Iello macht bekanntlich schöne Spiele. Auch das jüngst erschienen Fairy Tile macht hier keine Ausnahme.

Dass es sich bei dem Spiel um ein glückslastiges Taktikspiel handelt, lässt sich auf den ersten Blick wirklich nicht erahnen, geht es doch darum geschickt die drei Hauptcharaktere auf dem stetig wachsenden Königreich in Position zu bringen um einzelne Kapitel des zu Beginn unbekannten Märchens zu erzählen. Doch nicht alles was glänzt ist aus Gold und so hat Fairy Tile lichte und dunkle Momente …
 

Fairy Tile – Die Geschichte des Drachen, der Prinzessin und ihrem Ritter

Wer Fairy Tile auspackt, dem stechen zunächst die 3 Hauptcharaktere ins Auge: 4 cm hohe detailliert ausgearbeitete und angemalte Spielfiguren. Hinzu kommen 15 Gebietsplättchen mit unterschiedlicher Vorder- und Rückseiten, bestehend aus drei Hexfeldern, die Wälder, Berge, Ebenen, Flüsse und Schlösser zeigen. Des Weiteren gibt es noch 36 schön bebilderte Buchseiten (Aufgabenkarten) sowie 4 runde Magiesteine.

Drei markierte Gebietsplättchen bilden die Startauslage und werden nach Vorgabe aufgebaut. Hier hat jede Spielfigur einen eigenen Startpunkt: die Prinzessin startet im Schloss, der Ritter im Wald und der Drache im Gebirge. Die restlichen Gebietsplättchen werden gemischt und zunächst beiseitegelegt.

Die Buchseiten werden ebenfalls gemischt und gleichmäßig verdeckt an die Mitspieler verteilt. Jeder Spieler darf sich nun die oberste Karte (= Seite) von seinem Kartenstapel (= Märchenbuch) ansehen und verdeckt vor sich legen. Hinzu erhält jeder Spieler einen Magiestein mit der aktiven (leeren) Seite nach oben.

Der älteste Spieler beginnt und darf eine der folgenden Aktionen durchführen:

  1. Figur bewegen oder
  2. Gebietsplättchen anlegen oder
  3. die nächste Buchseite aufschlagen.

Entschließt sich der Spieler eine Figur zu bewegen (Option 1), so darf er zwischen den drei Charakteren wählen. Dabei hat jede Figur ihre eigenen Zugregeln:

  • Die Prinzessin läuft immer genau ein Feld weit, kann jedoch zusätzlich von Schloss zu Schloss springen. Dies aber nur, wenn sie sich davor oder danach auch bewegt.
  • Der Ritter läuft immer genau zwei Felder weit, darf aber nicht auf dem Ausgangsfeld oder einem dazu benachbarten zum Stehen kommen.
  • Der Drache bewegt sich immer entlang einer Richtung bis zum Ende des Spielfeldes, er darf nicht vorher stehenbleiben.

Falls man keine Figur bewegen möchte, kann aber auch ein neues Geländeplättchen anlegen (Option 2). Dazu nimmt man das oberste Plättchen und legt dieses beliebig an das bereits ausliegende Königreich an. Dazu muss das neue Gebiet an mind. zwei zusammenhängende Kanten des Königreichs angrenzen. Sollte man an einen Fluss anlegen, so ist dieser zwingend fortzusetzen.

Danach kann man prüfen, ob man die aktuelle Aufgabe erfüllt hat. Ist dies der Fall kommt diese Buchseite zur Seite und man darf sich die nächste Karte vom Kartenstapel ansehen.
Die Aufgaben sind alle ähnlich gestrickt und lauten z.B.: „Der Ritter und der Drache treffen sich auf der Ebene“ oder „Die Prinzessin kann 3 in gerader Linie liegende Wälder sehen“. Wichtige Stichworte auf den Aufgabenkarten sind Sehen, Besuchen und Treffen, die in beliebiger Kombination mit den Geländearten und den drei Charakteren genannt werden.

Sollte man weder mit Option 1 oder 2 zufrieden sein, da die aktuelle Aufgabe zum aktuellen Zeitpunkt nicht erfüllbar scheint, so kann man auch die nächste Seite im Buch aufschlagen. Hierzu legt man die aktuelle Karte wieder verdeckt unter den Stapel und zieht die nächste Karte. Nur in diesem Fall darf der Magiestein auf seine Magieseite gedreht werden. Er erlaubt für die Zukunft einen Doppelzug, für den er dann wieder auf seine inaktive Seite zurückgedreht wird.

Nach dem Zug eines Spielers ist der Nächste im Uhrzeigersinn an der Reihe.

Das Königreich wächst und es werden immer mehr Aufgaben seitens der Spieler gelöst bzw. Kapitel des Märchens erzählt. Sobald ein Spieler seine Geschichte zu Ende erzählt hat (d.h. alle Aufgaben erfüllt hat) gewinnt dieser nach maximal 30 Minuten dieses Legespiel namens Fairy Tile.

Fairy Tile - Auslage nach ein paar Runden
 

Fairy Tile – Einfaches Spiel in schöner Verpackung

Als Fairy Tile in diesem Frühjahr angekündigt wurde, habe ich mich wirklich sehr darauf gefreut. Endlich mal wieder ein optisch ansprechendes Spiel für die ganze Familie mit geringer Einstiegshürde, mit dem man auch Nicht- bzw. Wenigspieler an den Spieltisch locken kann. Und genau das bekommt man mit Fairy Tile auch: nicht mehr und nicht weniger.

Man sollte von Fairy Tile nicht zu viel erwarten. Das Spiel hat seine Höhen und Tiefen, mit einer wenig mehr redaktionellen Arbeit seitens des Verlags hätte man sicher den ein oder anderen Schnitzer vermeiden können, doch hierzu später mehr.

Denn Vieles macht Fairy Tile aber auch genau richtig:
– Man kann ohne großen Aufbau und mit kurzer Regelerklärung direkt losspielen. Damit bietet es auch Nichtspielern und Kindern im Vorschulalter einen leichten Einstieg und vielleicht wächst daraus ja auch das Interesse an meeeeeehr!
– Für alle, die zu Beginn noch eine Hilfestellung benötigen liegen dem Spiel vier Übersichtskarten bei, auf denen kurz die Optionen, Zugmöglichkeiten und Stichworte erklärt sind.
– Die Aufmachung lockt auch Spielemuffel aus der Reserve und das ganze Spielmaterial hat einen durchweg hohen Aufforderungscharakter. So überzeugen nicht nur die Spielfiguren, sondern auch die optisch herausragende Grafik der einzelnen Karten.
– Da keiner die Aufgaben der anderen kennt und jeder Spieler auf alle Charaktere zugreifen kann gibt fast Chancengleichheit, auch wenn Glück eine nicht ganz unwichtige Rolle spielt. Hier muss ich mich als Elternteil nicht absichtlich doof stellen um zu verlieren ;-
– Der Spielablauf an sich verläuft relativ flüssig. Oft wird eine Aufgabe nach der anderen erfüllt, manchmal muss man aber auch knobeln um eine Aufgabe zu erfüllen und vorzubereiten. Gerade zu Beginn macht es daher oft Sinn die nächste Seite aufzuschlagen, auch um sich einen Überblick über die Aufgaben zu verschaffen. Die Mischung stimmt hier ganz gut und oft ist das Spiel noch vor den angegebenen 30 Minuten Spielzeit entschieden.

Die Regel mit ihren 12 Seiten erscheint zunächst recht umfangreich angesichts des doch recht simplen Spielablaufs. Doch hier wird alles en Detail erläutert , mit Beispielen versehen und jede noch so kleine Frage beantwortet. Nicht verkehrt, musste auch ich nach anfänglichen Spielfehlern die Regel noch 1-2 Mal zur Hand nehmen. Folgendes gilt es nämlich zu beachten: eine Aufgabe mit den Stichworten Treffen und Besuchen gilt nur dann als erfüllt, wenn man eine der betreffenden Figuren im eigenen Zug tatsächlich auch bewegt hat. Stehen diese aus einem vorangegangen Zug per Zufall schon am richtigen Ort beisammen, dann zählt dies nicht. Ebenso muss der Fluss nicht immer fortgesetzt werden (ein Fehler meiner ersten beiden Partien), sondern kann tatsächlich auch an anderen Stellen wieder entspringen. Sollte man jedoch ein Plättchen an einem bereits ausliegenden Fluss anlegen, so muss dieser zwingend fortgesetzt werden.

Große vorausschauende Planung ist nicht möglich, da ja stets alle Spieler auf die drei gleichen Charaktere zugreifen und versuchen ihre eigenen Ziele schnellstmöglich abzuarbeiten. Da nimmt man die (ungeplanten) Vorlagen der anderen Mitspieler gerne in Kauf, sollte aber auch nicht davor scheuen eine Aufgabe zu überspringen, wenn diese für den Moment nicht machbar erscheint und die Gegenspieler offenbar auch ganz andere Ziele verfolgen. Einen Blick auch für die möglichen Ziele der Mitspieler zu haben ist zwar nicht kriegsentscheidend, kann aber durchaus helfen die eigenen Ziele zu erreichen. Denn es macht wenig Sinn den gleichen Charakter auf dem Spielfeld vor und zurückzubewegen ohne dass ein Spieler seinem Ziel näherkommt.

Wie bereits erwähnt bin ich mit Fairy Tile aber nicht durch und durch glücklich. Meine 6-jährige Tochter war von Fairy Tile auf Anhieb sehr angetan. Das Material lädt ja auch wirklich direkt zum Losspielen ein. Dumm nur, dass es sich bei schön bebilderten Märchenseiten um Textaufgaben handelt, die wenn auch einfach formuliert doch voraussetzt, dass man lesen kann. Meiner Meinung nach hätte man das auch über Symbole wunderbar umsetzen können, die dann auch für jüngere Kinder einfach zu verstehen gewesen und damit der Zugang auch für Kinder ab 6 möglich gewesen wäre. Dann hätte man die Geschichte einfach weggelassen (der Zusammenhang zu den Bildern ist teilweise ehr mehr an den Haaren herbeigezogen als passend) und hätte diese stattdessen etwas umfangreicher auf der Rückseite der Regel platzieret. So liest sich die fortlaufende Geschichte (die Karten sind von 1-36 durchnummeriert) dann auch sehr holprig … aber was macht man als Mutter nicht alles um dem Nachwuchs eine Freude zu machen. So warte ich also auf den Tag, an dem meine Tochter endlich lesen kann, damit ich auch mit Ihr Fairy Tile spielen kann, was sie eigentlich heute schon könnte angesichts der geringen Komplexität des Spiels.

Hinzu kommt, dass die Spielfiguren und die dazugehörigen Aufgaben sehr unterschiedlich zu meistern sind. Denkt man zunächst die Prinzessin mit ihrer Bewegungseinschränkung von einem Feld sei schwer zu steuern, so realisiert man schon nach einer halben Partie, dass der Drache das eigentlich Problem darstellt. Die Drachen-Aufgaben sind tatsächlich am schwersten zu meistern und nicht selten halten die Verlierer mehrere dieser Karten noch auf der Hand. Das denkt man auf den ersten Blick gar nicht, da der Drache sich ja am schnellsten fortbewegen kann. Aber leider schießt er damit gerne über sein Ziel hinaus und so braucht es oft 3-4 Züge um seine Aufgaben zu meistern, besonders dann, wenn das Königreich schon ordentlich gewachsen ist. Das sind dann nicht selten 1-2 Züge zu viel. Wer also viele Drachenkarten auf der Hand hält ist von vornherein schlecht dran. Auch da hätte der Verlag meiner Meinung nach Hand anlegen müssen.

Um diese Unausgewogenheit ein wenig zu eliminieren sortiere ich nun die Karten vor dem Spiel: alle Karten, auf denen sich der Drache mit jemandem trifft oder eine Aufgabe hat, werden zunächst aussortiert (immerhin 16 von 36 Karten). Diese werden separat gemischt und ausgeteilt. Danach werden die anderen Karten gemischt und ausgeteilt. Jeder Spieler mischt dann nochmals seinen Kartenstapel bevor es losgeht. Im Spiel zu dritt darf der Spieler beginnen, der eine Drachenkarten mehr bekommen hat als die beiden anderen.

Fairy Tile macht nicht alles richtig und ich würde es auch nicht uneingeschränkt empfehlen. Wer schon diverse Spiele zu Hause hat und ein wenig mehr Herausforderung sucht, der wird mit Fairy Tile nicht glücklich werden. Wenn man jedoch noch nicht so viel Spielerfahrung hat und gerne ein Spiel mit dem Nachwuchs auf Augenhöhe spielen und einfach nur eine gute Zeit zusammen verbringen möchte, dann sollte man Fairy Tile durchaus eine Chance geben. Denn eines ist sicher … hier ist nichts sicher und Fairy Tile passt vielleicht doch beim ein oder anderen Spielenachmittag ganz gut rein.

Vielen Dank an Andrea vom Hutter Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Fairy Tile!

Spieleinfo
Alter: 8+
Spieleranzahl: 2-4
Spieldauer: 30 min
Verlag: Iello
Erscheinungsjahr: 2018

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.