Ich bin ja stets auf der Suche nach sowohl optisch als auch spielmechanisch neuen Ideen. Manchmal sind es dann auch die kleinen Dinge, die bei mir den Ausschlag dafür geben, dass ich ein Spiel spannend finde und in meinem Blog vorstelle.

Das Rotkäppchen Duell von Game Factory hätte ich bei der Flut an Neuerscheinungen in diesem Herbst wahrscheinlich auch komplett übersehen. Aber zum Glück wurde ich auf dieses kleine Memory-Duell aufmerksam gemacht, dass dieser Tage bei einem mir inzwischen liebgewonnen kleinen Verlag erschienen ist, der mich dieses Jahr z.B. schon mit Verfuxt überzeugen konnte.

Memory kann ja jeder, aber das Ganze im reinen Duell und dann auch noch vertikal eben nicht. Und obwohl ich zunächst skeptisch gegenüber den Plastikständern war, die den zentralen Tannenbäumen den Halt verschaffen, bin ich inzwischen doch recht angetan vom Rotkäppchen Duell.
 

Das Rotkäppchen Duell – Ein Wald voller Tannenbäume

Wie bereits erwähnt, ist das Rotkäppchen Duell ein Memory-Spiel für genau 2 Personen.

Jeder der beiden Kontrahenten erhält zu Beginn ein Set aus 15 Tannenbäumen, die zwar von vorne alle gleich aussehen, aber auf der Rückseite unterschiedliche Bilder zeigen:
3 Picknickkörbe, 2 Jäger, 5 Wegweiser, 1 bösen Wolf und 4 leere Bäume.

Zu Beginn jeder Runde wird zunächst der Wald aufgebaut: hierzu setzen die Spieler abwechselnd einen ihrer Bäume in den Wald, und zwar so, dass die Abbildungen des eigenen Sets in die eigene Richtung zeigen. Die Bäume sollen dabei ruhig durcheinander gestellt werden und es gilt sich schon hier gut zu merken, wo man die eigenen Nieten (sprich Bäume ohne Bild) platziert hat.

Rotkäppchen Duell Spielmaterial

Ist der Wald aufgebaut, beginnt die erste Runde und der Startspieler darf einen der Bäume mit leerer Seite um 180 Grad zu sich drehen (der Baum verbleibt aber an Ort und Stelle im Wald) und prüfen, ob und was er gefunden hat:

  • Einen Picknickkorb darf der Spieler zu sich nehmen (d.h. tatsächlich aus dem Wald entfernen)
  • Beim bösen Wolf muss man einen seiner Picknickkörbe (vorausgesetzt man hat schon einen) an den Mitspieler abgeben
  • Der Jäger erlaubt einem einen weiteren Baum umzudrehen
  • Der Wegweiser ist lediglich genau das: ein Hinweis, dass man hier nichts findet
  • und ein leerer Baum ist … ein leerer Baum.

Ziel ist es nun als erster 3 gegnerische Picknickkörbe im Wald aufzustöbern. Wem dies zuerst gelingt “erhält als Zeichen des Dankes von der Großmutter einen Taler”.

Danach wird nochmal eine Runde gespielt und evtl. auch noch eine dritte. Der Spieler, der zuerst zwei Runden gewonnen hat und zwei Großmutter-Taler einheimsen konnte, geht als Gesamtsieger aus dem Rotkäppchen Duell hervor.
 

Das Rotkäppchen Duell – Die Suche nach dem Picknickkorb

Bevor es jedoch losgeht müssen zunächst die Bäume ausgepöppelt und in die eingangs erwähnten Plastikfüße gedrückt werden. Dies sollte auf jeden Fall durch erwachsene Hand geschehen und hier ist auf jeden Fall auch Vorsicht geboten: manche Bäume flutschen nur so in die Ständer, andere leider nicht und hängen fest. Am Ende habe ich es aber doch geschafft sie alle halbwegs ordentlich in die Ständer zu fummeln – und dann halten die auch bombenfest für immer!

Zunächst hatte ich auch bedenken, dass durch evtl. Beschädigungen und ungleichmäßiges einstecken der Memory-Effekt flöten geht, aber da die Bäume einen Wald bilden schaut man ehrlich gesagt gar nicht auf die Füße. Da die Ständer ein gutes Größenverhältnis zu den Bäumen haben, kann man sie eigentlich ganz gut anheben und abstellen ohne Gefahr zu laufen, dass sie allzu Schell umfallen.

Abgesehen also von diesem produktions- aber auch spieletechnischen ungewöhnlichen Element gibt es am Rotkäppchen Duell aber nichts zu bemängeln.
Im Gegenteil: Die Optik lädt zum Spielen ein und die Schachtel hat zwar kein Inlay, dafür aber auf der Schachtelinnenseite einen Überblick über den Spieleinhalt (eine schöne Lösung, die ich mir auch in Zukunft für andere Spiele vorstellen könnte).
Sind alle Bäume zu Rundenbeginn auch erstmal alle auf dem Tisch aufgebaut, dann sieht das ebenfalls sehr nett und athmosphärisch aus.

Wir alle wissen: Eine Runde Memory geht noch, bei zweien wird es knifflig und ab der dritten Runde spielt einem das Kurzzeitgedächtnis gerne mal einen Streich. Nicht anders auch hier: kommt es zur dritten Runde, dann kann es schonmal sein, dass man danebengreift und tatsächlich eine eigene Niete umdreht, weil man die irgendwie nicht mehr im Blick hatte.
Schön auch, dass hier mal wieder gezeigt wird, dass Memory mehr kann als nur zwei identische Karten finden.

Bevor ich die erste Runde gespielt habe, hatte ich mich noch gefragt wo der Sinn der Wegweiser ist. Dies habe ich dann nach einem Spiel kapiert: man weiß, hier war man schonmal *bling* und braucht den Baum nicht nochmal umdrehen. Dumm nur, wenn es der Gegenüber dann doch macht, weil der nämlich die nun leere Vorderseite sieht.

Noch ein Hinweis zum Spielaufbau:
Zwar sehen alle Bäume auf der einen Seite identisch aus, aber die Wipfel zeigen in unterschiedliche Richtungen. Man sollte also darauf achten, dass nicht ein Spieler alle Bäume mit Wipfel nach rechts bekommt und der andere die mit denen nach links. Am besten packt man sowieso zwei getrennte Sets beim Aufräumen in separate Tüten, dann kann man beim nächsten Mal direkt losspielen und muss die Sets nicht erst verteilen.

Das Rotkäppchen Duell ist ein schnelles und optisch ansprechendes Spiel für jeden Memory-Fan, das zeigt, dass im Thema Memory noch einiges Potenzial steckt. Ebenso gefällt mir, dass es sich hierbei wirklich um ein echtes 2-Personen Kinderspiel handelt, von denen es nun wahrlich nicht viele gibt. Denn seien wir mal ehrlich: wie oft sitzt Mutti alleine mit dem Nachwuchs am Tisch und spielt … für meinen Geschmack etwas zu oft ;-).

Daumen hoch also auch für dieses kleine Spielchen aus dem Hause Game Factory. Den Verlag werde ich weiterhin auf dem Radar haben und die Neuerscheinungen regelmäßig unter die Lupe nehmen. Nicht Grundlos waren drei Spiele dieses Jahr auf dem Empfehlungslisten für das Spiel des Jahres (Klask) bzw. Kinderspiel des Jahres (Ausgefuxt und Sleeping Queens). Gerade erst jüngst wurde Sleeping Queens vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) Darmstadt zum zum Kinderspiel des Jahres 2017 gewählt. Evtl. werde ich diesem Spiel auch noch einen Beitrag widmen (auch wenn es irgendwie ungewöhnlich ist …).

Vielen Dank an Frau Heiss, die mich auf das Rotkäppchen Duell aufmerksam gemacht und mir das Rezensionsexemplar für Game Factory zur Verfügung gestellt hat!
 

Spieleinfo
Alter: 5+
Spieleranzahl: 2
Spieldauer: 10 min (eher 15 mit Aufbau)
Verlag: Game Factory
Erscheinungsjahr: 2017

One thought on “Das Rotkäppchen Duell – Memory Duell im Wald

  1. Ich bin zwar kein großer Memory-Freund, dass Spiel klingt aber ebenfalls sehr gut. Muss ich mir auf jeden Fall auch mit merken.

    2-Spieler-Spiele im Kinderspielbereich sind auf jeden Fall eine Seltenheit. Als reines 2-Spieler-Kinderspiel kann ich auf jeden Fall “Raben schubsen” von moses Spiele empfehlen, welches vom Spielprinzip ein wenig an Schiffe versenken erinnert, thematisch aber wesentlich freundlicher und aufgrund der Einbringung eines Würfels auch viel kurzweiliger und spaßiger ist.

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