Kniffel wird in vielen Familien- und auch Erwachsenenrunden gerne auf den Tisch gebracht. Ob als Urlaubsspiel, Absacker oder Partyspiel.

Ich selbst kann mich noch an viele Spieleabende erinnern, an denen Kniffel gespielt wurde. Oft an Silvester zusammen mit Freunden meiner Eltern, oder auch im Urlaub. Kniffel ist deshalb so beliebt, weil man die hierfür benötigten Spielmaterialien immer zur Hand hat. 5 Würfel reichen aus, noch einen Stift und Papier und schon kann es losgehen, denn die Regeln/Wertung kennt jeder.

Grundsätzlich ist es ja auch nicht verkehrt, aber das Kniffel-Prinzip (3 x Würfeln und das Beste daraus machen) wurde in den letzten Jahren in so viele verschiedene Richtungen weiterentwickelt, dass auch hier schon wieder einige deutlich interaktivere und spannendere Klassiker entstanden sind.
Denn eines fehlt meines Erachtens Kniffel ganz besonders: die Interaktion. Jeder spielt doch für sich. Es ist zwar spannend und interessant den anderen beim Würfeln zuzusehen, aber im Endeffekt ist man dem Glück der Würfel ausgesetzt, ohne diese wirklich beeinflussen zu können. Und wenn dann ein Mitspieler schon früh seinen ersten oder am besten zweiten Kniffel gewürfelt hat, steht der Gewinner eigentlich schon fest.

Daher will ich Euch heute ein paar Alternativen zum altbekannten Kniffel vorstellen.
Die Spiele, die ich heute vorstelle, sind alle schon eine Weile auf dem Markt und das nicht ohne Grund: Interaktion ist bei allen dreien fester Bestandteil und hat wohl auch deshalb zu deren langjährigen Erfolg beigetragen. 
Ich hoffe es ist für jeden Geschmack eine Alternative dabei und würde mich freuen, wenn diese noch mehr Fans finden würden.

 

Meine drei Alternativen zu Kniffel

Alternative 1: Heckmeck am Bratwurmeck

Heckmeck funktioniert in Familien sowie reinen Erwachsenenrunden tadellos und ist sicherlich auch schon zu den Klassikern zu zählen.
Ich selbst besitze das Spiel bestimmt schon sein über 8 Jahren und hole es immer wieder gerne hervor. Insbesondere wenn die Runde etwas größer ist, denn es gibt wenige Spiele, die man mit mehr als 5 Spielern spielen kann. Die Spielschachtel sieht auch deutlich abgegriffener aus als andere – ein klares Qualitätsmerkmal 😉

Heckmeck von ZochSpielprinzip:

Bei Heckmeck geht es darum, möglichst viele Würmer in Form von Spielsteinen zu sammeln. Diese Spielsteine sind mit Zahlen von 21 – 36 zur Verfügung auf denen 1 – 4 Würmer abgebildet sind. Je höher der Zahlenwert, umso mehr Würmer (d.h. erst ab der 33 gibt es 4 Würmer zu holen).

Reihum wird mit 8 Würfeln gewürfelt. Auf den Würfeln sind die Zahlen 1-5 sowie ein Wurm abgebildet. Nach dem Würfeln muss man sich für einen Wert entscheiden und alle zughörigen Würfel beiseitelegen. Danach kann man mit den restlichen Würfeln weitermachen.

Ziel ist es nun mindestens 21 Punkte zu erwürfeln, um einen der ausliegenden Spielsteine zu ergattern. Hierzu wird jedoch auch noch mindestens ein gewürfelter Wurm (hat den Wert 5) benötigt. Es dürfen auch nur Spielsteine genommen werden, die dem gewürfelten Wert oder weniger entsprechen. Die genommenen Steine werden vor dem Spieler gestapelt. Der jeweils oberste kann von einem Mitspieler geklaut werden, falls der es schafft den exakten Wert zu würfeln.

Dumm läuft es, wenn man sich fürs Weiterwürfeln entscheidet und nur noch Werte würfelt, die man bereits herausgelegt hat. Dann hat man einen Fehlwurf und beendet seinen Zug ohne einen Chip nehmen zu dürfen. Zu allem Übel muss man dazu noch den obersten Chip aus der eigenen Sammlung zurück in die Reihe legen – vorausgesetzt man hat schon einen.

Sobald alle Spielsteine entweder einen Besitzer gefunden haben oder gewendet wurden (dies erfolgt immer dann, wenn ein Chip zurück in die Reihe muss) wird abgerechnet. Der Spieler mit den meisten Würmern hat gewonnen.

Meine Meinung:

Heckmeck ist eines jener Spiele, die überall gut ankommen und gerade für Grundschüler super zum Rechnen lernen geeignet sind. Ich liebe die Spielsteine bei Heckmeck, die liegen einfach toll in der Hand und lassen sich super stapeln. Die Würfel sind jedoch aus Holz, da löst sich mit der Zeit die weiße Farbe ab. Es kann jedoch sein, dass dies inzwischen geändert wurde. Wie bereits oben erwähnt ist meine Kopie schon ein paar Jahre alt.

Zum 10-jährigen Jubiläum wurde dem Spiel im letzten Jahr noch eine Erweiterung spendiert (Heckmeck Extrawurm), die dem ganzen etwas mehr spielerische Tiefe verleiht.

Heckmeck am Bratwurmeck sollte in keinem Spielehaushalt fehlen, denn auch in reinen Erwachsenenrunden macht es richtig viel Spaß und mit Kindern zusammen sowieso.

Spieleinfo:
Alter: 8+ (7+)
Spieleranzahl: 2 – 7
Spieldauer: ~ 20 min
Verlag: Zoch
Erscheinungsjahr: 2006
Preis: ~ 13 €

 

Alternative 2: King of Tokyo

Als King of Tokyo vor einigen Jahren erschienen ist, war es direkt wieder ausverkauft. Und dann wieder, und wieder, und wieder. Es gab Zeiten, da war es echt schwer an dieses schöne Spiel heranzukommen. King of Tokyo hat inzwischen die Welt erobert und liegt in mindestens 20 Sprachen vor. Wäre es ein Buch – ein Bestseller!

Dennoch ist King of Tokyo bei Ottonormalspielern relativ unbekannt: Das Cover schreit geradezu Comic und Kinderspiel, dabei steckt darin so viel mehr.

Spielprinzip:King of Tokyo von Heidelberger

Das Grundprinzip bei King of Tokyo entspricht Kniffel in seiner Reinform. Man darf 3x Würfeln und kann auch Würfel, die man bereits zur Seite gelegt hat nochmals benutzen.

Das Spiel besteht aus 6 Würfeln, einem Spielplan (hierzu gleich mehr), 6 Papp-Monstern und den dazugehörigen Monsteranzeiger, sowie einem dicken Stapel Karten. Auf den Monsteranzeigern werden Lebenspunkte (man startet mit 10) und Siegpunkte festgehalten.

Die Würfel zeigen die Werte 1 -3, ein Herz, einen Blitz und eine Tatze. Mit den Zahlen lassen sich Siegpunkte sammeln, mit Herzen lassen sich Lebenspunkte regenerieren, für die Blitze bekommt man Energiesteine und mit der Tatze kann man die anderen Monster verkloppen.

Jedoch gibt es für fast jedes Symbol Einschränkungen in der Nutzung:

  • Punkte bekommt man nur, wenn man mind. 3x die gleiche Zahl gewürfelt hat. Für 3×1 einen Punkt, für 3×2 zwei und für 3×3 drei. Für jede weitere identische Zahl noch einen Siegpunkt mehr.
  • Herzen darf man nur benutzen, wenn man nicht in Tokyo steht (hierzu gleich mehr)
  • Mit Tatzen trifft man entweder alle anderen Monster oder das Monster in Tokyo. Steht man außerhalb von Tokyo bekämpft man ausschließlich den Mitspieler in der Stadt. Sollte dieser daraufhin den Schwanz einziehen und Tokyo verlassen, so muss man dessen Platz einnehmen. Befindet man sich hingegen in Tokyo, dann trifft jede gewürfelte Tatze alle Mitspieler.
  • Sollte die Lebensanzeige mal auf den Wert Null fallen, ist man aus dem Spiel. In Tokyo hat man vor- und Nachteile: Man bekommt für den Einzug und jede Runde, die man dort überlebt hat Siegpunkte. Leider darf man seine Lebenskraft dort nicht regenerieren.
  • Die Energiesteine darf man gegen ein oder mehrere der 3 ausliegenden Karten eintauschen. Die Karten liefern Sonderboni, die man entweder einmalig sofort oder dauerhaft nutzen kann.

Gewinnen kann man King of Tokyo auf zweierlei Weisen: entweder man sammelt als erster Spieler 20 Siegpunkte oder ist das „Last Monster Standing“.

Meine Meinung:

King of Tokyo funktioniert am besten in einer Runde zu viert. Der besondere Reiz dieser Kniffel-Variation in den Karten, die jeden Mitspieler im Laufe des Spiels mit Sonderfunktionen ausstattet. Jedoch wird man sich nie mehr als 3 oder 4 kaufen können. Stets gilt es die Gegner im Auge zu behalten und rechtzeitig aus Tokyo zu verschwinden um wieder zu Kräften zu kommen. Hinzu kommt der Hohe Grad an Interaktion. Kaum eine Runde geht vorbei, ohne dass die Monster sich gegenseitig bekämpft haben. Auch einige Karten Erlauben den Eingriff in die Würfelwürfe oder Entscheidungen anderer Mitspieler. In reinen Frauenrunden dominiert die erste Gewinnvariante, wird mit Männern gespielt geht es meist etwas rauer zu.

Auch zu King of Tokyo gibt es bereits Erweiterungen. Wer die Monster mit jeweils eigenen Karten und Kräften individualisieren will, dem sei die Power-up Erweiterung wärmstens empfohlen.

Sollte Euch King of Tokyo sehr gut gefallen und ihr wollt einen Schritt weitergehen, dann kann ich Euch noch King of New York ans Herz legen. Der Nachfolger ist vor 1 1/2 Jahren erschienen und ist ein klein wenig anspruchsvoller, da hier auch Gegner auf dem Spielplan bekämpft werden wollen.

Spieleinfo:
Alter: 8+
Spieleranzahl: 2 – 6
Spieldauer: 30 min
Verlag: Heidelberger Spielverlag
Erscheinungsjahr: 2011
Preis: ~ 28 €

 

Alternative 3: BANG! The dice game

Das Kartenspiel BANG! gibt es schon viele Jahre und ging an mir spurlos vorbei. Zählt es doch zu den sogenannten Deduktionsspielen, bei denen man andere Spieler einschätzen muss.

Als jedoch BANG! The dice game vor ein paar Jahren die Spieleszene erobert hat, war auch ich sehr angetan davon, auch wenn es eines der wenigen Partyspiele in meiner Sammlung ist. Ich finde die Idee Deduktion mit Würfelglück zu kombinieren richtig gut. Es gewinnt auch nicht notwendigerweise immer ein Spieler, manchmal sind es auch mehrere. Und man weiß nie, wer auf der eigenen Seite steht.

Spielprinzip:BANG! Würfelspiel von Abacusspiele
Zu Beginn des Spiels erhält jeder Spieler einen Charakter, der individuelle Fähigkeiten und Lebenspunkte mit sich bringt, sowie eine verdeckte Identität (=Rolle).

Abhängig von der zugeteilten Rolle ist auch das Spielziel unterschiedlich:

  • Der Sheriff muss alle Bösewichte (Gesetzlose und Banditen) aus dem Weg räumen
  • Der Hilfssheriff muss dem Sheriff helfen
  • Die Banditen müssen den Sheriff ausschalten
  • Und die Gesetzlosen müssen als einzige überleben.

Den Sheriff gibt es jedoch immer und der Mitspieler mit dieser Rolle ist auch der einzig bekannte, deckt er doch zu Spielbeginn seine Identität auf.

Nun wird Reihe um mit den 5 Würfeln gewürfelt. Die Würfel zeigen Pfeil, Dynamit, Fadenkreuz (mit den Werten 1 und 2), Bier sowie einen Gatling.

Es darf bis zu 3x gewürfelt werden, auch hier wieder mit Einschränkungen wie bereits beim oben erwähnen King of Tokyo:

  • Dynamit darf nicht neu gewürfelt werden. Sammelt man 3 davon, dann muss man seinen Zug beenden und verliert einen Lebenspunkt.
  • Mit den Fadenkreuzen treffe ich die Mitspieler, die einen bzw. Zwei Plätze entfernt sitzen.
  • Sammle ich mindestens drei Gatling-Symbole, dann verlieren alle anderen einen Lebenspunkt.
  • Mit Bier bekommt ein beliebiger Mitspieler Lebenspunkt zurück.
  • Einen Pfeil darf ich zwar neu würfeln, bekomme aber einen Pfeilmarker. Sind alle Marker verteilt, dann greifen die Indianer an und man verliert Lebenspunkte entsprechend der Anzahl an Pfeilen, die man bis dato gesammelt hat. Danach kommen die Pfeile wieder in den Vorrat und es wird von neuem Verteilt.

Sobald ein Mitspieler das Ziel seines Charakters erreicht hat endet das Spiel sofort. Und es kann eine neue Runde gestartet werden.

Meine Meinung:

Abhängig von der Spieleranzahl sind einzelne Rollen nicht dabei, bzw. nur einfach vertreten. Daher macht BANG! auch erst ab mind. 6 Leuten so richtig Spaß.

Thematisch ist BANG! The dice game mit seinen Charakteren wunderschön eingebettet. Hier wird geschossen und explodiert was das Zeug hält. Keiner bleibt verschont und dennoch gilt es schon recht schnell herauszufinden, mit wem man zusammenarbeiten muss und wen es zu bekämpfen gilt.

Die Zuweisung der Würfelergebnisse ist Spielentscheidend, daher ist stets auch auf die Reaktion und die Regungen der anderen zu achten. Schwierig wird es, wenn ausschließlich Pokerspieler am Tisch sitzen, die so gar keine Regung zeigen.

Wenn ihr ein Partyspiel sucht, das so gar nichts mit TABU zu tun hat, dann seid ihr hier genau an der richtigen Adresse.

Spieleinfo:
Alter: 8+
Spieleranzahl: 3 – 8 (je mehr desto besser)
Spieldauer: 30 min
Verlag: Abacusspiele
Erscheinungsjahr: 2013
Preis: ~ 18 €

 

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