Wer Spiele spielt kennt Monopoly. Monopoly ist wohl das Gesellschaftsspiel schlechthin, hat es doch schon annähernd 100 Jahre auf dem Buckel und wird nach wie vor in Massen verkauft – in geschätzt 1.000 verschiedenen Versionen, die im Kern doch immer gleich sind. Vermutlich aus Gewohnheit und kindlicher Nostalgie.

Auch ich habe Lieblingsspiele aus meiner Kindheit, muss aber immer wieder feststellen, dass die meisten mich heute nicht mehr vom Hocker reisen. Monopoly gehört schon seit etlichen Jahrzehnten nicht mehr zu diesen Lieblingsspielen: es ist zu lang und zu fies, denn die Würfel bestimmen ALLES!!! Ist man erst mal abgeschlagen ist an aufholen kaum noch zu denken.

Dennoch hat Monopoly einige Kernmechanismen die mich reizen, aber in anderen modernen Spielen viel schöner und/oder familienfreundlicher verpackt sind.
 

Monopoly – Was mir gefällt und was nicht

Im Kern von Monopoly geht es ja eigentlich darum, Eigentum (in Form von Straßen, Bahnhöfen, Häusern und Hotels) zu erwerben und diesen möglichst gewinnträchtig zu vermieten oder wieder zu verkaufen.

Beide Aspekte lassen sich aber in keiner Weise gezielt steuern. Wer Glück hat zahlt nie Miete und kassiert nur, kann ungestört bauen und abzocken. Und wer Pech hat bekommt nie das Geld für vernünftige Immobilien zusammen, weil er stets nur rappen muss oder sich unverschuldet im Gefängnis wiederfindet. Wenn die Würfel hier fehlen würden, wäre Monopoly wahrscheinlich gar kein so schlechtes Spiel.

Hinzu kommt das “offene” Ende. Es wird so lange gespielt, bis nur noch einer Kohle hat. Das kann Stunden dauern und ein Teil der Besetzung ist vielleicht schon nach der Hälfte ausgeschieden und schaut lustlos zu … oder spielt im Idealfall nebenher noch ein anderes Spiel :-).

Allen drei nun vorgestellten Spielen ist gemein, dass sie ein fest definiertes Ende haben und kein Mitspieler tatenlos zusehen muss, wie sich die letzten Beiden das Endgefecht liefern. Die ersten beiden Spiele sind schnell gespielt – max. eine halbe Stunde. Das letzte Spiel ist hingegen deutlich länger und auch das mit Abstand anspruchsvollste von den dreien.
 

Drei Alternativen zu Monopoly

Alternative 1: Machi Koro & die Großstadterweiterung

Machi Koro Monopoly Alternative

Zu Machi Koro habe ich meinen ersten Review auf diesem Blog geschrieben. Für mich ist das Spiel immer noch ein Highlight. Insbesondere für Familien mit Kindern im Grundschulalter ist Machi Koro ein super Einsteigerspiel und kommt immer wieder gerne auf den Tisch.

Ziel ist es durch gekonnten Kauf von Unternehmen (in Form von Karten) und ein wenig Würfelglück möglichst viel Geld zu scheffeln um dies wiederum in weitere Unternehmen und schlussendlich vier Großprojekte zu investieren. Jedes Unternehmen bringt abhängig vom Würfelergebnis mehr oder weniger Geld (entweder aus der Bank oder von den Mitspielern *fies*) und jedes Großprojekt zusätzliche Bonus-Optionen. Wer zuerst seine 4 Großprojekte gekauft (aufgedeckt) hat, gewinnt das Spiel.

Inzwischen gibt es zu Machi Koro auch noch die Machi Koro Großstadterweiterung, die mit vielen neuen Unternehmen und zusätzlichen Großprojekten aufwartet und dadurch das Spiel deutlich variabler macht und den Interaktionsgrad weiter erhöht.

Spieleinfo:
Verlag: KOSMOS
Spieleranzahl: 2 – 4
Alter: 8+
Spieldauer: 30 min
Erscheinungsjahr: 2014
 

Alternative 2: For Sale

Auktionsspiel rund um Häuser

In Vorbereitung auf diesen Artikel habe ich mir die Spielregel für Monopoly nochmal genau durchgelesen. Dabei ist mir besonders das Ziel des Spiels ins Auge gestochen: kaufe möglichst günstige Immobilien und verkaufe/vermiete diese dann gewinnbringend.

Nimmt man nur dieses Element des Kaufens und Verkaufens, fällt mir direkt ein super Spiel ein, das genau das Gleiche leistet und doch viel schneller gespielt ist und wesentlich mehr Spaß macht: For Sale. Jüngst als Neuauflage bei Iello erschienen und jedem ans Herz zu legen, der an diesem Aspekt von Monopoly die meiste Freude hat: dem Ringen um die besten Standorte.

For Sale ist ein ziemlich simples Spiel, das sich in zwei Phasen gliedert: zunächst werden Immobilien gekauft/ versteigert, um sie dann in der Folgephase möglichst gewinnbringend wieder zu verkaufen. Wer dabei das geschickteste Händchen hat und die meiste Kohle macht hat das Spiel gewonnen.

Besonders reizt hier das Abschätzen der Gegner. Wer geht noch mit und wer steigt aus. Wer greift sich die wertvollsten Immobilien und wer zahlt regelmäßig nichts und bekommt trotzdem gute Karten. Glück spielt hier auch eine Rolle, aber wer richtig pokert gewinnt in der Regel.

Lange habe ich auf diese Neuauflage von For Sale gewartet. Einer der Gründe, warum ich mit dieser Alternativ-Liste erst jetzt um die Ecke komme (geplant war dies schon vor über einem Jahr). Aber For Sale durfte hier meiner Meinung nach auf keinen Fall fehlen, wollte aber kein Spiel empfehlen, das nur als Auslands-Export für teuer Geld zu bekommen war.

Aber zum Glück gibt es ja jetzt die Neuauflage von Iello, der ich kurz nach ihrem Erscheinen einen ausführlichen Review spendiert habe. Wer also Lust auf Zocken hat sollte sich diese Spiele-Perle auf jeden Fall genauer ansehen.

Spieleinfo:
Verlag: Iello
Spieleranzahl: 3 – 6
Alter: 10+
Spieldauer: 30 min
Erscheinungsjahr: 2017
 

Alternative 3: Funkenschlag

Funkenschlag Wirtschaftsspiel

Eigentlich war ich auf der Suche nach Familienspielen als Alternative zu Monopoly. Aber mal ehrlich: wer 2 Stunden und länger Monopoly spielen kann und das toll findet, der ist vielleicht auch bereit dazu ein anderes Spiel auszuprobieren, das ähnlich lange geht.

Die Regeln von Funkenschlag sind relativ einfach, aber es kommt kein Würfel zum Einsatz und es geht auch nicht darum, Eigentum zu erwerben. Aber auch hier werden Objekte an den Meistbietenden versteigert und es gilt geschickt mit seinen monetären Mitteln umzugehen.

Aber jetzt mal zum Kern von Funkenschlag: Stromnetze bauen und Haushalte mit Strom versorgen. Klingt einfach und ist es auch. Wer als erster eine vorgegebene Anzahl Haushalte zu Runden ende mit Strom versorgt hat gewinnt.

Doch ganz so einfach wie auf den ersten Blick ist es dann doch nicht, denn zunächst gilt es Anschlüsse zu verlegen, Kraftwerke zu kaufen und diese dann zu befeuern.

Das Spiel gliedert sich jede Runde in die gleichen 5 Phasen:

  1. Spielerreihenfolge festlegen (wer die meisten Städte angeschlossen hat beginnt, usw.)
  2. Versteigerung von Kraftwerken (die von Runde zu Runde teurer werden, aber auch mehr leisten)
  3. Kauf von Rohstoffen (Kohle, Öl, Müll und Uran – hier steuert die Nachfrage das Angebot und wer zuletzt kommt zahlt ordentlich drauf)
  4. Ausbau der Stromnetze (Gerangel um wenige Plätze und günstige Verbindungen zwischen einzelnen Städten nicht ausgeschlossen)
  5. Versorgung der Städte und damit Auffüllen der Geldreserven für die kommende Runde

Jede Stadt bietet zu nächst nur einem Mitspieler Platz für einen Anschluss, der aber zu Beginn noch recht günstig zu haben ist. Aber auch die Stromtrassen zwischen einzelnen Städten kosten nicht wenig und es muss ausgehend von einem bereits gebauten Anschluss weitergebaut werden. Hier gilt es sich den Spielplan vor Spielbeginn genau anzusehen, um nicht im teuersten Eck der Landkarte zu starten. Hat man allerdings die Konkurrenz um sich herum, kann es auch ganz schnell eng werden. Wer letzter in der Runde ist, darf zumindest günstig Rohstoffe einkaufen und horten und damit dem Führenden das Leben schwer machen … denn Rohstoffe sind begrenzt, besonders die Wertvollen.

Funkenschlag ist mit Sicherheit das anspruchsvollste und auch längste Spiel in dieser Liste. Zugegeben die Box sieht nicht wirklich ansprechend aus und der Spielplan tut es leider auch nicht … aber die Fangemeinde weltweit ist riesig und so wird Funkenschlag in immer mehr Sprachen und Ländern gespielt. Wohl auch deswegen, weil es fast jährlich neue Spielpläne mit veränderten Regeln gibt, von denen auch ich schon einige mein Eigen nenne.

Die Funkenschlag-Welt wurde jüngst auch um eine Kartenversion (Funkenschlag – Das Kartenspiel) erweitert, die sich ausschließlich um die Auktion der Kraftwerke und deren Betrieb dreht. Da fehlt mir persönlich der spielentscheidende Aspekt des “Platzgerangels”, auch wenn die Kartenversion dafür nur 1 Stunde dauert.

Wer sich also tatsächlich mal an etwas komplexere Spiele heranwagen will und keine Angst davor hat mehr als eine Stunde Spielzeit zu investieren, der sollte Funkenschlag eine Chance geben.

Spieleinfo:
Verlag: 2F
Spieleranzahl: 2 – 6
Alter: 12+
Spieldauer: 120+ min (je mehr desto länger)
Erscheinungsjahr: 2004

 

Dieser Artikel befand sich nun seit über einem Jahr in der Pipeline, denn irgendwie konnte ich mich nicht so recht aufraffen. Unter anderem, weil For Sale nicht verfügbar war. Aber dank einiger aufmunternden Worte und Reaktionen meiner Leser, sowie der kürzlich erschienen TOP10 Liste von Tom Vasel (Dice Tower auf Englisch) bin ich endlich dazu gekommen ihn fertigzustellen.

In dieser Top 10 wird unter anderem das Spiel Happy Pigs von Iello genannt. Ebenfalls ein ganz tolles Wirtschaftsspiel mit tollem Material und Ideen von Iello – bisher leider noch nicht auf Deutsch erhältlich. Aber vielleicht haben wir ja Glück und es wird irgendwann auch nochmal bei uns zu bekommen sein.

Bereits vor einigen Monaten erschien auch ein andere Video-Beitrag von einem englischen V-Logger zum Thema. Sehr empfehlenswert und lustig. Sollte sich jeder mal ansehen, der des Englischen mächtig ist … denn der junge Mann trifft die Problematik von Monopoly auf erfrischende Art und Weise auf den Punkt.

Für Anregungen und Alternativen zu Monopoly bin ich jederzeit zu haben. Also spart nicht an Kommentaren 😉

One thought on “Alternativen zu Monopoly

  1. Ja, ich suche auch nach Monopoly Alternativen. Deine 3 Vorschläge gucke ich mir mal an.

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