Spiele zum Thema Kunst und insbesondere der bildenden Kunst gibt es nicht wirklich viele. Ein paar Partyspiele hier (z.B. Pictomania), ein paar strategischere Familienspiele da (z.B. Modern Art), und besonders die zweiten gefallen mir in der Regel ganz gut. Leider ist den meisten keine große Auflage beschieden, so dass sie nach kurzer Zeit wieder von der spielerischen Bildfläche verschwinden – um Übrigen zu Unrecht, wie ich meine.

Mit Kanagwa von Iello liegt nun ein Spiel vor, das rein optisch schon sehr künstlerisch anmutet. Es gilt ein harmonisches Landschaftsbild im asiatischen Stil zu malen und dabei möglichst geschickt Pinsel und Gemälde zusammenzuführen.
 

Kanagawa – erst Farben, dann Bilder

Grundsätzlich ist Kanagawa ein Kartenlegespiel, das jedoch seinen ganz eigenen und originellen Regeln folgt.

Die Karten sind jeweils zweigeteilt:

  • Die eine Hälfte zeigt das eigentliche Gemälde in 4 unterschiedlichen Jahreszeiten und mit 4 unterschiedlichen Motiven (Bäume, Tiere, Personen, Gebäude).
  • Die andere Hälfte ist für das Atelier und hält neben den 4 Farben (blau, grün, gelb und schwarz) auch noch wichtige Boni wie weitere Farbtöpfe, Assistenten, Bewegungspunkte und Harmoniepunkte bereit.
    Ohne Farben keine Bilder, soviel schon mal vorab.

Die Rückseiten der Karten geben einen Hinweis auf das mögliche Motiv der Vorderseite, sind sie doch ebenfalls in 4 Farben gehalten. Gelb für Gebäude, Grün für Bäume, Blau für Tiere und Rot für Personen.

Kanagwa von IelloZu Spielbeginn erhält jeder Spieler ein Startplättchen, das ebenfalls zweigeteilt ist. Der obere Teil bildet den Anfang des Gemäldes und der untere Teil stellt das Atelier da. Im Verlauf des Spiels werden die Karten rechts unter die jeweilige Hälfte gelegt (gefächert), so dass die Auslage zur Seite hin wächst.
Das Startplättchen liefert jedem Spieler eine andere Anfangsfarbe sowie eine andere Startjahreszeit für das eigene Gemälde. Hinzu erhält jeder Spieler zwei Farbtöpfe (optisch sehr schön mit eingelassenem Pinsel), die er zunächst beiseitestellt.
Zuletzt werden noch die Diplomplättchen sowie der Spielplan (aus Bambus) bereit- und die Spielkarten als verdeckter Stapel danebengelegt.

Der Startspieler erhält die Figur des Großmeisters und legt die ersten Karten (=Lektionen) aus. Hierbei wird für jeden Mitspieler eine Karte ausgelegt, z.T. jedoch verdeckt (entsprechend der Abbildung auf dem Spielplan).Nun darf sich beginnend beim Startspieler der Reihe nach jeder Mitspieler für eine Karte aus der Kartenauslage entscheiden und diese zu sich nehmen. Es kann jedoch auch gepasst werden.

Hat man sich für eine Karte entschieden, muss diese direkt in die eigene Auslage gelegt werden. Entweder ins Atelier oder als Teil des Gemäldes. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass man das Gemälde nur dann „weitermalen“ kann, wenn man auch die hierfür benötigten Farben (1-2) im Atelier hat. Hierzu muss auf der jeweiligen Farbe ein Farbtopf stehen und pro Runde darf auch nur max. einer versetzt werden.

Sollten ein oder mehrere Spieler gepasst haben, dann wird eine weitere Reihe Karten (unter die noch ausliegenden) hinzugefügt. Wer bereits Karten genommen hat ist aus der laufenden Runde raus, aber alle anderen haben nun die Chance zwei Karten zu nehmen, indem sie sich für eine der ausliegenden Kartenspalten entscheiden. Auf diese Weise kann man pro Runde max. 3 Karten erhalten.
Der Spieler, der zuletzt eine Karte mit Assistent ausgelegt hat erhält den Großmeister und wird Startspieler der Folgerunde.

Sobald ein (oder mehrere) Spieler mindestens 10 Karten in sein Gemälde gelegt hat oder der Kartenstapel leer ist, ist das Spiel zu Ende.

Eine weitere wichtige Komponente des Spiels sind die Diplomplättchen. Diese liefern wichtige Bonuspunkte für das Spielende aber auch wichtige Boni für das laufende Spiel. Es gibt viele unterschiedliche Diplome, die man erreichen kann. Für die einzelnen Motive gibt es welche, aber auch für die Anzahl gleicher Farben, Farbtöpfe und Bewegungspfeile (alle über das Atelier erhältlich). Sobald man eine der zahlreichen Bedingungen für ein Diplom erfüllt hat, kann man sich für oder gegen das Diplom entscheiden.
Z.B. kann man sich ein Personendiplom für 3 Bonuspunkte nehmen, sobald man 2 unterschiedliche Personen ausliegen hat. Oder man verzichtet darauf, denn für 3 verschiedene Personen bekommt man schon 4 Punkte und ein nicht ganz unwichtiges Gewitterplättchen (=Joker für die Endwertung). Pro Objekt darf man jedoch nur ein Diplom besitzen und sich zu einem späteren Zeitpunkt für ein Diplom zu entscheiden, das man in einer Vorrunde abgelehnt hat ist nicht erlaubt.

Am Ende des Spiels gibt es Punkte für:

  • jede Karte des Gemäldes (inkl. dem Startplättchen),
  • den größten zusammenhängenden Teil des Gemäldes (hierbei spielt die Jahreszeit eine Rolle und Gewitterplättchen können als Joker eingesetzt werden),
  • zusätzliche Punkte sowohl auf dem Gemälde als auch im Atelier,
  • Bonuspunkte von den Diplomplättchen,
  • 2 Extra-Punkte für den Spieler mit der Großmeisterfigur.

Der Spieler mit den meisten Punkten hat das harmonischste Bild gemalt und gewinnt Kanagawa.
 

Kanagawa – wunderschönes Spiel mit origineller Ausstattung

Als ich Kanagawa das erste Mal in Händen hielt war ich zunächst mal sehr von der Optik angetan. Die Spielkomponenten sind wirklich schön anzusehen und auch die Grafik ausgesprochen ansprechend gestaltet. Das der Spielplan aus Bambus ist und zusammengerollt werden kann ist auf jeden Fall ein Eye-Catcher und auch die Farbtöpfe mit integriertem Pinsel sind extrem originell. Auch die restlichen Komponenenten sind auf hohem Niveau produziert. Die Dimplomplättchen sind schön dick, die Karten hingegen relativ dünn (jedoch sehr stabil). Müssen sie aber auch sein, sonst könnte man sie ja nicht wirklich gut untereinanderfächern.

Auch das Spielprinzip hat mir von Anfang an sehr gut gefallen. Ein bisschen Kartensammeln hier, ein wenig Push-Your-Luck dort – für mich eine gelungene Mischung eines gehobenen Familienspiels. Zumal ich ein großer Fan von Karten mit multiplen Funktionen bin, wie ich es aus anspruchsvolleren Spielen auch schon kenne.

Jedoch war ich mir nicht sicher, ob das mit den Karten unterschieben so einfach klappen würde. Die Tests auf meinem glatten Esstisch verliefen katastrophal, ständig verschob sich die Auslage oder die Farbtöpfe fielen um. Es musste also eine Lösung her.
Und siehe da: die ungenutzten Platz-Sets aus Stoff sind hervorragend für dieses Spiel geeignet. Zum einen verrutschen die Karten nicht und durch die leichte Unebenheit lassen sich neue Karten problemlos unter die bereits ausliegenden schieben. Selbst mein Vater mit seinen dicken Wurstfingern (sorry Papa für den Ausdruck!) hatte keine Probleme damit die Karten vernünftig zu verwalten.

Kanagawa
ist ein ruhiges Spiel und kommt damit dem gewählten Thema sehr gut entgegen. Jede Runde muss man neu entscheiden, ob man die erstbeste Karte nimmt oder auf eine evtl. optimal passendere Kartenauslage wartet, immer mit der Angst im Nacken, dass diese dann von der Konkurrenz weggeschnappt wird.

Zudem sollte man versuchen sich auf 2 – 3 Gebieten zu spezialisieren um somit an die wichtigen Diplompunkte fürs Spielende zu kommen. Sie es durch die Spezialisierung auf einzelne Motive und/oder das Sammeln von Farben, Farbtöpfen etc. im Atelier. Eine Kombination aus beidem ist da nicht ganz verkehrt, denn mit zwei Farbtöpfen alleine wird man das Spiel nicht gewinnen.
Sobald ein paar Runden gespielt wurden kann das Spielende plötzlich ganz schnell kommen, nämlich dann wenn ein Spieler ganz unverhofft 2 – 3 Karten in sein Gemälde legt. Daher gilt es bei Kanagawa stets die Konkurrenz im Blick zu behalten, auch wenn jeder zunächst sein eigenes Ding macht.

Kanagawa ist ein Kartensammelspiel für alle jene, denen die Klassiker a la Rommee, Phase 10 etc. zu ausgelutscht erscheinen und die sich gerne mal in komplexere Gefiele wagen wollen.

PS: Es wäre wirklich großartig, wenn es von Modern Art mal wieder eine Neuauflage gäbe. Wer es auf eBay oder einem Flohmarkt sieht, sollte auf jeden Fall zugreifen! Ein wundervolles Auktionsspiel für tolle Spieleabende.
 

Spieleinfo
Alter: 10+
Spieleranzahl: 2 – 4
Spieldauer: 45 Min
Verlag: Iello
Erscheinungsjahr: 2016
 
Da ich Kanagawa so ein schönes Spiel finde, habe ich es direkt in mein Spielend einfach Sortiment aufgenommen.

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