Es gibt wenige Spiele, die für eine große Runde geeignet sind, eine gewisse strategische Tiefe mitbringen (ohne in ihren Regeln zu komplex zu sein) und dann auch noch in verhältnismäßig kurzer Zeit zu spielen sind. Das alles trifft auf Citadels zu: Ein Spiel, in dem alle Spieler versuchen, ein ansehnliches kleines Städtchen aufzubauen und gleichzeitig den Mitspielern möglichst viele Steine in den Weg zu legen … ohne selbst zum Opfer zu werden.

Wem das jetzt irgendwie bekannt vorkommt, der hat sich nicht getäuscht. Denn Citadels ist die Neuauflage des Spieleklassikers Ohne Furcht und Adel, das schon fast 20 Jahre auf dem Buckel hat und dennoch immer wieder gerne gespielt wird.

Nur das Citadels jetzt mehr von allem hat: Mehr Gebäude, mehr Charaktere und dadurch noch mehr langanhaltenden Spielspaß.
 

Citadels – Wer hat Angst vorm Assassinen

Ziel bei Citadels ist es eine Stadt mit möglichst prunkvollen Gebäuden zu bauen. Zur Seite stehen den Spielern dabei mehr oder wenige intrigante Individuen, die das Spielgeschehen auf positive oder negative Weise beeinflussen.

Zu Beginn erhält jeder Spieler verdeckt 4 Gebäudekarten sowie 2 Goldstücke aus dem Vorrat. Die restlichen Gebäudekarten werden gemischt und in einem Stapel verdeckt bereitgelegt.

Die 8 unterschiedlichen Charakterkarten werden gemischt und ein Startspieler bestimmt, der die Königskrone an sich nimmt (und somit für die erste Runde König ist).
Der König legt zwei Karten offen in die Mitte sowie eine weitere verdeckt. Danach wählt er geheim eine der noch übrigen Charakterkarten aus und gibt die restlichen Karten an seinen linken Mitspieler weiter. Dies geht so weiter, bis auch der letzte Spieler einen Charakter gewählt hat und die letzte Karte ebenfalls wieder verdeckt in die Tischmitte legt.

Jedem Charakter ist eine Nummer zugewiesen (1 – 8), die nun der Reihe nach vom König aufgerufen wird.

Wird der Charakter eines Spielers aufgerufen, darf sich dieser zu erkennen geben und seinen Zug durchführen. Dieser besteht immer aus genau zwei Phasen:

  1. Einkommen nehmen: entweder zwei Gold oder zwei neue Karten, von denen eine behalten werden darf
  2. Max. ein Gebäude aus der Hand bauen und die Baukosten hierfür bezahlen.

 

Citadels Spielkomponenten

 

Zusätzlich darf der Spieler die Sonderfähigkeit des gewählten Charakters nutzen:

  1. Die Assassine darf einen Charakter töten. D.h. der Spieler mit diesem Charakter muss diese Runde aussetzen
  2. Der Dieb darf einen anderen Charakter bestehlen, bevor dieser Einkommen erhält
  3. Die Magierin kann Karten entweder mit anderen Spielern oder dem Nachziehstapel tauschen
  4. Der König wird Startspieler für die nächste Runde und erhält für Adelsgebäude (gelb) in der eigenen Auslage Gold
  5. Der Bischof erhält für Religionsgebäude (blau) in der eigenen Auslage Gold und ist gegen Angriffe des Charakters Nr. 8 gefeit
  6. Die Händlerin bekommt ein Gold mehr und zusätzlich Gold für Handelsgebäude (grün)
  7. Die Baumeisterin bekommt zusätzlich zwei Gebäudekarten und darf bis zu 3 Gebäude bauen.
  8. Der Söldner kann Gebäude anderer Mitspieler zerstören (außer die des Bischofs) und bekommt zusätzlich Gold für Militärgebäude (rot).

Wurden alle Charaktere ausgespielt (mit Ausnahme des evtl. gemeuchelten), gehen alle Charakterkarten zurück an den (evtl. neuen) König und die nächste Runde beginnt mit der Auswahl neuer Charaktere.

Das Spiel endet sobald ein Spieler min. 7 Gebäude errichtet hat. Die aktuelle Runde wird zu Ende gespielt, danach kommt es zur abschließenden Wertung:

  • Der Wert jedes Gebäudes entspricht der Anzahl aufgedruckter Münzen (= Kaufpreis)
  • Zusätzlich gibt es 3 Punkte, wenn man von jedem der 5 Gebäudetypen ein Gebäude ausliegen hat
  • Der erste Spieler, der 7 Gebäude errichtet hat erhält 4 Punkte, der zweit noch 2.
  • Hinzu kommen Sonderpunkte durch einzigartige Gebäude (lila)

Der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt das Spiel.
 

Citadels – Die Charaktere bestimmen das Spiel

Bereits seit über 30 Jahren bin ich dem Hobby Brettspiel verfallen und suche immer nach guten Spielen, mit denen man anderen Menschen die Leidenschaft für das Gesellschaftsspiel näherbringen kann. Ohne Furcht und Adel bringe ich z.B. schon seit vielen Jahren regelmäßig in meinen Spielegruppen auf den Tisch – insbesondere bei Neueinsteigern. Denn die Regeln sind wirklich simpel: Charakter auswählen, Einkommen nehmen, Karten auslegen.

Es gibt wenige Spiele, die man mit mehr als vier Leuten in unter einer Stunde spielen kann, die aber dennoch ein wenig mehr zu bieten haben als die gängigen “Glücksspiele”. Citadels lebt von seinen Charakteren. Jede Runde versucht man den besten Charakter für die eigene Strategie zu wählen, vorausgesetzt man bekommt diesen auch in die Finger und er wird nicht vor seinem Einsatz ins Jenseits befördert. Bluffen ist hier hohe Kunst und genauso die Abschätzung und Beobachtung der Mitspieler.

Hier wird gelauert und geblufft, gebibbert und gejubelt. Denn nichts macht mehr Spaß, die Charaktere der anderen zu erraten um z.B. mit dem Dieb auf fetten Beutezug zu gehen, oder einem Mitspieler den ganzen Zug zu nehmen, indem man seinen Charakter tötet. Zugegeben, es gibt einige Charaktere, die sind beliebte Opfer: die Händlerin kann ganz schön Kohle ins Haus schwemmen – vorausgesetzt sie darf in der aktuellen Runde überhaupt mitspielen und wird nicht vorher gemeuchelt.

Ohne die Charakterkarten wäre Citadels ein belangloses Karten-Auslegespiel. Die Tiefe des Spiels ergibt sich aus den Charakteren und die muss man zugegebenermaßen erst mal kennenlernen. Wer aber erst mal eine Runde gespielt hat, will sicherlich gleich noch 1 bis 2 hintendran hängen.

Auch den lila Gebäuden mit ihren Spezialfunktionen kommt eine besondere Bedeutung zu, da von ihnen immer nur 14 in jedem Spiel mit dabei sind. Im Gegensatz zu den normalen Gebäuden geben einem diese Karten Sonderboni entweder für das laufende Spiel oder für die Endwertung. So wird aus der Kombination Charaktere & einzigartige Gebäude jedes Spiel von Citadels ein wenig anders ablaufen.

Die Spielausstattung von Citadels lässt keine Fragen offen. Im Vergleich zum Vorgänger Ohne Furcht und Adel gibt es von allem viel mehr:

  • 27 Charaktere: 3 Sets von 1 – 9, die beliebig kombiniert werden können
  • 36 einzigartige Gebäude, von denen aber immer nur 14 mitspielen
  • Aktionsarten, die es in bisherigen Auflagen so noch nicht gab und die einem in der Regel einmalige Boni gewähren.

Hinzu kommen Übersichtskarten für alle Spieler, auf denen der Rundenablauf, die Gebäudetypen und die Endwertung zusammengefasst sind.
Für jeden Charakter gibt es ein Charakterplättchen, das zu Spielbeginn in die Mitte ausgelegt wird. So wissen alle Spieler welche Charaktere im aktuellen Spiel mit von der Partie sind.

Auch grafisch wurde nochmal eine Schippe zu dem bereits sehr ansprechend gestalteten Vorgänger draufgepackt: die Gebäudekarten sehen noch eindrucksvoller aus und sind jetzt auch für Farbenblinde spielbar (da jede Gebäudearte jetzt nicht nur durch eine Farbe, sondern auch Symbol markiert ist). Die Charakterkarten sind fast doppelt so groß wie die ursprünglichen und die dazugehörigen Fähigkeiten jetzt ebenfalls viel besser zu lesen. Die Schrift im alten Spiel war hier wirklich ausgesprochen klein!

Hinzu kommt, dass es jetzt ca. 50% weibliche Protagonisten gibt. Im alten Furcht und Adel waren diese rein männlich, lediglich in der Erweiterung hatten zwei Ladies einen Auftritt.
Einige Charaktere aus dem Original wurden überarbeitet oder ersetzt, dazu kommen 9 komplett neue Charaktere. Insbesondere gibt es jetzt Charaktere, die für spezielle Gebäudearten kein Geld, sondern weitere Karten ausschütten. Eine schöne Möglichkeit an neue Karten zu kommen. Denn dies war für mich immer so ein kleiner Kritikpunkt am Original: Wenn man zu viele teure Karten auf der Hand hatte, konnte man nicht so wirklich viel damit anfangen. Und oft will man eigentlich Geld als Einkommen nehmen und keine Karten.

Das beigefügte Regelwerk von Citadels ist sehr umfangreich. Jede Phase des Spiels ist detailliert beschrieben, ebenso die einzelnen Charaktere und einige Gebäude.

Für eine Zusammenstellung aus Charakteren und einzigartigen Gebäuden gibt es insgesamt 6 Empfehlungen, erfahrene Spieler können aber auch getrost frei Gebäude und Charaktere zusammenstellen.
Die Rückseite der Regel liefert auch nochmal eine Zusammenfassung für den Spielaufbau und wichtige Begrifflichkeiten.

Citadels spielt sich meiner Meinung nach am besten in Runden von 4 – 6 Spielern, bei 7 und 8 Spielern kann das Spiel in seiner Dauer schon mal den Wohlfühlpunkt an Spielzeit überschreiten.
Aber auch zu zweit und dritt kann sich Citadels sehen lassen, denn hier erhält jeder Spieler 2 Charaktere und kann dadurch auch eher mal Geld in einer Runde ansparen um teurere Gebäude zu bauen.

Wie bereits eingangs erwähnt ist Citadels die Neuauflage von Ohne Furcht und Adel, welches es derzeit auch noch im Handel gibt … jedoch nur das Grundspiel mit 8 Charakteren und 65 Bauwerken. Wen das Konzept anspricht sollte aber auf jeden Fall die 10 – 12 Euro mehr in die Hand nehmen und direkt Citadels kaufen.

Citadels ist eine absolute Empfehlung für jeden, der Spiele mag und gehört für mich zu einem der Spiele, die jeder zu Hause haben sollte.

Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Hans im Glück Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!
 

Spieleinfo
Alter: 10+
Spieleranzahl: 2 – 8
Spieldauer: 30 – 60 min
Verlag: Hans im Glück Verlag
Erscheinungsjahr: 2017
 

Citadels verkaufe ich auch bei Spielend einfach in Breisach. Einfach mal vorbeikommen und beraten lassen!

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.