Von manchen Spielen erwartet man nicht wirklich viel und wird dann auf angenehme Weise positiv überrascht.

So erging es mir jüngst mit Illusion vom Nürnberger Spielkartenverlag. Die nette Dame vom Marketing hat mir das kleine Kartenspiel zusammen mit einem anderen Rezensionsexemplar (Würfelland – Review folgt in Kürze) geschickt und ich war erst skeptisch, ob mir das Spiel wirklich gefallen würde.

Inzwischen habe ich Illusion schon so oft auf den Tisch gebracht, wie kein anderes Spiel in den letzten Wochen und es hat ausnahmslos allen, die es gespielt haben, sehr gut gefallen. Ein einfaches Konzept mit simplen Regeln, das doch zum Grübeln anregt und die Wahrnehmung schult. Bunte Bilder wollen nach einer Farbe sortiert werden. Gar nicht so einfach, besonders dann, wenn das Gehirn einem Dinge vorgaukelt, die es so gar nicht gibt …
 

Illusion – Farbe im Auge des Betrachters

Illusion besteht aus 98 Farbkarten in den wildesten Mustern, die sich immer aus den Farben grün, gelb, blau und rot (auf weißem Hintergrund) zusammensetzen. Auf der Rückseite der Karten sind die Prozentzahlen der jeweiligen Farben (absolut) angegeben, diese werden im späteren Spielverlauf zur Überprüfung benötigt. Dazu gibt es noch 12 Pfeilkarten, jeweils 3 pro Farbe.

Beide Kartenstapel werden getrennt gemischt und offen bereitgelegt.

Zu Rundenbeginn wird die erste Pfeilkarte in die Tischmitte gelegt, diese gibt die Farbe für die laufende Runde vor. Die erste Karte vom Farbkartenstapel wird danebengelegt (mit etwas Platz rechts und links) und nun beginnt der erste Spieler. Zeigt der Pfeil z.B. die Farbe Rot, dann wird in dieser Runde nach roten Flächen auf den Karten gefragt.

Wenn man am Zug ist

  • nimmt man entweder die nächste Karte vom Farbkartenstapel und muss nun entscheiden, ob auf dieser Karte mehr oder weniger der gefragten Farbe zu sehen ist, als auf den bereits ausliegenden Karten. So entsteht in Pfeilrichtung eine Kartenreihe, wobei der Anteil der festgelegten Farbe auf jeder Karte in Pfeilrichtung immer höher werden muss. Es ist erlaubt die Karte sowohl an den Anfang der Reiche, ans Ende, aber auch dazwischen zu platzieren.
  • kann man aber auch die Korrektheit der ausliegenden Farbreihe anzweifeln (dies gilt für alle bis auf den ersten in der Runde).
    Nun werden alle Karten auf ihre Rückseiten gedreht um die tatsächlichen Prozentangaben für die aktuelle Farbe überprüft:

    • Ist die Reihenfolge tatsächlich falsch, so erhält der anzweifelnde Spieler die Pfeilkarte,
    • stimmt die Abfolge, erhält die Pfeilkarte der angezweifelte Vordermann, egal ob dieser die Karte falsch angelegt hat oder bereits ein anderer Spieler zuvor.

Alle ausgespielten Farbkarten werden beiseitegelegt und eine neue Runde beginnt. Nun darf der Spieler beginnen, der die letzte Pfeilkarte erhalten hat.

Nach 12 Runden ist Schluss und gewonnen hat der Spieler mit den meisten gesammelten Pfeilkarten.

Illusion von NSV

 

Illusion – Optische Täuschungen inbegriffen

Illusion ist ein kleines, feines Spiel, dass ich in diesem Jahr wohl noch oft zu allen möglichen Anlässen auspacken werde. Es ist so einfach erklärt, dass es wunderbar auch generationenübergreifend funktioniert … vorausgesetzt man ist nicht farbenblind. Das ist das einzige Manko, der Rest ist meiner Meinung nach absolut gelungen.

Die Regeln sind entsprechend der Spieltiefe kurz, lassen aber keine Fragen offen. Die Spielkarten sind von ordentlicher Qualität und ich muss den Prozentangaben auf der Rückseite trauen, auch wenn ich manchmal wirklich erstaunt bin über die Ergebnisse. Ich gehe mal davon aus, dass beim Nürnberger Spielkartenverlag die Qualitätskontrolle stimmt und die Prozentangaben tatsächlich korrekt sind.

Illusion ist kurzweilig und bestens geeignet für den Start in einen längeren Spieleabend oder auch für Urlaube oder den bevorstehenden Sommer im Freibad. Dennoch ist es wirklich fast immer knifflig den richtigen Platz in der Farbreihe zu finden. Nicht selten stimmen dann beim Überprüfen Prozentzahlen auch überein oder der Fehler bewegt sich im Rahmen von 1 – 2 %. Illusion schult auf interessante Weise die Wahrnehmung von Flächen, denn die meisten Objekte auf den Karten überschneiden sich und so lässt man sich dann auch leicht in die Irre führen, wenn man z.B. denkt man würde einen kompletten Balken sehen, obwohl dieser doch an diversen Stellen durch andere Farben unterbrochen ist.

Wird die Reihe aber immer länger, dann ist man durchaus geneigt das Ergebnis anzuzweifeln … es wird ja auch immer schwerer die nächste Karte anzulegen und es wird sich schon irgendwo ein kleiner Fehler eingeschlichen haben. Mir gefällt auch, dass es eine feste Rundenzahl gibt, wodurch die Spieldauer ziemlich gut abzuschätzen ist, denn selten wird eine Reihe länger als 7 oder 8 Karten.

Illusion
hat mich beim ersten Anspielen direkt an Anno Domini von Abacus erinnert, bei dem das Spielprinzip des Anlegens (jedoch in chronologischer Abfolge) identisch ist. Jedoch hat bei Anno Domini jeder Spieler zu Beginn eine Auswahl an 9 Karten, die er im Laufe des Spiels loswerden muss. Da man bei Anno Domini auch neue Karten zur Strafe nachziehen muss, kann sich dort die Spieldauer durchaus in die Läge ziehen. Auch wenn spielthematisch nicht vergleichbar, sagt mir Illusion da mit seiner doch recht kurzen und überschaubaren Spieldauer etwas mehr zu. Für Anno Domini muss ich in der richtigen Stimmung sein … Illusion kann ich immer spielen.

Laut Regel sollte Illusion beendet werden, wenn ein Spieler 3 Pfeilkarten ergattern konnte. Aber das Spiel ist so fesselnd und kurzweilig, dass man gerne die 12 Runden spielt. Und auch wenn der ein oder andere Spieler gerne mal zu Grübelorgien neigt, irgendwie muss man sich immer entscheiden, denn genau weiß man ja doch nicht, ob die eigene Karte wirklich an die Stelle passt, die man ausgesucht hat.

Ich habe das Spiel wie eingangs erwähnt nun wirklich schon unzählige Male gespielt und es wird nie langweilig. Ich gehöre auch nicht zu den Leuten, die sich die %-Zahlen auf der Rückseite merken. Die Variabilität von Spiel zu Spiel ist durch die Pfeilkarten und die Abfolge der Farbkarten wirklich hoch, so dass keine Runde der anderen gleicht. Auch sind die Grafiken z.T. sehr unterschiedlich, so dass sich viel Karten rein von der Optik gar nicht wirklich vergleichen lassen. Und sollte man dann doch mal eine halbwegs identische Karte in die Finger bekommen (z.B. einen Haufen Kreise), dann unterscheiden die sich in Größe, Anzahl und Verteilung.

Illusion kann ich wirklich ALLEN empfehlen. Unerwartet … aber richtig gut!!

Vielen Dank an Frau Ullrich vom Nürnberger Spielkartenverlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!
 

Spieleinfo
Alter: 8+
Spieleranzahl: 2 – 5
Spieldauer: 15 min
Verlag: Nürnberger Spielkartenverlag
Erscheinungsjahr: 2018

One thought on “Illusion – Mehr oder weniger blau?

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