einer Karte auf eine benachbarte Karte verschoben werden.
    • Füchse: pro abgebildetem Fuchs muss sich der Fuchs auf dem Spielplan um ein Feld weit bewegen. Dabei bewegt sich der Fuchs nicht nur auf dem eigenen Spielplan, sondern auf allen anderen Spielplänen ebenfalls.
      Befinden sich auf den Zielkarten Schafe, so werden diese eingesammelt: eigene Schafe wandern zurück in den Vorrat, fremde Schafe auf die eigene Schafskoppel. Ausgenommen hiervon sind Karten mit Stall: Schafe auf Stallkarten sind geschützt und können von Fritz dem Fuchs nicht geklaut werden.

Manche Karten zeigen mehrere verschiedene Tiere. In diesen Fällen dürfen die Spieler entscheiden welche Aktion sie zuerst wählen.

Die Karten werden der Reihe nach gespielt, d.h. immer eine Karte, dann kommt der nächste Spieler dran. Eine Runde endet, nachdem alle Spieler 4 Karten ausgespielt haben.
Für die nächste Runde werden nun jedem Spieler 4 neue Karten ausgeteilt (die letzte Karte aus der Vorrunde verbleibt auf der Hand) und es geht wieder mit Phase 1 los. Jedoch werden die Karten diesmal gegen den Uhrzeigersinn weitergereicht.

Nach drei Runden ist Schluss und es werden alle Schäfchen, Wege und Flüsse gewertet:

  1. Jedes Schaf auf dem Spielplan und der Koppel bringt einen Punkt
  2. Jeder ununterbrochene Verbindung, die von der Startkarte zu einem der Städte auf dem Spielplanrand führt ist 5 bzw. 10 Punkte wert (hiervon gibt es übrigens jeweils zwei!).
  3. Flüsse sind umso mehr wert, je länger sie sind. Dabei zählt jeder durchgängige Fluss einzeln. So zählen z.B. Flüsse bestehend aus 3 Karten 5 Punkte, Flüsse bestehend aus 6 Karten 15 Punkte.

Der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt und wird Power-Schäfer 😉
 
Sharp &Thief von Pegasus
 

Sheep & Thief – die Sache mit dem schwarzen Schaf

Sheep & Thief ist im Kern ein Kartenspiel, das aber auch einen Spielplan für jeden Spieler mitliefert und damit ein nicht ganz zu unterschätzendes Element. Denn wer genau mitgezählt hat wird feststellen, dass nicht alle Felder im Laufe des Spiels mit Karten befüllt werden – 3 Felder auf dem Landschaftsplan bleiben zu Spielende frei, und das können die drei entscheidenden sein.

Sheep & Thief
bietet trotz einfacher Regeln sehr verschiedene Strategien. Die Wege zu den Städten werden mit z.T. sehr vielen Punkten belohnt. Da ist es schwer mit Schäfchen gegenzuhalten. Aber immer an die passenden Wegekarten zu kommen ist gar nicht so einfach, besonders wenn die Mitspieler aufpassen. Eine große Flusslandschaft ist auch nicht zu verachten, aber hier gilt das gleiche. Wer gezielt den Fuchs einsetzt, kann den Gegnern ganz schön viele Schafe klauen, vorausgesetzt, diese sind nicht durch Ställe geschützt.

Besonders gut gelungen finde ich die Balance zw. Solitär- und Interaktionsspiel. Durch die Auswahl der Karten in der ersten Phase ist man stets gezwungen auch einen Blick auf die Auslage der Mitspieler und deren potenziellen Pläne zu werfen. Beim Draften kommt es auch immer darauf an Gegnern Karten vorzuenthalten. Der Fuchs bewegt sich auf allen Spielplänen gleichzeitig. Oft ist man daher gewillt ein bis zwei eigene Schäfchen zu opfern, wenn man dafür bei den Mitspielern ordentlich absahnen kann.

Wer Sheep & Thief einige Male gespielt hat und der Meinung ist, alle Strategien zur Genüge ausprobiert zu haben, für den liefert das Spiel direkt noch zwei Erweiterungen mit, die entweder einzeln oder kombiniert eingesetzt werden können:

  1. Die Missionen teilen jedem Spieler ein Geheimziel zu, das zum Ende noch Extrapunkte liefert. Dabei geht es u.a. darum die meisten Schafe auf einem Teil des Spielplans oder bestimmte Karten zu sammeln. Auch der Standort von Fritz dem Fuchs kann wichtig sein, genauso wie die Länge der eigenen Wege.
  2. Das schwarze Schaf hingegen möchte gerne in die große Stadt und versucht dabei mit Hilfe der Schäferhunde möglichst weit von seinem Startpunkt in der oberen linken Ecke nach unten rechts zu kommen. Wird es vom Fuchs eingefangen, landet es wieder auf seinem Startpunkt. Abhängig davon wie weit es kommt, kann es so beachtliche 15 Punkte sammeln.

Auch bei der Ausstattung von Sheep & Thief gibt es nichts zu meckern:
Die Spielpläne für alle Mitspieler weisen eine ordentliche Stärke auf, die Spielfiguren aus Holz sind sowieso ganz nett (im asiatischen Original waren die Schäfchen noch Wollbällchen, die leider gerne unkontrolliert ihre Plätze verlassen haben).
Die Spielregel ist sehr ausführlich mit Beispielen versehen und geht auf jede Frage detailliert ein. Zudem gibt es für jeden Spieler eine Übersichtskarte, auf deren Rückseite die Punktewertung für das schwarze Schaf aufgezeigt ist.

Die Spielkarten haben eine angenehme Größe und die Optik reist sowieso alles: süße Schäfchen mit großen schwarzen Kulleraugen – wer kann da schon nein sagen ;-). Manche spielen Tic-Tac-Toe, andere fliegen mit Luftballons durch die Gegend und dritte Häkeln aus der Wolle eines anderen Schäfchens Schals. Meiner Schwester habe ich bei unseren letzten Spielen auch regelmäßig das Startschäfchen mit dem Smartphone zugeteilt, das hat irgendwie super gepasst.

Auch die mitgelieferten Erweiterungen sind nicht zu verachten, gerade das schwarze Schaf, das irgendwie in die falsche Richtung läuft und versucht dem Fuchs aus dem Weg zu gehen hat es mir angetan.

Alles in Allem finde ich Sheep & Thief eine gelungene Überarbeitung dieses “netten” Familienspiels und werde es auf jeden Fall bei den nächsten herbstlichen Spieleabenden regelmäßig mit im Gepäck haben.
 

Spieleinfo
Alter: 8+
Spieleranzahl: 2-4
Spieldauer: 30 min
Verlag: Pegasus
Erscheinungsjahr: 2017
 
Diese süßen Schäfchen können in meinem Spielend einfach Angebot einfach nicht fehlen. Gerne mal reinschauen und einen Spielabend buchen!

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