So triviale Würfelspiele wie Kniffel & Co. locken mich persönlich schon lange nicht mehr aus der Reserve und wenn es in greifbarer Nähe eine Alternative gibt, versuche ich diese einfachen Würfelspiele, bei denen (fast ausschließlich) das Glück dominiert, zu umschiffen. Jetzt steht auf der Empfehlungsliste zum Kennerspiel dieses Jahres ein Würfelspiel, das etwas komplexer durchaus mein Interesse geweckt hat.

Bei Ganz schön clever werden nicht einfach nur Zahlenkombinationen gefragt, sondern jeder Würfel hat eine eigene Farbe, die einem eigenen Wertungsbereich zugeordnet ist. Natürlich spielt auch Glück eine Rolle, aber die Würfelergebnisse möglichst geschickt zu nutzen ohne den Mitstreitern einen allzu großen Vorteil zu gewähren, darin liegt die besondere Hürde.

Dabei hat Ganz schön clever mit Spielen wie Kniffel eigentlich gar nichts mehr zu tun, denn durch gezielte Manipulation und strategische Überlegungen liegt der Gewinn ein wenig in den eigenen Händen und nicht nur in denen Fortunas.
 

Ganz schön clever – Kombinationen und Füchse

Ausgepackt macht Ganz schön clever nicht viel her: Ein 100-seitiger Spielblock, 6 Holzwürfel in sechs Farben (gelb, blau, grün, orange, violett und weiß), sowie 4 kleine schwarze Filzstifte.

Nimmt man den Block aus der Spielbox blickt man auf ein silbernes Tablett, das im Spielverlauf eine nicht unwichtige Rolle spielt.

Vom Block erhält jeder Mitspieler zu Beginn einen Spielplan. Dies ist in 8 Bereiche unterteilt:

  • die Würfelfelder, auf denen im Laufe der Runde max. 3 ausgewählte Würfel platziert werden,
  • der Rundenanzeiger (abhängig von der Spielerzahl werden 4, 5 oder 6 Runden gespielt),
  • der Bonusbereich (unterteilt in Nach- und Zusatzwurf) sowie
  • 5 Farbbereiche (gelb, blau, grün, orange und violett).

Zu Rundenbeginn markieren alle Spieler das erste Rundenfeld und erhalten den zugehörigen Bonus (1x nachwürfeln). Dieser wird im Bonusbereich durch umkreisen markiert und kann im späteren Spielverlauf strategisch genutzt werden.

Sodann beginnt der Startspieler und würfelt mit allen Würfeln. Sagt ihm eines der Würfelergebnisse zu, legt er den entsprechenden Würfel auf das oberste Würfelfeld und markiert im farblich passenden Bereich ein Feld mit der entsprechenden Zahl. Alle Würfel, die einen kleineren Wert zeigen landen auf dem silbernen Tablett und dürfen nicht mehr weiterverwendet werden. Der aktive Spieler darf noch zwei weitere Male würfeln und somit noch (max.) zwei andere Würfel nutzen.

Danach dürfen die anderen Mitspieler vom silbernen Tablett einen Würfel nutzen und das passende Ergebnis auf ihrem Spielplan eintragen. Danach kommt der nächst Spieler im Urzeigersinn an die Reihe und darf wieder alle Würfel verwenden.

Was gleich zu Beginn auffällt: alle Farbbereiche sehen anders aus und funktionieren ein wenig anders:

  • Bei Gelb gibt es ein quadratisches Zahlenraster in dem die Zahlen 1 – 6 jeweils 2x vorkommen und eine der Diagonalen bereits zu Beginn mit Kreuzen versehen ist. Wird ein gelber Würfel genommen, wird ein Kästchen mit entsprechendem Zahlenwert markiert. Gibt es kein passendes Zahlenfeld mehr, verfällt der Wurf. Hier gilt es möglichst viele Spalten vollzubekommen um Punkte zu sammeln.
  • Der quadratische blaue Bereich weist Zahlen von 2-12 auf. Hier werden stets die Werte des blauen und weißen Würfels addiert um das Zielfeld zu ermitteln. Jedes angekreuzte Feld bringt Punkte, je mehr desto besser.
  • Grün, orange und violett sind nur einfach Reihen, bei denen ein Pfeil auf der linken Seite darauf hinweist, dass hier die gewählten Zahlen stets von links nach rechts einzutragen sind. Jedoch gibt es auch hier unterschiedliche Regeln:
    • Im grünen Bereich müssen die Zahlen einen bestimmten Wert vorweisen. Dieser steigt von 1 bis 5 an und beginnt dann wieder bei 1. Auch hier gilt, je mehr Felder angekreuzt wurden, desto besser für die Endabrechnung.
    • Im orangen Bereich kann jede beliebige Zahl eingetragen werden, einige Kästchen verdoppeln bzw. verdreifachen jedoch den Wert. Für die Endauswertung werden die eingetragenen Zahlen addiert.
    • Und bei violett muss die nachfolgende Zahl zwingen höher sein als die zuvor. Es sei denn man hat eine 6 eingetragen, dann darf drauffolgend wieder eine beliebige Zahl eingetragen werden. Auch hier werden die eingetragenen Zahle addiert.

Der weiße Würfel übernimmt eine Doppelrolle: entweder er wird wie oben beschrieben für den blauen Bereich mit dem blauen Würfel kombiniert oder er kann als Joker für einen der anderen Farb-Bereiche fungieren.

Ganz schön clever - Würfel und Spielpläne

So weit so gut. Hört sich vielleicht erst mal gar nicht so spannend an. Aber da kommt noch was …
in jedem Bereich gibt ein paar schöne bunte Zusatzfelder. Einige Spalten, Zeilen und Felder weisen an deren Ende farbige Kästchen, Bonusfelder und Füchse auf. Schafft es ein Spieler z.B. im gelben Bereich eine Zeile komplett zu füllen, dann darf er entweder im blauen oder grünen Bereich noch ein weiteres Kreuz setzen, erhält eine orange 4 oder einen Fuchs. Im blauen Bereich kann man solche Boni für jede vollständige Zeile und Spalte erhalten. Bei grün, orange und violett gibt es ebenfalls einige Bonusfelder … Kettenreaktionen erwünscht!

Und dann gibt es noch die eingangs erwähnten Felder im Bonusbereich:

  1. Für jeden Nachwurf-Bonus darf man einmalig im eigenen Zug zu einem beliebigen Zeitpunkt noch alle zur Verfügung stehenden Würfel neu würfeln. Gegebenenfalls auch mehrmals hintereinander (vorausgesetzt man hat mehr als einen solchen Bonus freigeschalten).
  2. Jeder Zusatzwurf-Bonus erlaubt am Ende des Zuges (als aktiver aber auch passiver Spieler) einen beliebigen Würfel erneut zu nutzen, egal ob dieser auf dem silbernen Tablett liegt oder nicht. Jeder Würfel dar auf diese Weise aber nur 1x zusätzlich genutzt werden. D.h. es ist nicht erlaubt in einem Zug 3x den selben Würfel zu verwenden.

Nach 4, 5 oder 6 Runden (abhängig von der Spielerzahl) ist Schluss und dann wird gewertet. Die gesammelten Punkte pro Farbbereich werden festgehalten.
Hinzu kommen die Füchse: jeder Fuchs bring nochmals so viel Punkte wieder der Farbbereich mit den wenigsten Punkten. Wer danach die meisten Punkte hat ist wohl cleverer als der Rest oder vielmehr Kombi-König(in) 😉
 

Ganz schön clever – Wer clever kombiniert …

Wenn’s flutscht, macht Ganz schön clever am meisten Spaß! Wenn man sich von einer Kombination zu nächsten schwingt und so locker mal 4-5 Kreuze am Stück macht, dann hüpft das Spielerherz. Darauf läuft’s hinaus. Wer dieses Erlebnis einmal hatte, der will nochmal und nochmal und nochmal. Denn es macht schon ein bisschen süchtig und beim nächsten Mal versucht man dann auch immer etwas zu verbessern, d.h. noch mehr Kettenreaktionen zu erwürfeln oder sich mal in einem anderen Bereich zu profilieren. Das gelingt dann aber tatsächlich doch nicht immer wie geplant, denn Würfel sind nun mal Würfel.

Aber es gibt ja Abhilfe, zumindest ein wenig: die Nach- und Zusatzwürfe. Eines der vielen Gründe, warum ich Ganz schön clever immer wieder gerne spiele. Denn auch wenn die Manipulationsmöglichkeiten sich in Grenzen halten und zunächst spärlich gespickt sind, sind diese zum richtigen Zeitpunkt eingesetzt goldwert. Denn einen guten Würfel gleich 2x im Zug zu nutzen kann durchaus sinnvoll sein. Sei es eine violett oder orange 6, die direkt nochmal Zusatzfelder freischaltet bzw. doppelt gewertet werden darf oder ein gelber bzw. weißer Würfel, der eine Reihe vervollständigt und damit ebenfalls Kombinationen ermöglicht.

Klar ist auch allen recht schnell: alles kann man nicht haben. Man kann versuchen sich auf einen Bereich zu fokussieren, alle haben ihren Reiz und Vorteil. Die maximale Punkteausbeute ist tatsächlich auch relativ gleich verteilt. Im violetten Bereich kommt man recht bald an Bonusfelder, aber da kommt man eben nicht so einfach voran auf Grund der Einschränkungen. Zu Beginn des Spiels (in den ersten 2-3 Runden) gibt es eh nicht so viel zu holen. Mal da ein Bonus, mal hier, aber noch nicht die richtig Guten, wo man in einem Rutsch 3 – 4 Felder abstreicht. Ein wenig Fokus schadet somit nie.

Dennoch sollte man NIEMALS die Füchse aus den Augen lassen. Wer alle seine Bereiche gut bedient und dann noch ein paar Füchse einsammeln konnte, der holt bei der Endwertung nochmal richtig fett Punkte und in der Regel auch den Sieg.

Hinzu kommt, dass man stets auch einen Blick für die Spielfelder der Mitspieler haben sollte. Eine weiße 6 aufs Tablett zu legen gilt als grob fahrlässig. So einen Leckerbissen wissen alle anderen stets gewinnbringend zu nutzen. Aber auch andere Zahlen können den Gegnern durchaus in die Hand spielen. Am besten man legt gerade zu Ende des Spiel Würfel aufs Tablett, welche die Mitspieler gar nicht mehr nutzen können, weil die Auswahl möglicher Felder mit der Zeit (gerade bei gelb, blau und grün) doch etwas mager wird.

Die Regeln zu Ganz schön clever finde ich persönlich auch gar nicht so kompliziert. Es ist ja alles auch auf den einzelnen Spielplänen recht gut abzulesen. Jede Farbe hat ihren eigenen Bereich, das erschließt sich sehr schnell. Nur die Sache mit dem weißen Würfel, der entweder als Joker für gelb, orange, grün oder violett oder eben in Kombination mit dem blauen Würfel genutzt werden kann bedarf in der Regel wiederholter Erläuterung. Aber auch das haben so gut wie alle Mitspieler bisher nach einem Spiel geschnallt.
Das Regelheft ist ausführlich und vielen Beispielen versehen. Dennoch unterlief mir in den ersten Spielen ein Regelfehler bzgl. der Bonuswürfel: dieser darf auch genutzt werden, wenn man selbst nicht aktiver Spieler ist, das hatte ich geflissentliche überlesen.

Die Ausstattung ist solide, auch wenn ich inzwischen Kunststoffwürfel bevorzuge. Der Grund: bei weißen Holzwürfeln verliert sich mit der Zeit die Farbe und die Würfel sehen dann recht schnell abgegriffen aus. Wer Heckmeck sein Eigen nennt, der weiß was ich meine. Aber das ist nur eine Randbemerkung und hat mit der Qualität des Spiels und auch des restlichen Spielmaterials nichts zu tun.

Allerdings stört mich, dass auf allen Seitenrückseiten eine Punktetabelle ist und nicht nochmal ein Spielplan. Denn wer Ganz schön clever für sich entdeckt, der wird schnell einige Partien hinter sich bringen und der Block wird schnell dünner – auch wenn er mit 100 Blatt zunächst gut bestückt erscheint. Die beigefügten Stifte sind nett – besonders, wenn ich das Spiel unterwegs spielen will. Denn Ganz schön clever ist wunderbar als Reisespiel geeignet, das man bequem sowohl am Flughafen als auch am Strand oder abends auf dem Hotelbalkon spielen kann.

Inzwischen habe ich auch schon einige Solopartien hinter mir. Denn auch für ein kleines Solo-Spielchen zwischendurch eignet sich Ganz schön clever bestens, da ist dann auch in 15 min gespielt. Hierfür wird ein virtueller Gegner ins Spiel gebracht, der ebenfalls jede Runde einmal würfelt. Die Würfel mit den 3 niedrigsten Zahlen stehen mir dann zur Auswahl auf dem silbernen Tablett zur Verfügung und wollen weise genutzt werden. Am Ende kann man die so erreichten Punkte mit einer Tabelle vergleichen, aber eigentlich ist das Ziel die eigene Bestmarke immer mal wieder zu knacken. Mein bis dato bester Solo-Marke liegt bei 268 Zählern, da gelte ich schon als Genie ;-). Mit 280 Punkten hat man den Gipfel erklommen … ob ich das je schaffe steht in den Sternen.

So habe ich inzwischen auch schon gut ein Drittel des 100 Blatt dicken Spielblocks verbraten. Es wird dringen Zeit 4 Spielblätter in Folie zu schweißen. Denn Ganz schön clever wird aktuell immer wieder gerne in allen erdenklichen Zusammensetzungen gespielt, da es sich als anspruchsvolleres Familienspiel wunderbar für Gelegenheits- aber auch Vielspieler eignet. Hier passt der von Schmidt gewählte Slogan “Klein & Fein” perfekt! Übrigens bin ich ja nicht der Meinung, dass es sich hierbei um ein Kennerspiel handelt, also bitte nicht von diesem möglichen Titel abschrecken lassen!

Ganz schön clever ist nun das vierte Spiel von Wolfgang Warsch in diesem ersten Halbjahr 2018. Jetzt habe ich Rezensionen zu all seinen Neuheiten verfasst und warte gespannt auf den Herbst, für den zwei weitere Titel von ihm angekündigt sind… wir lassen uns überraschen.

Vielen Dank an Frau Sakri und den Schmidt-Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Ganz schön clever!

Spieleinfo
Alter: 8+
Spieleranzahl: 1 – 4
Spieldauer: 30 – 45 min
Verlag: Schmidt
Erscheinungsjahr: 2018

Wer sich von Ganz schön clever anstecken lassen will, der kann gerne mal bei Spielend einfach in Breisach reinschnuppern. Erklären lassen, anspielen und kaufen!

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