Noch ist Penny Papers weitgehend unbekannt, aber wenn es nach mir geht, könnte sich das wohl in nächster Zukunft ändern. Denn Penny Papers ist nicht nur ein Spiel, sondern eine ganze Reihe aus aktuell drei Spielen, die zwar alle auf dem gleichen Grundprinzip beruhen, sich aber alle in Anspruch und Komplexität unterscheiden.

Penny Papers – The Temple of Apikabou ist ein sogenanntes Roll & Write Spiel, bei dem alle Mitspieler gleichzeitig auf die Suche nach den Geheiheimnissen der sagenumwobenen Apikhabou Pyramide sind und dabei so mancher Mumie aus dem Weg gehen müssen …
 

Penny Papers – Würfeln, rechnen und schreiben

Doch wie genau funktioniert Penny Papers? Das Spiel besteht aus drei großen Würfeln, die alle die Zahlen 1-5 sowie ein Sondersymbol zeigen (in Apikabou sind dies Dietrich, Penny Papers und eine Mumie). Hinzu kommt ein dicker Blog mit 100 beidseitig bedruckten Abenteuerplänen.

Zu Beginn erhält jeder Mitspieler einen solchen Abenteuerplan (zu beachten hierbei Vorder- und Rückseite unterscheiden sich) sowie einen Stift (nicht im Spiel enthalten). Nachdem sich alle Mitspieler für eins der beiden Abenteuer entschieden haben, dürfen diese in die linke obere Ecke ihren Namen schreiben, da die Pläne im Laufe des Spiels in Umlauf gebracht werden können.

Alle Runden verlaufen identisch:
Abwechseln werden die drei Würfel geworfen und nun darf jeder Mitspieler basierend auf dem Ergebnis eine Zahl auf seinem Abenteuerplan eintragen. Die Zahl darf dabei ein Resultat aus den drei Würfeln sein: entweder die Zahl eines einzigen Würfels, die Summe aus zwei Würfeln oder sogar aus allen dreien.

Der Abenteuerplan bei Penny Papers Apikhabou zeigt freie Felder aber auch einige zunächst verschlossene Türfelder. Die gewählte Zahl darf nur in eines der noch freien Felder eingetragen werden.

Sollte außer Zahlen noch ein oder mehrere Sondersymbole gewürfelt worden sein, so gelten folgende Ausnahmen:

  • Penny Papers erlaubt es eine beliebige Zahl zwischen 1 und 15 auf ein noch leeres freies Feld zu schreiben.
  • Mit dem Dietrich kann eine der verschlossenen Türen auf dem Abenteuerplan geöffnet werden. Hierzu muss eine aus den anderen beiden Würfelergebnissen gebildete Zahl auf ein Türenfeld geschrieben werden.
  • Bei einer Kombination aus Penny Papers und Dietrich darf somit eine frei gewählte Zahl auf ein Türenfeld platziert werden.

  • Bei einer gewürfelten Mumie hingegen kommen alle Abenteuerpläne in die Mitte und man darf eine Mumie auf ein Feld eines frei zugelosten Mitspielers platzieren.
    Man muss stets ein Feld ausfüllen, es ist nicht erlaubt eine Runde auszusetzen und nichts einzutragen.

Penny Papers - Endauswertung

Sobald alle freien Felder auf den Abenteuerplänen gefüllt sind (Türen können evtl. noch leer sein) werden Punkte gezählt:

  • Für die längste zusammenhängende Zahlenreihe gibt es Punkte, für jede Zahl einen Punkt. Zahlenreihen können über direkt benachbarte Felder gebildet werden, wobei benachbart nicht nur Orthogonalen sondern auch Diagonalen miteinbezieht.
  • Für jede zusammenhängende Gruppe aus mind. 3 identischen Zahlen gibt es 3 Punkte. Pro Zahl kann jedoch nur eine Gruppe gewertet werden.
  • Jede Mumie schlägt mit 2 Punkten Miese zu buche. Es sei denn man konnte die Mumie durch die Platzierung einer 9 in deren Umfeld unschädlich machen, dann bringt die Mumie 2 Punkte Plus.

Der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt und ist die erfolgreichste Penny Papers.
 

Penny Papers – Mit Würfeln und Stiften auf Abenteuer-Expedition

Penny Papers – The Temple of Apikhabou ist nur der Auftakt zu einer ganzen Penny Papers Spielereihe, von der derzeit drei Spiele vorliegen.
Spielprinzip und Material sind bei allen drei Spielen identisch: jeder Spieler erhält einen Abenteuerplan und versucht aus dem Ergebnis dreier Würfel das Beste rauszuholen. Jedoch werden die Abenteuer und damit auch die Wertung von Spiel zu Spiel komplexer, weshalb die beiden anderen Spiele ab 8 bzw. 9 Jahren angepriesen werden … durchaus zu Recht.

Inzwischen konnte ich schon alle drei Titel einige Male spielen um mir ein Bild über die ganze Serie zu machen. Das erste Penny Papers mit seiner recht geringen Einstiegshürde gefällt mir tatsächlich am besten, aber auch Valley of Wiraquocha (ab 9 Jahre) fand ich durchaus interessant, da hier stets alle Würfel verwendet werden dürfen (d.h. man kann evtl. sogar 3 Felder pro Zug ausfüllen), man jedoch stets nur benachbart zu einem bereits eingetragenen Wert weitermachen darf. Auch gibt es hier verschiedene Entdeckungen zu machen, wofür man so einiges an Überblick und Planung benötigt.

Das mittlere Spiel Skull Island liegt zwar offiziell vom Schwierigkeitsgrad her in der Mitte, hat mir aber tatsächlich den größten Knoten ins Gehirn gezaubert, da hier die Zahlen verwendet werden um Schätze auf einer Insel zu finden und zwar liegen diese immer im Schnittpunkt von vier identischen Zahlen. Da die möglichen Optionen im Überblick zu behalten ist wirklich nicht so einfach und war für mich tatsächlich schwerer als Wiraquocha.

Da jeder Spieler selbst entscheiden darf, welche Zahl er aus den Würfeln bildet gleichen sich die Abenteuerpläne schon nach kurzer Zeit nicht mehr und dennoch ist es immer wieder interessant zu beobachten wie nah die Ergebnisse zum Ende hin beieinander liegen. Bei Apikhabou habe ich es in 2-Personen Spielen nicht selten erlebt, dass am Ende ein Punkt den Unterschied zwischen Gewinn und Niederlage ausmacht. Auch Unentschieden gab es schon einige.

Auch wenn man bei Penny Papers meist ungestört nebeneinander her spielt, so sollte man sich stets vor der Mumie (bzw. Skelett oder Schlange) in Acht nehmen. Wer hier gut aufpasst, kann nämlich dem jeweils zugelosten Mitspieler ganz schön die Suppe bzw. Punktausbeute versalzen. Eine 9 am richtigen Platz kann hingegen wahre Punktewunder bewirken, wenn aus vielen Miese plötzlich ordentlich Pluspunkte werden.
Ob und wie viele Mumien jedoch mit von der Partie sind, das weiß man vorher nie und so verläuft keine Runde Penny Papers wie die andere. In meinem ersten Solo-Spiel hatte ich tatsächlich 30 Punkte geknackt … das ist mir danach nie wieder gelungen, so sehr ich auch davon überzeugt war, mir einen super Plan zurechtgelegt zu haben. Auch ist es immer großartig, wenn Penny Papers zusammen mit dem Dietrich auftaucht und man eine wichtige Zahl in eines der Türfelder schreiben kann. Auch wenn es gar nicht so viele verschiedene Strategien gibt, ist es durchaus interessant zu versuchen eine möglichst lange Reihe zu bilden und zusätzlich relativ viele Zahlengruppen zu bilden. Nachträgliches Korrigieren ist übrigens laut Regelwerk nicht erlaubt … was steht, das steht! Da sollte man erst in Ruhe nachdenken bevor man schhreibt. Dieser Hinweis ist nicht ganz unberechtigt, hätte ich mir selber doch auch schon das ein oder andere Mal gewünscht einen Moment länger nachgedacht zu haben.

Das Material von Penny Papers gefällt mir auch wirklich ganz gut. Die großen Holzwürfel erlauben es tatsächlich Penny Papers auch in größeren Runden zu spielen, ohne das Spieler am anderen Ende des Tischs stets die Ergebnisse nachfragen müssen. Die 100 beidseitig bedruckten Abenteuerpläne im Handtaschenformat reichen für einige Partien Penny Papers, vorausgesetzt man nimmt die Spielschachtel nicht beim Wort und spielt ein Spiel mit 100 Leuten gleichzeitig. Die Symbolik auf den Abenteuerplänen ist ziemlich gut verständlich, so dass man nach der ersten Partie die Regel eigentlich nicht mehr zur Hand nehmen muss, die übrigens auch recht verständlich formuliert und mit ausreichend Beispielen versehen ist. Auf Grund der Größe des Spielmaterials lässt sich Penny Papers tatsächlich in jeder Handtasche verstauen und überall mit hinnehmen.

Alles in Allem finde ich Penny Papers – The Temple of Apikhabou ein rundum gelungenes Spiel, das ich allen Eltern mit Kindern im Grundschulalter aber auch darüber hinaus uneingeschränkt empfehlen kann. Denn auch wenn das Spiel von Natur aus eher ein abstraktes Spiel ist, weiß das Thema doch ein Stück weit zu tragen und spricht gerade jüngere Spieler auf jeden Fall sehr an. Und wem das Spielprinzip wirklich gut gefällt und noch weitere Abenteuer sucht, der macht mit Penny Papers 2 und 3 auch nichts verkehrt (auch wenn diese wirklich um einiges schwerer und verkopfter sind). Für unentschlossene kann ich jedenfalls eindringlich zum Erwerb von Apikhabou raten, um auf den Geschmack zu für diese Art von Spiel zu kommen.

Wenn die Serie gut läuft könnte ich mir durchaus vorstellen, dass der Sit Down! Verlag in Zukunft noch weitere Penny Papers Spiele auf den Markt bringen wird. Denn Roll & Write Spiele sind aktuell auf dem Vormarsch und auch ich werde diesem Genre noch den ein oder anderen Beitrag widmen. Würfelland hatte ich ja gerade erst vor Kurzem vorgestellt und ein weiteres Spiel dieser Kategorie (Würfelgemüse) liegt hier auf dem Review-Stapel und wird im kommenden Monat vorgestellt.
 

Spieleinfo
Alter: 7+
Spieleranzahl: 2 – 100
Spieldauer: 15+ min
Verlag: Sit Down!
Erscheinungsjahr: 2018

Penny Papers – The Temple of Apikhabou bekommt ihr auch bei mir in Breisach. Einfach mal bei Spielend einfach vorbeischauen!

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