Bei der unermesslichen Auswahl an Gesellschaftsspielen für Groß und Klein fällt es vielen Familien nicht leicht gute von schlechten Spielen zu unterscheiden. Einer von vielen Gründen, weshalb ich diesen Blog und auch meine Brettspielberatung ins Leben gerufen habe.

Steht man aber dann doch mal spontan ohne konkrete Vorstellung im Spielehandel vor einer großen Wand und qualifizierte Beratung ist keine zur Hand, dann helfen ein paar einfache Kriterien bei der Auswahl von Spielen.
 

Augen auf beim Spielekauf – Der Ratgeber für Unterwegs

Aus meiner eigenen jahrelangen Erfahrung und vielen Gesprächen mit anderen Betroffenen habe ich einige Kriterien zusammengestellt, die beim Spielekauf helfen sollen.

  1. Gute Spiele haben ihren Preis:
    Wer qualitativ gute Spiele kaufen will, die auch einen hohen Wiederspielwert haben, sollte nicht am Geld sparen. Gute Spiele haben aus vielen Gründen ihren Preis (hohe Qualität der Spielmaterialien, Entwicklungszeit, Autoren, Grafiker, usw.).Daher sollte man nicht bei jedem Angebot und sei es noch so billig zuschlagen. Hierzu zählen auch Spiele beim Discounter, denn nicht ohne Grund sind es immer wieder die gleichen Spiele, die dort verkauft werden und kurze Zeit später auf dem nächsten Flohmarkt in Hülle und Fülle neue „Opfer“ suchen.

    Was aber nicht grundsätzlich heißt, dass Schnäppchen schlecht sein müssen. Z.B. werden die Spiele des Jahres zu Weihnachten hin regelmäßig ziemlich günstig angeboten. Aber auch hier ist Vorsicht geboten, denn nicht jedes Spiel des Jahres ist automatisch für jeden Spielertyp und Familie geeignet!

    Zudem gibt auch viele sehr gute Spiele für kleines Geld, z.B. Kartenspiele für oft unter 10 €.

    Wer aber eine riesen Box mit viel Material für sehr wenig Geld in Händen hält, sollte sich auf jeden Fall immer fragen, warum das Spiel so günstig angeboten wird.

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  3. Autor, Verlag und Grafiker:
    Genau wie bei Büchern auch, gibt es für Spiele Autoren. Das sind Menschen, die sich in der Regel dem Hobby Gesellschaftsspiel mit Leib und Seele verschrieben haben und ihre Freizeit mit Freunden und Familie diesem Hobby widmen. Einige wenige haben das Glück daraus einen Vollzeitjob zu machen, aber auch unbekanntere Autoren haben immer wieder ausgezeichnete Spielideen.

    Wenn auf dem Spiel nun kein Autor genannt wird hat das in der Regel zwei Gründe:

    • Es gibt keinen, weil das Spiel in der Marketingabteilung eines Megakonzerns entstanden ist, oder
    • Dem Verlag bzw. der Firma ist der Autor des Spiels nicht wichtig genug.

    Beides keine wirklichen Qualitätsmerkmale und daher ist der Name des Autors ein MUSS auf der Spieleschachtel.

    Spieleautoren sind kein Garant für gute Spiele und nicht jedes Spiel ist bis auf Herz und Nieren geprüft. Aber i.d.R. nehmen Autoren ihren Job sehr ernst und unterziehen ihre Spiele ausgiebigen Testrunden und investieren viele Stunden, Tage und Monate um ihre Spiele zu optimieren.

    Ein guter Verlag nimmt sich dann dieser Spiele an und verpackt diese (dann hoffentlich in Absprache mit den Autoren) evtl. noch in ein anderes Themenkostüm und lässt einen professionellen Grafiker ans Werk. Denn auch bei Spielen gilt: Das Auge „spielt“ mit! D.h. nicht selten wird auf der Spieleschachtel neben dem Autor auch der Grafiker genannt. Ebenfalls ein Zeichen für Qualität.

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  5. Die Schachtelrückseite:
    Ein gutes Qualitätsmerkmal in der heutigen Spielezeit ist die Schachtelrückseite. Gibt diese Aufschluss über Spielablauf und Spielmaterial, kann man sich als Kunde schon vor dem Kauf ein Bild vom Spielgeschehen machen.Vorbei sind die Zeiten, in denen auf der Schachtelrückseite reiner Text ohne jegliche Abbildungen zu finden war. Wenn sich der Spielablauf bzw. die Grundregeln aus der Schachtelrückseite entnehmen lassen, können Sie auf jeden Fall besser einschätzen, ob Sie das Spiel mögen könnten oder nicht.

    Auch eine Angabe über Spielerzahl, Spieldauer und Altersangaben sind heute Standard und erwähne ich nur der Vollständigkeit halber.

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  7. Auszeichnungen und Gütesiegel:
    Wer kennt es nicht, das Spiel des Jahres? Gerade eben erst wurden die Preisträger für das aktuelle Spielejahr bekannt gegeben und in den Verlagen laufen die Vertriebsmaschinen jetzt auf Hochtouren.

    Es gibt aber auch andere Auszeichnungen im deutschsprachigen und europäischen Raum, mit denen immer mehr Spiele ausgezeichnet werden und die von den Verlagen gerne als Werbemittel auf ihren Spielen aufgegriffen werden. Es lohnt sich auch mal nach diesen “Gütesiegeln” Ausschau zu halten.

    Einige bekannte neben dem Spiel des Jahres sind:
    Deutscher Spielepreis (zweitwichtigster Spielepreis neben dem Spiel des Jahres)
    Graf Ludo (Spielgrafikpreis)
    – Essener Feder (Wanderpreis für die beste Spielregel)
    Spiel der Spiele (österreichischer Spielepreis)
    – As d’Or (französischer Spielepreis)
    – Mensa Select (Amerikanischer Spielepreis)

    Inzwischen werben einige Verlage auch mit den Gütesiegeln bekannter Brettspiel-Blogs. Dies ist in Deutschland zwar noch nicht so verbreitet, könnte aber in Zukunft durchaus an Bedeutung gewinnen. Aus dem englischsprachigen Raum kommt der Dice Tower Award bzw. der Golden Geek Award, die auch schon auf einigen deutschen Spielen zu finden sind.

    Aber auch hier ist Vorsicht geboten, insbesondere bei Fake-Prüfsiegeln. Wer sich schon mal die Mühe gemacht hat nach dem ominösen “Spieleabend” zu suchen, mit dem HABA wirbt, wird schnell feststellen, dass es sich hierbei nur um eine Marketingmaßnahme handelt. Meiner Meinung nach ein absolutes NO-GO und schlecht für das Image obendrein.

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  9. Titel und Thema:
    Bei der riesigen Masse an Spielen ist es auch für manchen Spieleverlag nicht mehr ganz so einfach ein noch unverbrauchtes Thema und Titel für ihr Spiel zu finden. Aber mal unter uns: Mister Pups und Pipi Party? Wer denkt sich denn so einen Mist aus? Das muss ich nicht haben und ich glaube auch jeder halbwegs vernünftige andere Mensch nicht.

    Der Kauf eines Spiels ist immer auch eine Bauchentscheidung und das Thema sollte einem auf Anhieb zusagen. Wenn mich ein Spiel vom Thema her nicht anspricht, dann lass ich es am besten. Das sollte man sich immer wieder vor Augen halten. Selbst wenn das Spiel einen Preis gewonnen hat oder von anderen noch so hoch gelobt wird. Kann ich mich als z.B. als Eltern nicht mit einem Thema identifizieren, habe ich wahrscheinlich auch keine Lust das Spiel regelmäßig mit dem Nachwuchs zu spielen. Deshalb gilt stets: Das Thema muss passen – immer!

    Ich selbst z.B. kann bis heute den meisten Cowboy-Spielen nichts abgewinnen. So ist auch das Spiel des Jahres 2015 Colt Express ganz einfach nicht in meiner Sammlung gelandet, da mir neben dem Thema auch das Spielprinzip nicht zugesagt hat – tolle 3D-Aufmachung hin oder her.

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  11. Ein Blick in die unterste Regalebene lohnt:
    Wie überall im Einzelhandel üblich, ergattern die Big Player (in diesem Fall die Groß-Verlage) die besten Plätze.
    Gerade in Kaufhäusern a la Müller, Kaufhof, etc. ist die Verlagsauswahl nicht allzu groß. Hier dominieren die großen deutschen Verlage wie z.B. Ravensburger, HABA, Mattel und Co. ganz eindeutig das Geschehen. Dies gilt für kleinere Spielwarenhandlungen ebenfalls, allerdings ist hier die Auswahl der angebotenen Verlage in der Regel doch etwas bunter.

    Aber überall gilt: ein Blick in die unterste Regaletage schadet nie. Oft sammeln sich hier einzelne Spiele teils kleinerer Verlage, die von der breiten Masse auf Augenhöhe nicht wahrgenommen werden. Vielleicht auch die ein oder andere Brettspiel-Perle, über deren Fund und Erwerb man sich dann doppelt freut.

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  13. Elektronik und Plastik:
    Hier scheiden sich wahrscheinlich die Geister.
    Insbesondere Kinder fühlen sich magisch von jedem elektronischen Spielzeug angezogen, am besten wenn es noch blinkt und Geräusche von sich gibt. Aber müssen diese Spielzeuge wirklich in Brettspielen zum Einsatz kommen?

    Meine Erfahrung zeigt, dass Kinder gerne mechanische Spiele mögen, bei denen Sie selbst etwas bewegen müssen und nicht der Computer das Spielgeschehen dominiert.

    Dabei spielt es keine Rolle, ob das Spiel jetzt aus Plastik ist oder aus Holz. Holz als Spielmaterial fühlt sich auf jeden Fall toll an, aber es gibt auch einige gute Spiele mit Plastikteilen auf dem Markt, die genauso zu überzeugen wissen. Z.B. das von mir so geschätzte Crazy Coconuts, bei dem die ganze Familie mitspielen kann und das sehr gut verarbeitete Plastikteile hat (von den Affen bis hin zu den sehr dickwandigen Bechern).

    Holz als Spielmaterial schlägt sich zudem auch immer im Spielpreis nieder, da die Produktion viel aufwendiger und der Rohstoff Holz teurer ist als Billigplatik aus China. Wer also Holzspiele bevorzugt sollte immer ein paar Euro mehr im Geldbeutel haben.

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    Bessere Spiele kaufen

    All die von mir aufgeführten Kriterien sollen kein Garant dafür sein, dass man am Ende auch tatsächlich ein super Spiel in Händen hält, dass einem wirklich gefällt und immer wieder gerne gespielt wird. Und sicherlich wären mir noch viele weitere kleine Aspekte eingefallen, die bei der Auswahl helfen könnten. Dies hätte dann aber den Rahmen gesprengt und die Kriterien sollen ja nur einen Anhaltspunkt liefern.

    Aber vielleicht helfen einzelne Punkte dabei nicht total danebenzugreifen und zumindest ein halbwegs anständiges Spiel mit nach Hause zu nehmen.

    Werfen Sie mal einen Blick auf die Mattel und HASBRO Spiele, die man an jeder Ecke findet … na klingelt‘s! Hier gehen Qualität und Preis Hand in Hand. Hauptsache laut, lustig und mit viel Plastik. Fragt sich nur, wie oft diese “Spiele” tatsächlich gespielt werden um danach für immer verstaubt in der Ecke zu stehen.

    Wer noch weitere Anregungen zum Thema hat, kann diese gerne unten als Kommentar posten. Ich hoffe ich konnte allen Hilfesuchenden ein wenig weiterhelfen und die Auswahl möglicher Spiele für die Zukunft ein wenig einschränken.

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