Meine erste Begegnung mit Phase 10 liegt schon sehr lange zurück. Eine Austauschschülerin aus Chile brachte uns ein Spiel aus ihrer Heimat bei – Escalera (span. Treppe). Es ging darum über mehrere Runden hinweg immer wertvollere Kartenkombinationen zu sammeln und auszulegen. Wer als erster alle “Aufgaben” erfüllt hatte gewann.
Damals waren wir so richtig im Escalera-Fieber und spielten ein ums andere Mal. Es gab ja Anfang der 90er auch nicht so viele spannende Spiele-Alternativen!

Viele Jahre später sollte mir das Spiel wieder begegnen: meine WG-Mitbewohnerin und ihr neuer Lover waren im Phase 10 Fieber. Das war Anfang der 2000er. Zum damaligen Zeitpunkt wusste ich schon etwas mehr über die aktuelle Spielentwicklung und konnte nur den Kopf schütteln. Wie konnte ein solch langweiliges Spiel nur so viel Enthusiasmus erzeugen?

Wenn mich heute jemand auf Phase 10 anspricht erntet er in der Regel ein verständnisloses Kopfschütteln. Mir ist wirklich schleierhaft wie ein Spiel wie Phase 10 immer noch auf dem Markt sein kann und sich nach wie vor so gut verkauft. Es gibt ohne Ende Kartenspiele die so viel besser sind. Da bin ich ja eher bereit UNO zu spielen, das geht wenigstens relativ schnell vorbei.

Phase 10 bietet meiner Meinung nichts, was ein wirklich gutes Kartenspiel ausmacht: Die Interaktion hält sich in Grenzen, die Spieldauer ist immens lang (zumindest in der Grundversion) und auch hier (wie z.B. bei Monpoly auch) kristallisiert sich oft bereits in der Mitte des Spiels heraus, wer gewinnen wird und wer verlieren. Hinzu kommt noch diese völlig sinnfreie und komplizierte Wertung zu Ende jeder Runde, denn es passiert eher selten, dass zwei Spieler gleichzeitig Phase 10 erreichen und die Punkte wirklich relevant würden.

Wer mein Unverständnis nachempfinden kann und nach netten und abwechslungsreichen Alternativen sucht, der kann sich gerne von der folgenden Auswahl inspirieren lassen.

 

Meine drei Alternativen zu Phase 10

 

Alternative 1: Coloretto

Zugegebenermaßen habe ich Coloretto erst vor einigen Monaten für mich entdeckt. Beim Onlinespieleportal boardgamearena.com. Inzwischen gehört es zu einem meiner meistgeliebten Absacker und Pausenfüller sowohl online als auch am abendlichen Spieletisch mit Freunden.

Spielprinzip:

Coloretto KartenspielBei Coloretto ist es Ziel von den 7 vorhandenen Kartenfarben möglichst nur 3 Farben zu sammeln. Denn nur 3 Farben zählen am Ende des Spiels Pluspunkte, der Rest zählt Minuspunkte.

Zu Spielbeginn werden alle Karten gemischt und jeder Spieler erhält eine Karte. Hierbei muss jeder Spieler eine andere Farbkarte bekommen. Diese Karte legt er als Startkarte vor sich aus. Hinzu kommen noch Reihenkarten – pro Mitspieler eine. Diese werden zusammen mit den restlichen Karten in die Mitte des Tischs gelegt.

Wer an der Reihe ist, muss eine der folgenden Optionen nutzen:

  • Entweder eine Karte aufdecken und an eine Kartenreihe anlegen oder
  • Eine Kartenreihe nehmen und aus der aktuellen Runde aussteigen.

Jede Kartenreihe ist auf 3 Karten begrenzt, d.h. wenn bereits alle Kartenreihen voll sind, kann man nur noch die zweite Möglichkeit wählen. Zudem darf eine Kartenreihe nur aufgenommen werden, wenn darin mindestens eine Karte liegt.

Die genommenen Karten legt der Spieler offen vor sich ab, sortiert nach Farben (= Farbreihen).

Haben alle Spieler eine Kartenreihe aufgenommen, ist die Runde zu Ende und es wird eine neue Runde begonnen.

Neben den Farbkarten gibt es auch noch 3 Joker, die erst zu Ende des Spiels einer Farbreihe zugeordnet werden müssen. Des Weiteren gibt es noch Bonuskarten, die unabhängig von der Farbe immer 2 Punkte zählen.

Das Spiel endet, sobald der zu Beginn eingemischte “Letzte Runde”-Karte aufgedeckt wird. Die aktuelle Runde wird dann noch zu Ende gespielt und danach die Punkte gezählt.

Hierzu werden die drei Farbreihen mit den meisten Karten positiv bewertet, der Rest negativ. Je mehr Karten man in einer Reihe sammeln konnte, desto mehr Punkte gibt es. Für 3 Karten 6 Punkte und für 6 Karten 21. Mehr als 21 Punkte kann man aber pro Farbe nicht bekommen.

Meine Meinung:

Was mich an Coloretto so fasziniert, ist das ein Spiel mit solch einfachen Regeln doch so verzwickt werden kann. Coloretto zählt zu den sogenannten Push-your-Luck spielen, denn eine Karte zu viel in der falschen Farbe kann den Ruin bedeuten. Man wird es so gut wie nie schaffen nur 3 Farbreihen zu sammeln. Dafür sorgen schon die Mitspieler, die nicht nur im eigenen Interesse handeln, sondern auch stets bedacht sind dem Führenden Salz in die Suppe zu streuen. Wenn man allerdings auf Sicher spielt und regelmäßig frühzeitig aus den Runden aussteigt, wird man ganz sicher auch nicht gewinnen.

Es gilt auch stets die Farbreihen der anderen Mitspieler im Auge zu behalten, denn eine Farbe, die bereits in 2 oder 3 Auslagen liegt, wird es nicht mehr so oft geben. Zu verhindern gilt es zudem von vielen Farben wenige Karten zu sammeln, dann gleichen sich nämlich Plus- und Minuspunkte schnell aus. Eine Karte von jeder Fehlfarbe hingegen ist eher noch zu verkraften.

Für die Wertung liegt für jeden Spieler eine Wertungsübersicht bei, auch das hilft insbesondere Anfängern dabei abzuschätzen welche Kartenreihen von Vorteil sind und welche nicht.

Zum 10-jährigen Jubiläum wurde dem Spiel eine Sonderausgabe spendiert. Die ist optisch netter anzusehen und kostet nur ein paar Cent mehr. Zudem enthält sie einen Sonderjoker, der einem erlaubt noch eine Karte zusätzlich vom Stapel zu ziehen – das kann super sein oder voll in die Hose gehen ;-).

Den Nachfolger Zooloretto, der 2007 den Preis Spiel des Jahres gewonnen hat, habe ich nicht annähernd so spannend empfunden wie Coloretto. Und das, obwohl das Spielprinzip ziemlich identisch ist. Manchmal ist weniger eben mehr und bei Coloretto trifft dies voll zu.

Spieleinfo
Alter: 8+ (6+)
Spieleranzahl: 2 – 5
Spieldauer: 30 min
Verlag: Abacusspiele
Erscheinungsjahr: 2003
Preis: 7 EUR

 

Alternative 2: Sushi Go!

Sushi Go! ist ein wunderbares Spiel basierend auf dem Drafting-Mechanismus. Ziel ist es möglichst interessante Sushi-Kombinationen zu sammeln, die abhängig von der Kartenzahl und den Auslagen der Mitspieler unterschiedliche Punkte bringen.

Spielprinzip:

Sushi Go! von ZochHierbei bekommt jeder Spieler zu Beginn die gleiche Anzahl Karten. Alle Spieler wählen verdeckt eine Karte aus und geben den Rest der Karten an den Mitspieler weiter.

Die gewählten Karten werden ausgelegt und abhängig von der Kartensorte am Ende der Runde gewertet:

  • Nigiri sind 1,2 oder 3 Punkte wert; in Kombination mit Wasabi das doppelte
  • Tempura punkten nur im Doppelpack (5 Punkte)
  • Sashimi nur im Dreierpack (10 Punkte)
  • Muscheln abhängig von der Anzahl (1 = 1 Punkt, 2 = 3 Punkte, … , 5 = 15 Punkte)
  • Bei Maki Rollen erhält der Spieler mit den meisten 6 Punkte, der mit den zweitmeisten immerhin noch 3 Punkte.

Nachdem eine Runde beendet wurde, werden alle Karten bis auf die ausgespielten Puddings auf einen offenen Ablagestapel gelegt und neue Karten ausgeteilt. Gespielt wird über 3 Runden.

Zuletzt werden noch die gesammelten Puddings gewertet: Der Spieler mit den meisten erhält 6 Punkte Plus, der mit den wenigsten 6 Punkte Abzug. Die Puddings sind auch die Einzigen Sushi-Karten, die über die Runden hinweg vor den Spielern liegen bleiben.

Wer zum Schluss die meisten Punkte sammeln konnte gewinnt das Spiel.

Meine Meinung:

Sushi-Go! ist ein wunderbares Familienspiel. Die Grafik ist ansprechend und die Shushis sehen richtig frech aus. Jeder Karte kann man entnehmen, wie viele Punkte sie bringt, denn die Wertungen sind im blauen Kasten in der Fußzeile der einzelnen Karten angegeben.

Es gilt stets abzuwägen, ob man lieber eine Karte für die eigene Auslage sammelt oder dem folgenden Spieler eine passende Karte stibitzt.

Von den 108 Karten kommen auch nie alle ins Spiel, ein Teil der Karten bleibt stets übrig. Bei 3 Spielern mehr, bei 5 Spieler sind es immerhin noch 3 Karten. So kann man sich nie 100% sicher sein, dass Karten, die bisher noch nicht so oft gespielt wurden tatsächlich noch kommen.

Es gilt auch sich zu merken, welche Karten in den Vorrunden schon viel gespielt wurden. Hierzu muss aber jeder Spieler zu Beginn des Spiels darüber in Kenntnis gesetzt werden, wie oft jede Karte vorhanden ist. Hier wäre eine Infokarte für jeden Spieler über die Häufigkeit der einzelnen Karten im Spiel interessant.

Je mehr mitspielen, desto schwieriger wird es bestimmte Kombinationen zu sammeln, da bei 5 Spielern jeder zu Beginn lediglich 7 Karten erhält. Solle ein Spieler hier tatsächlich 5 Muscheln sammeln können, dann hat der Rest – mit Verlaub –  gepennt.

Sushi-Go! ist eine nette Abwechslung zu den gängigen Familien-Kartenspielen, bei denen es meist nur darum geht, als erster seine Karten loszuwerden.

Spieleinfo
Alter: 8+ (7+)
Spieleranzahl: 2 – 5
Spieldauer: 15 – 30 min
Verlag: Zoch
Erscheinungsjahr: 2014
Preis: 10 EUR

 

Alternative 3: Abluxxen

Abluxxen ist das komplizierteste Spiel in dieser Liste. Nicht etwa, weil die Regeln furchtbar komplex sind, sondern weil die Art Karten zu spielen so völlig dem gewohnten Muster wiederspricht. Und genau das reizt mich an diesem Spiel so sehr.

Spielprinzip:

Abluxxen KartenspielBei Abluxxen geht es darum als erster Spieler seine Karten von der Hand zu bekommen. Hierzu erhält jeder Mitspieler zu Beginn verdeckt 13 Karten. Der Rest wird als Nachziehstapel in die Mitte des Tischs gelegt und dann noch die obersten 6 Karten offen danebengelegt. Die Karten reichen von den Werten 1 – 13 (je 8-mal), hinzu kommen noch 5 Joker.

Wer an der Reihe ist legt nun 1 oder mehr Karten mit derselben Zahl offen vor sich aus. Dabei spielt es keine Rolle, was andere bereits gespielt haben bzw. welche Karten man selbst bereits in Vorrunden ausgespielt hat. Es ist z.B. möglich 5 3er zu spielen, wenn man in der Vorrunde 2 10er gelegt hat.

Danach vergleicht man den Wert und die Anzahl der ausgelegten Karten mit der jeweils letzten Auslage der Mitspieler. Ist die Anzahl der Karten identisch und der Wert höher, dann darf man den Mitspielern die Karten “abluxxen”.

Hierbei ist es dem Spieler überlassen, ob er die abgeluxxten Karten auf die Hand nimmt oder nicht.

  • Nimmt er die Karten, dann muss der Mitspieler Karten in der gleichen Anzahl nachziehen (entweder vom Nachziehstapel und/oder von der offenen Auslage).
  • Will er die Karten nicht, dann hat der Mitspieler die Wahl: Entweder er nimmt die Karten selbst zurück auf die Hand oder er wirft sie ab und zieht wie oben beschrieben nach.

Wer es schafft auf diese Art und Weise als erster seine Karten von der Hand zu bekommen beendet das Spiel. Nun zählen alle Karten in der Auslage je einen Pluspunkt und Karten in der Hand einen Minuspunkt. D.h. es gewinnt nicht notwendigerweise der Spieler, der die aktuelle Runde beendet hat.

Meine Meinung:

Phase 10 besitze ich lediglich deswegen, weil es zur Markteinführung von Abluxxen im Doppelpack angeboten wurde und da genauso teuer war wie Abluxxen allein. Das spricht dafür, dass auch der Verlag Ravensburger die spielerische Nähe dieses Spiels zu Phase 10 erkannt hat.

Jedoch weist Abluxxen einen viel größeren Interaktionsgrad auf als sein “Vorgänger”. Selten kommt es vor, dass eine komplette Runde gespielt wird, ohne das ein Spieler einen Angriff auf die Auslage der Mitspieler startet.

Man sollte daher stets versuchen einzelne Werte schnell loszuwerden und so größere Gruppen zu sammeln, denn je mehr Karten einer Sorte ausgelegt werden können, desto schwieriger wird es diese abzuluxxen. Hier gilt es geschickt die Karten auszuspielen und auch immer darauf zu achten, welche Karten die Mitstreiter aus der offenen Auslage sammeln. Wer schlau spielt, kann auch einfach mal mit einer Runde 2er seine komplette Auslage schützen.

Ich finde Abluxxen ein super Spiel für laue Sommerabende und freu mich schon jetzt auf die nächste Runde 😉
 

Spieleinfo
Alter: 10+
Spieleranzahl: 2 – 5
Spieldauer: ~45 min
Verlag: Ravensburger
Erscheinungsjahr: 2014
Preis: 10 EUR

7 thoughts on “Alternativen zu Phase 10 – Karten sammeln mal anders

  1. Dieser Beitrag ist echt Gold wert 😀 Den muss ich auf jeden Fall bookmarken. So oft berichten Leute mir noch begeistert von Phase 10…
    Coloretto habe ich übrigens erst gestern gespielt und mir auch schon einige Gedanken zu Zusatzregeln gemacht.

    1. Hallo Chris,
      danke für Deinen netten Kommentar. Vielleicht interessieren Dich ja auch noch meine anderen Alternativ-Listen. Die für Monopoly sollte eigentlich diesen Monat endlich mal fertig werden.
      Die Zusatzregeln für Coloretto werde ich mir dann mal zu Gemüte führen.

  2. Es freut mich immer, wenn Leute Gefallen an einem Spiel finden, egal wie simple es ist, es geht darum, dass es den Leuten Freude bereitet. Eine Alternativen Liste ist eine schöne Idee, aber das Spiel aus eigener Abneigung so herunterstufen zu wollen, ist einfach nur Schwachsinn. Schön, es gefällt dir nicht, das kannst du auch gerne erwähnen, und erklären weswegen, aber zu implizieren, dass dieses Spiel eigentlich keinem Spaß machen dürfe und sich nicht so gut verkaufen lassen dürfe, weil du es nicht magst, ist ganz und gar nicht reflektiert. Wenn dieses Spiel Leuten gefällt, wer bist du, das in dem Maße herabzuwürdigen?

    Abschließend möchte ich aber auch etwas positives schreiben:
    Mir gefällt deine Auswahl der Spiele, sowie die Beschreibung eben jener und werde mich mit ihnen mal befassen. Dementsprechend freue ich mich auch deinen Beitrag gefunden zu haben, eine Horizonterweiterung ist ja immer etwas Nettes, auch im Bereich der Spiele.

    1. Hallo Veronique,
      Vielen Dank für Deinen kritischen Kommentar zu meiner Alternativ-Liste, den ich natürlich gerne veröffentliche.

      Spiele sind immer Ansichtssache und sicherlich hast Du Recht damit, dass Phase 10 sehr vielen Leuten wirklich gut gefällt. Mir geht es leider nicht so, dafür gibt es einfach viel zu viele Spiele, die wirklich mehr bieten und ebenso einfach sind. Warum gefällt den Leuten Phase 10 denn so gut? Meine Erfahrung zeigt mir, dass es oft das fehlende Wissen um bessere Alternativen ist. Phase 10 kennt jeder und wenn man in den großen Läden auf der Suche nach einem Spiel ist, dann findet man es wirklich überall zu kaufen. Aber nur, weil ein Spiel überall verfügbar ist, bedeutet es nicht automatisch, dass damit schon das obere Ende der Fahnenstange erreicht ist.

      Sind einige der Alternativen erst mal bekannt, bleibt Phase 10 in der Regel auf Dauer im Regal liegen und verstaubt dort. Leider bekomt die breite Masse an potenziellen Käufern die besseren Alternativen gar nicht zu Gesicht, da Spiele wie Phase 10 wirklich überall angeboten werden und viele andere Spiele in der Regel nur im Spielefachhandel oder online zu bekommen sind. Auch über Bewertungen auf Amazon und Co. Lässt sich streiten, dennoch richten sich viele Käufer danach.

      Jeder Spieleblog ist subjektiv, so natürlich auch meiner. ICH schreibe hier und daher spiegeln all meine Artikel meine persönliche Meinung für ein Spiel wider. Das trifft glaube ich auf alle Blogger zu. Im Vorhinein informiere ich mich jedoch so gut es geht über die Spiele über die ich schreibe, auch darüber wie andere Spieleinteressierte darüber denken. Manchmal weicht meine Meinung von der anderer ab, manchmal stimmt sie mit der breiten Masse überein.

      Phase 10 steht auf Boardgamegeek (der weltweit größten und angesehensten Spieledatenbank) auf Platz 15.953. D.h. Es gibt offiziell 15.952 Spiele, die weltweit „besser“ bewertet werden und das nicht nur von mir! Und meine Kritik an Phase 10 ist meines Erachtens noch harmlos im Vergleich z.B. Zum Review von Tom Vasel (der wohl bekannteste VLogger der Spiele-Szene).

      Ich würde mich freuen, wenn Du in einigen Monaten ein Update zu Deinem Kommentar schreibst und mir Deine Meinung zu meinen Alternativen mitteilst. Die Alternativ-Liste ist auch jetzt schon veraltet und wenn ich vll. Anfang kommenden Jahres mal wieder Zeit finde, werde ich eine neue Alternativ-Liste veröffentlichen.

      Viele Grüße
      Diana

      1. Ich finde deine Kritik an Phase 10 eigentlich recht moderat ausgefallen. Wenn du hier vielleicht vorab etwas ausführlicher begründet hättest, dann wäre diese sicher auchverständlicher bei Veronique angekommen.

        Bevor ich zu Phase 10 noch ein paar Worte verliere, möchte ich hier mal kurz etwas weiter ausholen, weil mir bei dem Umgang der Brettspiel-Community mit Spielen wie eben Phase 10, Monopoly oder Mensch ärgere dich etwas aufgefallen ist. Die Brettspiel-Branche hat aus meiner Sicht inzwischen ein großes Problem: die Community hat einen ganz schlechten Umgang mit Klassikern. Während in anderen Branchen (Bücher, Videospiele etc.) die Bedeutung alter Werke immer hoch gehalten wird (siehe auch die Retro-Welle bei den Videospielen), lebt die Brettspiel-Community primär im Hype of the New. Jetzt in der Zeit vor Essen ganz deutlich zu spüren. Bei allgemeinen Klassikern wie Mensch ärgere dich nicht oder Monopoly wird immer sofort das Gesicht verzogen. Da verhält sich die Community ziemlich uniform. Erst letztens habe ich einen Artikel bei abenteuer-brettspiele gelesen, welcher sich mit der Beliebtheit der Klassiker befasst. Meiner Meinung nach, wurde aber auch da nicht der Grund richtig erkannt.

        Wie sieht es meiner Meinung nach aktuell in der Brettspiel-Branche aus? Viele Spiele verschwinden in kurzer Zeit in der Versenkung. Nur noch selten wird sich intensiv mit Titeln auseinander gesetzt, wobei aber gerade das teilweise wichtig ist um die Mechaniken richtig zu verstehen. Richtig Schach kann man schließlich auch nicht nach 3 Partien spielen, auch wenn die Zugmechanismen prinzipiell leicht zu verstehen sind. Echte Klassiker wie z. B. Siedler von Catan, welche auch in der Masse ankommen und hohe Verkaufszahlen generieren hat die Branche lange nicht mehr hervor gebracht. Es scheint auch gar nicht mehr der Fokus darauf zu liegen, wenn man sich die Schnelllebigkeit in der Branche so ansieht.
        Bei einigen Branchengrößen unter den Reviewern scheint die Zeit der Gesellschaftsspiele zudem erst irgendwann nach dem Jahr 2000 zu beginnen. Das merkt man nicht nur in den Reviews dieser Leute, welche immer nur die selben Titel nennen und gar nicht wissen, dass bestimmte Mechanismen schon vorher verwendet wurden. Wenn ich z.B. an die Room-Tour von Cron auf Youtube denke, da war kaum ein älterer Titel zu sehen. Außer Hero Quest. Das Spiel ist immer gerne dabei. Aber warum nicht mal irgendetwas anderes älteres? Irgendwas, was man aus nostalgischen oder aus Interesse an der Brettspielgeschichte mag. Ich könnte zig Spiele nennen, welche ich aus eben diesen Gründen besitze oder einfach nur, weil ich die Simplizität der alten Spiele zeitweise sehr ansprechend finde. Noch immer packe ich ein Gänsespiel von Ravensburger aus dem Jahr 1979, welches zudem eine Reproduktion von 1904 ist, mit großer Faszination aus. Zumal ich schon einige sehr vergnügliche Spielmomente mit meiner Familie bei dem Spiel hatte, trotz das hier spielerisch wenig besonderes geboten wird. In der Community werden alte Titel weitestgehend missachtet. Da verhältst du dich angenehmer Weise weitestgehend anders, auch wenn dich am Ende deines Kommentars hier dazu hinreißen lässt zu äußern, dass die Alternativ-Liste schon wieder veraltet ist. Warum? Lass es doch so stehen wie es ist. Alle genannten Spiele sind heute immer noch super spielbar, alle sind noch erhältlich, bereiten immer noch mehr Vergnügen als Phase 10 und so die große Revolution hat ja nun auch nicht seit Erscheinen des Artikels bei den Rommé-Ablegern gegeben.

        Aus den genannten Gründen resultiert dann der Konflikt welcher mit Veronique entstanden ist. Wir achten die Klassiker einfach nicht richtig. Warum? Weil wir einen großen Wissensvorsprung zu den Nicht- bzw. Wenigspielern besitzen und wollen, dass diese doch die viel besseren Spiele kennen lernen. Das ist ja prinzipiell auch löblich. Nur erreichen wir das eher, indem wir begreiflich machen, warum Spiele wie Phase 10 so beliebt sind und zeigen was andere Spiele aber so viel besser machen.

        Damit zurück zu Phase 10.

        Was gefällt an Phase 10? Phase 10 ist einfach zu verstehen. Phase 10 ist Rommé in eine feste Struktur gepresst. Durch den bekannten Mechanismus kombiniert mit festen, nacheinander zu lösenden, Aufträge ist das Spiel sehr zugänglich und mit bis zu 6 Spielern somit für jede Familienrunde geeignet. Zudem ist das Spiel sehr ruhig und wenig aufregend. Eignet sich also bestens dafür nebenbei ein wenig zu quatschen.

        Warum finden es dann aber so viele Leute so schlecht? Das Spiel selber ist extrem unkommunikativ und wenig interaktiv. Am schlimmsten aber ist die starre Abfolge der zu erledigenden Aufträge. Diese sind der Grund dafür, dass sich das Spiel oftmals wie Kaugummi zieht. So kriegt man manche Aufträge einfach nicht fertig. Dadurch, dass man nur wenig Einfluss auf das Spiel hat, kann das ziemlich frustieren. Schreiten die anderen dann in der Phase voran, verschlimmert sich das Problem weiter. So sind nicht alle Phasen schwer zu schaffen, sondern nur bestimmte. Dadurch steigt der Vorsprung des Führenden. Zudem verändert sich der Nachziehstapel anhand der gespielten Phasen. Dadurch verschlechtert sich auch mal die Wahrscheinlichkeit für den zurück liegenden die benötigte Karte zu erhalten, wenn alle anderen auf eine spätere bestimmte Phase spielen. Das Spiel zieht sich also noch länger. Die Spielmechaniken können eine so ausufernde Spieldauer nicht mit Spannung füllen. Dazu kommt der Frust und die geringe Interaktion, was im Fazit eine große Portion Langeweile im Vergleich zu anderen Spielen bedeutet.

        Phase 10 eignet sich also gut zum entspannt nebenher spielen. Ein schönes Spielerlebnis stellt sich aber eher nicht ein. Da sind alle hier genannten Spiele besser für geeignet. Will man noch näher dran an Phase 10, kann man sich auch mal Phase 10 Junior (aktuell leider out of print) oder Dumm gelaufen ansehen. Phase 10 Junior spielt sich wesentlich flüssiger, da es praktisch nur eine Phase mit verschiedenen Motiven gibt, welche aufgrund der nicht vorgegebenen Reihenfolge wiederum leichter zu sind. Dumm gelaufen bringt hingegen etwas Chaos in den Spielablauf und spielt sich daher um einiges abwechlungsreicher.

        1. Hallo Marco,

          wie immer vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar und auch für die Kritik an der Spiele-Community, die ja zum Teil nicht ganz unberechtigt ist. In der Tat ist die Meinung zu diversen älteren Titeln bei der gutinformierten Spielerschaft nicht die allerbeste und ich will mich hiervon gar nicht unbedingt ausnehmen. Ich spiele seit ich klein bin Gesellschaftsspiele und sicherlich gibt es die ein oder anderen Klassiker, die auch modernen Spielen noch die Stirn bieten können … aber auch viele, die einfach nicht mehr in die heutige Zeit passen und doch auch nach heutigen Gesichtspunkten nicht ganz rund sind. Aber jeder Mensch hat natürlich das Recht ein Spiel toll zu finden und sollte deshalb nicht kritisiert werden.

          Ebenso wie Du sehe ich die akutelle Halbwertszeit von neuen Spielen sehr kritisch und würde mir insbesondere von den großen Verlagen mehr Fokus auf Klasse statt Masse wünschen, davon hätten dann sicherlich alle was. Denn ganz ehrlich: so viele neue Spiele braucht kein Mensch und vor allem nicht solche, die Prinzip X zum 100sten Mal aufkochen und null innovativ sind. Diese Kritik habe ich übrigens auch bei Treffenm mit Verlagsvertretern in Essen geäußert und bin da z.T. durchaus auf offene Ohren gestoßen. Aber ändern wird sich an der aktuellen Verlagspolitik wohl doch nichts und so wird weiterhin extrem viel Müll (im wahrsten Sinne des Wortes) produziert. Also mehr Fokus auf die kleinen Verlage, die können es sich nämlich eigentlich nicht leisten Zeit, Geld und viel Arbeit in Spiele zu investieren, die sie dann nach einem Jahr schon nicht mehr supporten. Einen kritischen Beitrag habe ich hierzu im Kopf bereits in Planung, ob und wann der jedoch erscheinen wird ist leider noch nicht abzusehen.

          Auf der anderen Seite gibt es aber auch Spiele, die zum Glück wieder in Print sind und neu aufgelegt werden. Endlich gibt es zum Beispiel Trans Europa wieder, dem ich demnächst einen Beitrag widmen werde. Aber auch Downforce (basierend auf einem sehr alten Rennspiel von Wolfgang Kramer aus dem Jahr 1974) bekommt eine neue Chance und das freut mich sehr. Also nicht alles neue ist tatsächlich so neu, sondern manchmal nur gut überarbeitet und passend auf die heutige Zeit zugeschnitten.

          Viel Spaß weiterhin mit meinem Blog und ich freue mich schon auf die nächsten Kommentare und Spieltipps, die ich mir auf jeden Fall immer genau anschaue.

          1. Hallo Diana,

            vielen Dank für die Schilderung deiner Sicht der Dinge, welche ich weitesgehend auch teile. Sieh dich bitte nicht genötigt auf meinen dazu gegebenen Senf ausführlich antworten zu müssen. Manchmal strömt es einfach so aus mir heraus. 😉

            Viel Spaß habe ich auf jeden Fall mit deinen Blog. Vor allem, weil er genau den Bereich an Spielen abdeckt, welchen wir selber gerade primär spielen. Hier sind also einige wertvolle Informationen für mich zu finden. Daher auch noch mal vielen Dank für deine Arbeit hier. Wenn es nicht so weit weg wäre, wäre ich sicher schon längst mal mit meiner Familie bei dir im Laden vorbei gekommen. Vielleicht ergibt es sich mal bei einer Urlaubsreise.

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