Abstrakte Spiele müssen sich nicht immer auf dem Level von Schach oder Ähnlichem bewegen und hässlich müssen sie auch nicht immer sein. Inzwischen gibt es wirklich viele Verlage, die auch Wert auf die Ästhetik ihrer Spiele legen und auch da unterscheiden sich die Geschmäcker noch stark.

Seikatsu von Huch! ist ein solch wunderschönes abstraktes Spiel für 1 – 4 Spieler in asiatischer Optik und tollem Spielmaterial. Das Spielprinzip ist relativ simpel, hat aber hat auch seine Tücken und ist daher bestens für einen leichten Spieleabend geeignet, an dem man nicht mehr superviel denken möchte, aber auch nicht unterfordert werden will … Meditation am Spieletisch.
 

Seikatsu – Vögel gleich und Blumen später

Seikatsu beinhaltet einen Spielplan, der einen asiatischen Garten mit Koi-Teich in der Mitte sowie 36 runden Feldern in symmetrischer Anordnung zeigt.

Um das Spielfeld herum stehen 3 Pagoden, welche die Sitzplätze bzw. Blickrichtung der Spieler auf das Spielfeld anzeigen. Jedem Spieler wird eine Pagode zugewiesen und damit auch die Blickrichtung für das folgende Spiel festgelegt. Denn bei Seikatsu geht es darum, gemeinsam einen Garten anzulegen. Gewinnen wird aber nur derjenige, der zum Ende den schönsten Blick auf eben diesen gemeinsam gestalteten Garten hat.

Das Spielmaterial besteht aus 32 Gartenplättchen, die 4 verschiedene Vogelarten in 4 unterschiedlichen Blumenkränzen zeigen. Jede Kombination aus Vogel und Blumenkranz gibt es genau zwei Mal. Hinzu kommen noch 4 Plättchen mit Koi-Teich, die Joker im Spiel darstellen. Die Gartenplättchen kommen zu Spielbeginn alle in einen Stoffbeutel und werden dort gut gemischt, die Koi-Plättchen bleiben zunächst außen vor.

Zu Beginn werden blind zwei bzw. drei Gartenplättchen aus dem Beutel gezogen (abhängig von der Spielerzahl) und auf die Blumenfelder direkt benachbart zum Koi-Teich in der Mitte des Spielplans platziert. Danach werden die Koi-Plättchen hinzugemischt und jeder Spieler erhält zwei verdeckte Spielplättchen … das Spiel kann beginnen.
 
Seikatsu - Spielmaterial

Wer am Zug ist, darf eines seiner beiden Plättchen auf ein leeres Spielfeld legen, stets benachbart zu einem bereits ausliegenden Gartenplättchen. Stimmt dabei der abgebildete Vogel mit mindestens einem benachbarten Vogel überein, gibt es direkt Punkte. Je mehr gleiche Vögel um das neu hinzugefügte Plättchen liegen, desto mehr Punkte gibt es … für jeden Vogel einen Punkt.

Man kann auch ein Koi-Plättchen legen (vorausgesetzt man hat eines), dann zählt dieses wie ein Vogel eigener Wahl und bringt genauso Punkte. Für spätere gelegte Plättchen jedoch ist der Koi-Teich wertlos und wird vorerst nicht mehr mitgewertet.

Gespielt wird solange, bis alle Plättchen auf dem Spielplan liegen, dann kommt es zur Endwertung: nun zählen nicht mehr die Vögel, sondern die Blumensorten auf den Plättchen. Jeder Spieler wirft einen Blick auf den vor ihm liegenden Garten und zwar aus seiner Perspektive … Spalte für Spalte.

Für jede Blumenart mit den meisten Plättchen pro Spalte gibt es Punkte. Dabei gilt: je mehr Plättchen einer Sorte, desto besser. Zu beachten ist aus, dass stets der Blick auf die ganze Spalte gilt und die Blumen nicht eine zusammenhängende Reihe bilden müssen. Zwei gleiche Blumen bringen 3 Punkte, drei gleiche 6 Punkte, vier identische 10 Punkte, fünf 15 Punkte und wer es tatsächlich geschafft hat die Spalte in der Mitte mit einheitlichen Blumen bzw. Jokern zu bestücken erhält dafür ganze 21 Punkte.

Kois zählen bei der Endauswertung wieder mit und können von allen Spielern punkteträchtig genutzt werden.

Wer nach Abschluss der Endwertung die meisten Punkte sammeln konnte ist der schlauste Gärtner und gewinnt Seikatsu.
 

Seikatsu – Schönes Spiel für den Einstieg ins Abstrakte

Seikatsu spielt nicht in einer Liga mit z.B. Hive vom gleichen Verlag, aber das muss es auch gar nicht. Mir gefällt das Spiel genauso wie es ist … nicht zu simpel aber auch nicht zu anspruchsvoll.

Die Alternativen pro Spielzug halten sich in Grenzen, hat man doch stets nur zwei Spielsteine zur Auswahl. Jedoch gilt es stets zu überlegen, wie man diese Steinchen am besten einsetzt, um sowohl direkt als auch in der Endabrechnung noch Punkte zu bekommen. Das jeder Spieler dabei einen anderen Blickwinkel auf das Spielfeld für die Endwertung hat und man beim Setzten der Steine auch stets deren Punkteausbeute mit in Betracht ziehen muss, macht für mich den Reiz bei Seikatsu aus. Dabei funktioniert es mit zwei Spielern genauso gut wie mit dreien, wobei ich bei zwei Spielern mehr taktieren kann, und bei dreien ein Fehlzug eher mal weh tut, wenn man damit beiden Gegnern schöne Punkte schenkt.

Am Material gibt es so gut wie nichts auszusetzen, die Spielsteine haben eine gute Größe und liegen schön in der Hand. Der ein oder andere hat in der ersten Partie Probleme damit, die Blumenarten auseinanderzuhalten, da sich die lila und rosa Blümchen etwas ähneln … mich hat das bis dato noch nie gestört. Im Gegenteil, mir gefallet die Optik der Spielsteine ausgesprochen gut, mal was anderes als das regelmäßig wiederkehrende grün, rot, blau und gelb, das in so viele anderen Familienspielen zum Einsatz kommt. Denn so habe ich tatsächlich ein bisschen das Gefühl am Ende auf einen Garten zu schauen, auch wenn es sich bei Seikatsu um ein rein abstraktes Spiel handelt.

Mir persönlich gefallen die Spiele mit asiatischem Touch, die in den letzten Jahren auch hierzulande immer mehr einen Vertriebsweg finden ausgesprochen gut. Toll finde ich auch, dass ich mit Seikatsu ein abstraktes Spiel vorliegen habe, dass ich auch zu dritt gut spielen kann und nicht nur zu zweit. Zu zweit ist eine Partie Seikatsu in 20 Minuten gespielt, zu dritt können es tatsächlich mal 30 Minuten werden, genau die richtige Länge für ein Spiel dieser Art.

Die Schachtel fällt ein wenig groß aus, was mal wieder dem Spielplan geschuldet ist, dafür hält das Inlay aber alle Spielsteine am Platz. Auch der mitgelieferte Sack zum Nachziehen der Steine geht absolut in Ordnung. Die Punktesteine in Blumenform sind zwar aus Holz und schön anzusehen, hier hätte ich mir jedoch gerne das gleiche Material wie die restlichen Spielsteine gewünscht. Auch wäre es toll gewesen, wenn man auf der Rückseite ein 50 eingeprägt hätte, denn oft geht es bei der Endauswertung über die 50 hinaus und muss man sich merken, wie oft man schon die Runde gedreht hat. Stört zwar nicht massiv, aber hätte man auch ganz einfach lösen können.

Die Regel lässt keine Fragen offen und ist mit einigen Beispielen zur Wertung versehen. Evtl. hätte man noch die Punkte für die Endwertung mit auf den Spielplan drucken können, das hätte zwar den ästhetischen Gesamteindruck etwas gestört, aber so muss man gerade in den ersten zwei – drei Partien nochmals die Regeln bemühen für die genaue Punktevergabe.

Für Solitärtüftler hält die Spielregel eine Solo-Variante bereit, die auch nicht ganz ohne ist. Hier hat der Spieler stets nur ein Plättchen zur Auswahl, das er auch noch benachbart zum letzten gelegten platzieren muss. Zum Ausgleich hat er von Anfang an die vier Kois auf der Hand, die er jederzeit an beliebiger Stelle einsetzen darf. In der Endwertung spielt man jedoch gegen beide virtuellen Gegner, die ihre Punkte aus den anderen beiden Blickwinkeln zusammenzählen. Es gibt drei Schwierigkeitsstufen: in der leichten gibt es noch Punkte für die Vögel, in der mittleren zählen nur die Endwertungen und in der schweren gehen die Vogelpunkte sogar noch an die Gegner.

Selbst für vier Spieler gibt es eine Spielvariante, die mir aber nicht ganz so zusagt. Hier wird in Teams zu 2×2 gespielt, Absprachen sind verboten.

Meine Tochter mit ihren 6 Jahren mag Seikatsu auch schon ganz gerne. Die Regeln sind leicht verständlich und das Material gefällt ihr natürlich ebenfalls ausgezeichnet. Sie kann auch schon ganz gut die Entscheidungen treffen, wo welcher Stein für die kurzfristige Punkteausbeute anzulegen ist, jedoch fehlt in dem Alter natürlich noch der Weitblick für die Endauswertung. Hierfür muss man tatsächlich schon ein wenig älter sein, insbesondere im Spiel zu dritt, wo man ja stets die Punkteausbeute für drei Spieler im Auge behalten muss. Aber mit einem pfiffigen Zweitklässler sollte man Seikatsu meiner Meinung schon vernünftig spielen können, ohne stets das Gefühl zu haben man sei extrem überlegen.

Seikatsu ist ein schöner Einstieg in die Welt der abstrakten Spiele und auf jeden Fall auch für Familien zu empfehlen, deren Kinder schon einen Blick auf das Schachspiel im Schrank geworfen haben.

Vielen Dank an die Marketingabteilung von Huch! für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

Spieleinfo
Alter: 10+ (8+)
Spieleranzahl: 1 – 4 (2-3)
Spieldauer: 30 min
Verlag: Huch!
Erscheinungsjahr: 2018

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