Panic Mansion von Blue Orange hatte ich bis zu seiner Nominierung zum Kinderspiel des Jahres nicht wirklich auf dem Plan. Auf der SPIEL letztes Jahr bin ich zwar mehrfach daran vorbeigelaufen, aber richtiges Interesse hat es bei mir nicht geweckt. Nach der Nominierung nun habe ich mir dann doch mal ein Herz gefasst und mir Panic Mansion besorgt. Wie konnte ich das nur übersehen? So geil!

Schon bevor man die Schachtel richtig auspackt, bekommt man ein Gefühl dafür, welch großartiges Spiel man in Händen hält. Eines, das nicht nur Kindern sondern auch vielen Eltern großen Spaß bereitet. Hier wird gerüttelt und geschüttelt was das Zeug hält. Stets mit dem Ziel vor Augen Abenteuer samt Schatztruhen alleine in einen Raum der Spukvilla zu befördern, ohne bissige Schlangen, abscheuliche Gespenster, giftige Spinnen oder rollende Augäpfel.
 

Panic Mansion – Kippend und schüttelnd durchs Spukhaus

Die namensgebenden Spukvillen in Panic Mansion bestehen aus stabilen rechteckigen Spielboxen mit 8 quadratischen Zimmern, die alle über kleine Durchgänge mit ihren Nachbarzimmern verbunden sind. Jedes Zimmer ist anders eingerichtet und unterscheidet sich von den anderen sieben in seiner Farbe und dem Teppichmuster.

Ergänzt werden die vier Spukhäuser durch diverse teils “angsteinflößende” Objekte: Abenteurer, Schatztruhen, Gespenster, Schlangen, Spinnen und rollende Augen. Hinzu kommt ein Kartenstapel bestehend aus 48 doppelseitigen Aufgabenkarten: eine Seite zeigt eines der acht Zimmer, die andere Seite eine beliebige Kombination der aufgeführten Objekte. Im Einsteigerspiel wird zunächst nur mit der Zimmerseite gespielt, für Fortgeschrittene kommt die Objektseite hinzu.

Zu Beginn des Spiels erhält jeder Mitspieler eine eigene Spukvilla, die zunächst mit einem Abenteuer, drei Schatztruhen sowie einem Gespenst bestückt wird. Pro Spieler werden 2 Spinnen, 2 Augen, 2 Schlangen sowie ein weiteres Gespenst als persönlicher Vorrat bereitgelegt.

Nach einem kurzen „Einrütteln“ und Verteilen der Startobjekte wird die oberste Karte vom Kartenstapel umgedreht. Dahin müssen nun Abenteurer und Schatztruhen, nicht aber das Gespenst. Jedoch nur durch Kippen, Schütteln und gezieltes Klopfen gegen die Spukvilla – anfassen der Objekte ist strikt verboten, außer sie verlassen die Villa unbeabsichtigt.

Wer die Aufgabe zuerst schafft ruft laut “Spuk vorbei” und bekommt die Aufgabenkarte als Siegpunkt – vorausgesetzt es stimmt tatsächlich. Andernfalls muss eine bereits gewonnene Aufgabenkarte wieder abgegeben werden. Hinzu kommt jedoch ein weiteres Objekt aus dem persönlichen Vorrat, das von den Mitspielern ausgewählt wird. Es wird voller in der Villa.
Erneut werden die Objekte bunt gemischt und die nächste Aufgabenkarte wird umgedreht. Das Spielchen beginnt von vorne.

Wer zuerst 5 Aufgabenkarten erfolgreich eingesammelt hat, treibt den Spuk endgültig ein Ende und wird neuer Master über Panic Mansion.
Panic Mansion - Nahaufnahme
 

Panic Mansion – Das etwas andere Geschicklichkeitsspiel

Die meisten Geschicklichkeitsspiele für Kinder zielen auf die Feinmotorik ab. Da gilt es nicht selten Dinge aufeinander zu stapeln (z.B. Tier auf Tier oder auch Rhino Hero: Super Battle von HABA) oder durch die Gegend zu schnipsen (IceCool oder Pitchcar). Panic Mansion ist dahingehend anders: hier wird nicht feinmotorisch gearbeitet, sondern clever gerüttelt, geschüttelt und gekippt. Das macht tierischen Spaß und ist manchmal richtig verzwickt.

Schon vor dem Auspacken hat man bei Panic Mansion die Möglichkeit auf der Rückseite eines der namensgebenden Spukhäuser inkl. Spielmaterial in Aktion zu sehen. Einfach mal schütteln und sehen was passiert. Dieses Konzept der teils durchsichtigen Spielverpackungen ist nicht unbekannt, bringt es bei Panic Mansion aber wunderbar auf den Punkt. Wer hier die Schachtel umdreht, der bekommt nicht nur das Material präsentiert, sondern kann direkt drauflosspielen – die perfekte Verkaufsstrategie. Denn wer einmal die Testobjekte in ihr Ziel manövriert hat, der will in der Regel mehr!

Als ich die Schachtel von Panic Mansion das erste Mal in der Hand hielt und anfing die Objekte durch die Gegend zu bugsieren, da überkam mich direkt eine intensive Kindheitserinnerung. Wer kennt sie nicht: diese Kugellabyrinthe (z.B. auf Seifenblasenflaschen), bei denen man ein oder auch mehrere Kugeln durch geschicktes Bewegen in alle Richtungen in ihr Ziel bringen muss. So ähnlich hat sich Panic Mansion für mich angefühlt … und das Gefühl war richtig gut.

Das Spielmaterial in Panic Mansion ist vorbildlich: die Spukhäuser sind wirklich stabil, das gleiche gilt für die Zwischenwände. Jedes der acht Zimmer sieht komplett anders aus, nicht nur in der Farbgestaltung, sondern auch in der Dekoration und dem Muster (was mich übrigens zum doch recht eindringlichen Foto des Spiels animiert hat, wo ich doch üblicherweise zu einem größeren spielübergreifenden Fokus neige). Aber auch die einzelnen Objekte zeugen von Liebe zum Detail: hier wurden die Holzfiguren nicht einfach nur bemalt. Die Zierden auf Abenteurer, Gespenst und Holzauge sind ins Holz eingefräst und werden sich so schnell nicht abnutzen.

(Fast) jedes Objekt in Panic Mansion verfügt über eine individuelle Eigenschaft: der Abenteurer, die Gespenster sowie die Kisten haben eine ähnliche Trägheit und Größe und lassen sich gleichermaßen gut oder schlecht durch das Spukschloss jagen. Und dachte ich zu Beginn noch der kugelige Augapfel sei das größte Problem, erkannte ich schon schnell, dass die blöde Schlange einfach viel zu lang ist um vernünftig durch die Zimmertüren zu passen. Die bleibt einfach immer quer davor liegen und verstopft den Weg.
Auch die Spinne aus Gummi hat so ihre Eigenarten. Oft muss man richtig gegen die Spielschachtel klopfen um sie vom Fleck zu bekommen. Bis das passiert ist, haben sich jedoch alle anderen Objekte auch schon wieder an das entgegengesetzte Ende der Villa begeben. Das ist kein Produktfehler, sondern so gewollt und macht ungemein großen Spaß.

So kommt es nicht selten zu Situationen, in denen einem nur ein Objekt fehlt und man beim Versuch dieses ins richtige Zimmer zu bugsieren, sich die Hälfte der anderen eingesammelten Objekte direkt wieder in alle Himmelsrichtungen verteilt. Aber wie bei anderen Geschicklichkeitsspielen auch gilt bei Panic Mansion die Devise „Übung macht den Meister“. Nur nicht den Kopf hängen lassen. Bei der nächsten Aufgabe funktioniert es bestimmt. Die Ausgangssituation ist ja von Spieler zu Spieler und von Runde zu Runde eine andere und so hat man vielleicht für die kommende Aufgabe direkt die bessere Startposition und das Ziel schon nah vor Augen.

In der oben erwähnten Einsteigervariante beginnen alle mit Abenteurer, Schatzkisten und Gespenst das Spiel. Für Fortgeschrittene hingegen sieht die Spielregel einen anderen Schwierigkeitsgrad vor. Hier starten alle direkt mit allen 12 Objekten in ihrer Villa. Und jetzt zählt es nicht nur den Abenteurer samt Schatzkisten in eines der Zimmer zu befördern, sondern von Runde zu Runde eine andere Kombination aus Objekten. Für diese Aufgaben werden stets Rückseite einer Karte und Vorderseite einer weiteren Karte kombiniert. Dieses Level ist deutlich anspruchsvoller und meiner Meinung nach tatsächlich nicht für Kinder ab 6 Jahre geeignet. Aber die Einstiegsvariante sollte man ruhig mal mit Kindern in diesem Alter ausprobieren und wenn es dann immer noch nicht klappt, dann bekommen halt nur die Großen die zusätzlichen Objekte dazu und die Kinder arbeiten stets nur mit der gleichen Kombination aus Objekten, die dann aber beliebig von Spiel zu Spiel variiert werden können.

Leute, unterschätzt Euren Nachwuchs nicht! Meine Tochter hatte den Dreh relativ flott raus und nach einer Partie in der Einsteigervariante wollte sie direkt die Fortgeschrittenenversion spielen. Sie hat zwar bis heute nicht gewonnen, aber einige Runden gehen immer wieder auch an sie.

Alle Regeln Panic Mansion passen übrigens auf ein Blatt Papier. Angesichts der Regelkomplexität kein Wunder. Jedoch hätte ich mir tatsächlich noch einen Hinweis dazu gewünscht, was passiert, wenn ein Objekt die Villa verlässt. Wir lösen dieses seltene Problem damit, dass ein anderer Mitspieler dieses in einem der Zimmer platziert und weiter geht’s.

Nun hat Panic Mansion leider den obersten Platz auf dem Siegertreppchen verpasst, was wirklich schade ist. Ich hätte es den Autoren, dem Grafiker und dem Verlag echt gegönnt. Denn wer so viele gute Ideen in eine Spielschachtel packt (angefangen bei Spielidee über die Verarbeitung bis hin zur Verpackung), der sollte nicht so schnell in Vergessenheit geraten. Panic Mansion ist für mich das Kinderspiel des Jahres, auch wenn ich mein Herz bis dato an Memoarrr! verschenkt hatte, das nun auf meiner internen Hitliste des letzten Jahres auf Platz 2 gelandet ist. Dicht gefolgt von Rhino Hero: Super Battle, ebenfalls ein Geschicklichkeitsspiel, für das ich schon einen Beitrag in Arbeit habe.

Wer also Panic Mansion im Laden sieht, sollte es auf jeden Fall mal ausprobieren und am besten gleich kaufen. Denn dieses tolle Geschicklichkeitsspiel ergänzt wunderbar jede Spielesammlung!
 

Spieleinfo
Alter: 6+
Spieleranzahl: 2 – 4
Spieldauer: 20 min
Verlag: Blue Orange
Erscheinungsjahr: 2018

Panic Mansion musste ich direkt in mein Spielend einfach Sortiment aufnehmen. Also einfach mal in Breisach vorbeischauen und Probeschütteln!

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