Da gibt es diese unscheinbaren Spiele, die sich schon seit etlichen Jahren auf dem Markt halten, weltweit eine riesige Fanbase haben und obwohl von deutschem Verlag hierzulande fast unbekannt sind.

Lost Cities aus der 2-Personen Reihe von Kosmos ist ein solches Juwel, das auch mir erst vor ca. 2 Jahren auf Grund eines Beitrags aus Amerika aufgefallen ist und seitdem regelmäßig und gerne gespielt wird. Als Absacker oder auch Urlaub-Begleiter für schöne Abende zu zweit. Die Regeln bei diesem Karten-Sammelspiel sind einfach, was aber nicht heißen soll, dass das Spiel nicht seine Tücken hätte, sonst käme es wohl nicht so oft zum Zug.

Jetzt hat auch der Verlag erkannt, dass Lost Cities einen Wert hat und jüngst eine ganze Lost Cities Spielefamilie präsentiert … doch hierzu am Ende mehr.
 

Lost Cities – Sammeln oder nicht sammeln, das ist hier die Frage?

Lost Cities ist ein Kartenspiel, bestehend aus 60 großformatigen Karten in aufregender Expeditions-Optik. In den 5 Farben rot, grün, blau, weiß und gelb gibt es jeweils 12 Expeditions-Karten mit den Werten 2- 10 sowie 3 Wettkarten.

Alle Karten werden gemischt und jeder Spieler erhält zu Beginn 8 davon auf die Hand, der Rest wird als verdeckter Nachziehstapel bereitgelegt.

In die Tischmitte kommt noch das Spiel-Tableau, am besten genau zwischen die beiden Kontrahenten. Dieses zeigt fünf Flächen in den o.g. Farben und dient im Spiel als Ablagefläche aber auch als farbliche Hilfestellung für die Kartenauslage.

Lost Cities - Kartenspiel für 2

Wer am Zug ist muss immer den gleichen Ablauf einhalten:

  1. EINE Karte nachziehen:
    Es muss zunächst stets eine Karte gezogen werden. Diese kann entweder vom verdeckten Nachziehstapel genommen werden oder auch von der offenen Auslage auf dem Spielplan (hierzu unter 2. mehr).
  2. EINE Karte ausspielen:
    Danach muss man exakt eine Karte ausspielen. Entweder in die eigene Auslage oder auf den farblich passenden Ablagestapel auf dem Spielplan.
    Auf den Ablagestapel kann man jede Karte spielen, aber für die eigene Auslage gibt es ein paar wenige Regeln zu beachten: es dürfen nämlich nur Karten gespielt werden, die im Wert höher sind als bereits in der eigenen Auslage befindliche Karten.
    D.h. habe ich z.B. bereits eine grüne 6 liegen, darf ich keine 2 – 5 in dieser Farbe mehr ausspielen. Auch die Wettkarten dürfen lediglich ganz zu Anfang in die farblich passenden Reihen ausgespielt werden. Sobald hier eine Zahlenkarte liegt, kann keine Wettkarte dieser Farbe mehr ausgespielt werden.

Danach kommt der Spieler gegenüber zum Zug usw. Sobald keine Karte mehr im Nachziehstapel ist, ist das Spiel sofort zu Ende und es werden Punkte gezählt.

Jetzt wird es hart, denn jede begonnene Farbe zählt zunächst -20 Punkte. Das gilt auch für jede ausgespielte Wettkarte.
Die Zahlenkarten zählen ihren jeweiligen Zahlenwert, der aber durch ausgespielte Wettkarten vervielfacht wird. Eine Wettkarte der passenden Farbe verdoppelt die folgenden Werte, zwei Wettkarten verdreifachen sie und alle drei Wettkarten vervierfachen die Werte sogar.

Wer am Ende die meisten Punkte einsammeln konnte gewinnt den Expeditionswettlauf zu den Los Cities!
 

Lost Cities – Immer ein Auge auf den Gegenüber

Manch einer mag nach der Regellektüre vielleicht denken, dass es langweilig sei … dieses Lost Cities. Was ist schon dabei eine Karte aufzunehmen und dann eine auszuspielen. Verdammt viel!!! So ein einfaches Spiel mit so viel Taktik bekommt man selten in so kleiner Verpackung. Klar ist auch ein wenig Glück dabei wann man welche Karten zieht, aber was man daraus macht … darauf kommt es wirklich an.

Bei Lost Cities ist der Kopf ständig damit beschäftigt Eventualitäten und Zahlen auszurechnen, zumindest in den ersten Partien. Wettkarten sollte man eigentlich nur mit Bedacht einsetzen, werden aber gerade auch in den ersten Partien nur zu gerne ausgespielt. Doch diese Wetten können ganz schön nach hinten losgehen und wer dann in der Endabrechnung eine Miese nach der anderen zusammenrechnet, der hat für die Zukunft eine wichtige Lektion gelernt.

Besonders schön finde ich die Momente, wenn der Gegenüber eine Wette abschließt und ich die passenden hohen Karten bereits auf der Hand halte. Das gemeine Grinsen muss ich mir dann schon mal verkneifen und Könner schieben dem Kontrahenten dann noch passenderweise zwei weitere Wettkarten unter ;-). Allgemein kann man behaupten, dass Lost Cities eine gewisse Begabung zur Zockermine voraussetzt und die Ablage von Karten in die Mitte durchaus eine Kunst ist, will man dem Gegenüber keine Geschenke machen.
Jedoch lassen sich so im zweiten Teil des Spiels auch unnötige Karten leicht entsorgen, wenn nämlich die Reihen schon entsprechend fortgeschritten sind und man Platz für höhere Karten auf der Hand benötigt.

Auch das Timing ist bei Lost Cities ein nicht zu unterschätzendes Element. Jeder Spieler darf jederzeit überprüfen wie viele Karten sich noch im Nachziehstapel befinden, denn wenn es dumm läuft ist das Spiel vorbei und man hat noch hohe Karten auf der Hand, die man gerne noch gespielt hätte. Ein permanentes belauern des Gegenübers bleibt da nicht aus und davon lebt Lost Cities schlussendlich und dass macht auch den Reiz nach unzähligen Partien aus.

Ein kleiner Trick hilft übrigens den Überblick über die Miese und Guthaben zu behalten:
Man muss in einer Farbreihe Karten im Wert von 21 Punkten ausspieln um ins Plus zu kommen! Jeder Multiplikator in Form der Wettkarten erhöht dann den Wert. Ganz simpel und doch irgendwie nicht jedem gleich ersichtlich. Wer Lost Ciites ein paar Mal gespielt hat, der sammelt auch nicht mehr alle Farben, sondern versucht sich in 3 Farben zu profilieren und diese dann am besten noch mit fetten Wett-Boni aufzupimpen.

Die Ausstattung von Lost Cities gefällt mir ausgesprochen gut. Ich LIEBE diese großformatigen Karten. Und auch wenn sie inzwischen schon recht abgewetzt sind, was sich auf Grund des schwarzen Kartenrandes besonders schnell zeigt, finde ich die Kartengröße und Optik einfach toll. Der Spielplan ist Mittel zum Zweck und regelmäßig erkläre ich neuen Mitspielern, dass das Feld in der Mitte schwarz und nicht weiß ist, aber dieses Problem wurde in der Neuauflage behoben. Die Regel ist übersichtlich und hält am Ende ein Wertungsbeispiel sowie einen kleinen strategischen Tipp bereit.
 
Lsot Cities - Spielefamilie
 
Auch der KOSMOS Verlag hat inzwischen erkannt, dass Lost Cities schon seit vielen Jahren eine stetig wachsende Fanbase hat und das Spiel jetzt um eine kleine Marken-Familie erweitert.

Lost Cities wurde jüngst auf der Nürnberger Spielwarenmesse in neuer Verpackung und mit neuer Grafik präsentiert und heißt jetzt “Lost Cities – Das Duell“. Das Material ist wohl gleichgeblieben und die neue Grafik gefällt mir eigentlich auch ganz gut. Nur fand ich die Verträge in der alten Auflage ansprechender, jetzt sieht man nur noch einen Handshake. Eine zusätzliche sechste Expeditionsfarbe kann hinzugenommen werden, wenn man das Spiel etwas länger spielen möchte … meiner Meinung nach überflüssig. Auch die Altersangabe wurde von 10 auf 8 heruntergeschraubt, obwohl ich mir nicht ganz sicher bin, dass 8-jährige das benötigte Bluff-Spiel mit dem Gegner schon so perfekt beherrschen.

Lost Cities – Abenteuer to Go ist die kleine Ausgabe des bisherigen Lost Cities. Jedoch wurden hier die Karten durch kleine Papp-Plättchen ersetzt und die Regeln dahingegen modifiziert, dass man keine Kartenhand besitzt, sondern Plättchen stets aus einem gemeinsamen Vorrat aufdeckt um diese dann entweder liegenzulassen, zunächst im Lager zwischenzuparken oder direkt in eigene Expedition zu legen. Das Ganze kostet nur die Hälfte vom regulären Lost Cities und macht mich dennoch nicht so an, denn der Clou bei Lost Cities sind eben die verdeckten Karten auf der Hand und dieses Element verschwindet hier komplett. Dafür passt hier die Altersangabe ab 8 wohl besser, da weniger taktisch als der große Bruder. Vielleicht werde ich es mir bei Gelegenheit mal ansehen, bin aber im Moment noch nicht ganz davon überzeugt.

Auch Keltis – das Spiel des Jahres 2008 ist ab sofort unter dem Lost Cities Logo zu bekommen und heißt schlauerweise Lost Cities: Das Brettspiel. Alles ist gleichgeblieben, bis auf die Grafik und den Spielplan. Meiner Meinung sollte ein Verlag wie Kosmos bei einer solchen Neuauflage fairerweise einen Hinweis auf dem Schachtelcover aufdrucken, dass es sich hierbei um Keltis handelt um evtl. Doppelkäufe ahnungsloser Kunden ein wenig vorzubeugen. Amigo hat es mit Schöne Sch#!?e vorgemacht und sollte als gutes Beispiel für andere Verlage dienen.

Ein Blick auf die Kosmos-Website verrät das „Lost Cities“ – bereits jetzt ein großer Verkaufserfolg in den USA ist. Da hat die Marketing-Abteilung hierzulande offensichtlich viele Jahre gepennt, denn fast ausschließlich Vielspielern ist die zwei-Personen Reihe von Kosmos ein Begriff und ich hoffe das ändert sich jetzt.

Alles in Allem begrüße ich jedoch diese “Neubelebung” von Lost Cities und hoffe es findet auf diesem Wege noch viele, viele Fans. Die hätte das Spiel nämlich auch hierzulande endlich verdient!!

Spieleinfo
Alter: 8+
Spieleranzahl: 2
Spieldauer: 30 min
Verlag: Kosmos
Erscheinungsjahr: 2006

So moderne Klassiker wie Lost Cities findet man auch bei Spielend einfach in Breisach. Einfach mal reinschauen!

One thought on “Lost Cities – Ein taktisches Karten-Duell

  1. Du hattest ja schon vor einer Weile erwähnt, dass du ein Review zu Lost Cities machen möchtest. Schön, dass das tatsächlich geklappt hat.

    Das Spiel hab ich schon einige Jahre im Regal liegen und ist für mich und meine Frau ein echter 2-Spieler Klassiker. Genial ist vor allem die Hektik die zum Ende ensteht und man nur noch schnell seine Karten auf den entsprechenden Stapeln ablegen will. Dabei ist Schnelligkeit (also vergleichbar wie bei Ligretto) gar nicht entscheidend, da das Spiel eh in Runden abläuft. Innerlich fühlt man sich aber getrieben. Ein gutes Zeichen dafür, dass das Spiel einen packt.

    Natürlich muss man bei allem Lob auch erwähnen, dass Lost Cities vom Spielprinzip her recht einfach ist. Einen Taktik- oder Strategiehammer darf man hier nicht erwarten. Eher ein locker leichtes Karten sammen und ablegen. Aber das macht eben auch den Reiz aus.

    Das Kosmos das Spiel jahrelang im Tiefschlaf versauern lassen hat ist schon verwunderlich. Da hat man viele Jahre einfach verschlafen. Ob das Spiel jetzt noch mal richtig zünden muss man sehen. Rainer Knizia selber hat das Spielprinzip in der Zwischenzeit schon wieder vielfach in anderen Spielen verarbeitet, andere Autoren ebenso. Siehe z.B. das genannte Keltis. Dadurch fehlt dem Spiel ein wenig die Frische, auch wenn es immer noch großen Spaß macht. Das man Keltis nun als Lost Cities – Das Brettspiel rausbringt, sehe ich zwiegespalten. So finde ich es einerseits gut, dass Lost Cities nun endlich vielleicht den Bekanntheitsgrad bekommt, den das Spiel verdient hat. Zudem passt Keltis wunderbar in die Lost Cities Welt und hat einen neuen Anschub ebenfalls verdient. Andererseits mag ich Repacks unter neuen Namen einfach nicht wirklich. Hier ist einfach die Gefahr groß ungewollt doppelt zu kaufen.

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